Die RAG-Stiftung hat in ihrem Jahresabschluss für das Jahr 2023 ihr gesamtes Engagement in der insolventen Signa-Gruppe abgeschrieben. Das macht etwa ein bis zwei Prozent ihres Gesamtvermögens in Höhe von 17,6 Milliarden Euro aus, also zwischen 180 und 350 Millionen Euro. Dies bestätigt ihr Vorstandsvorsitzender Bernd Tönjes in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er betont, dass die RAG-Stiftung aktuell kein Risiko mehr in Bezug auf Signa habe.
Signa ist ein im Jahr 2000 gegründetes österreichisches Immobilienunternehmen. Es tätigte zahlreiche Zukäufe, unter anderem erwarb es die Warenhausgesellschaften Karstadt und Galeria Kaufhof. 2023 geriet Signa zunehmend in finanzielle Schieflage, im gleichen Jahr meldete das Unternehmen Insolvenz an. Hauptgesellschafter von Signa ist die Familie-Benko-Privatstiftung. Sie ist zu zehn Prozent direkt und zu 74 Prozent über die Signa Supraholding mehrheitlich am Unternehmen beteiligt.
Breite Streuung der Risiken
Die Entscheidung der RAG-Stiftung, bei Signa zu investieren, sei 2017 gefallen, als das Unternehmen ein herausragendes Portfolio im Bereich hochkarätiger europäischer Immobilien besessen habe. Die anfänglich positive Entwicklung habe sich ab 2022 aufgrund steigender Zinsen, schwieriger Geldbeschaffung und explodierender Baukosten gewandelt. Doch Bernd Tönjes betont: „Unsere Philosophie ist, möglichst breit und diversifiziert zu investieren – in allen Ländern dieser Welt und auf möglichst allen Kontinenten. Wir streuen damit die Einzelrisiken so breit wie möglich.“
Trotz der Signa-Verluste habe die Stiftung im Jahr 2023 gute Gewinne verzeichnet, insbesondere durch erfolgreiche Verkäufe in Private-Equity-Fonds. Tönjes rechnet für das letzte Jahr mit einem Ergebnis von rund 400 Millionen Euro, deutlich über den zuvor formulierten Zielvorgaben. Sorgen darüber, dass die RAG-Stiftung die Finanzierung der Ewigkeitskosten des Bergbaus langfristig nicht stemmen könne, mache der Vorstandsvorsitzende sich nicht.
Über die RAG-Stiftung
Die RAG-Stiftung mit Sitz in der Zeche Zollverein in Essen finanziert die Verpflichtungen, die seit Beendigung des deutschen Steinkohlenbergbaus als sogenannte Ewigkeitsausgaben fortbestehen. Dazu gehören Grundwasserreinigung, Grubenwasserhaltung oder Poldermaßnahmen in den ehemaligen Steinkohlerevieren an der Ruhr und Saar und in Ibbenbüren. Neben der Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben ist es satzungsgemäß unter anderem Aufgabe der Stiftung, die RAG Aktiengesellschaft bei der Beseitigung und Vermeidung der Folgelasten des Bergbaus zu unterstützen. Die RAG AG befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der RAG-Stiftung.
