Schnelles Geld für die Spitzenforschung

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Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ist eine außeruniversitäre Forschungsorganisation in Deutschland. Nach eigenen Angaben umfasst sie 85 Einrichtungen und erhielt 2024 aus öffentlichen Mitteln von Bund und Ländern rund 2,15 Milliarden Euro. International ist die MPG stark nachgefragt: „Wir rekrutieren unsere Direktoren international und erhalten sehr viele Bewerbungen aus der ganzen Welt“, sagte Generalsekretärin Simone Schwanitz jüngst im Podcast „Stiftophon – zugehört“. 

Um in diesem Umfeld zusätzliche Spielräume zu schaffen, gibt es an der Seite der MPG die Max-Planck-Förderstiftung. Sie will dort unterstützen, wo die klassische Forschungsfinanzierung an Grenzen stößt. Neben ihrer Rolle als Generalsekretärin der MPG ist Schwanitz auch Vorständin der Förderstiftung. Diese stehe der Forschungsgesellschaft finanziell immer dann zur Seite, „wenn kurzfristig Mittel fehlen, wenn wir ganz schnell Ideen verwirklichen wollen.“ Außerdem springe sie ein, wenn es Anschaffungen gebe, die Wissenschaftler dringend benötigten, die sich aber nicht unmittelbar aus öffentlichen Mitteln finanzieren ließen. 

In der Größenordnung sieht die Stiftung ihren Einfluss nicht als haushaltsprägend. Sie verfügt nach eigenen Angaben über ein Vermögen von 725 Millionen Euro. „Mal schütten wir fünf Millionen Euro aus, mal kommen wir auch auf 15 Millionen Euro im Jahr“, sagte Mitstifter und Jurist Reinhard Pöllath im Podcast. Seit Gründung der Stiftung im Jahr 2006 habe sie mehr als 50 Millionen Euro für rund 80 Projekte bereitgestellt. 

Schnelligkeit statt Ersatzfinanzierung

Laut Pöllath gibt es zwei Leitplanken für Förderentscheidungen der Stiftung. Erstens: „Wir wollen nicht eine Million Euro ausgeben, die die MPG auch mit öffentlichen Mitteln hätte finanzieren können.“ Die Stiftung wolle öffentliche Mittel nicht substituieren. Zweitens: Gefördert werden solle „nur zusammen mit öffentlichen Mitteln und auf sie aufbauend“. Es müsse etwas sein, „wo der Haushalt der MPG oder des Instituts stark engagiert ist“. 

Info

Die Max-Planck-Gesellschaft

  • Die Max-Planck-Gesellschaft ist in Deutschland und weltweit ein zentraler Akteur der Grundlagenforschung.
  • Es gibt 85 Max-Planck-Institute und Forschungseinrichtungen (Stand 2025). Davon befinden sich vier Institute und eine Außenstelle im Ausland.
  • Die Gesellschaft beschäftigt insgesamt 25.740 Mitarbeiter. (Stand 2024)
  • 31 Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft haben den Nobelpreis erhalten.
  • Seit Anfang der 1990er-Jahre sind 200 Firmenausgründungen aus der Max-Planck-Gesellschaft hervorgegangen.
  • Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus öffentlichen Mitteln von Bund und Ländern. 2024 waren es über 2,15 Milliarden Euro.

Die Stiftung versteht sich damit als Ergänzer und als Beschleuniger. Pöllath beschreibt als Idealfall Vorhaben, bei denen es auf Schnelligkeit ankomme und nicht nur auf den Geldbetrag. Wie das in der Praxis aussehen kann, erläutert Schwanitz am Beispiel eines „Transatlantik-Programms“. Hintergrund seien die drastischen Kürzungen bei den Drittmitteln in den USA gewesen, wodurch vielen Nachwuchswissenschaftlern die Finanzierung weggebrochen sei. Für ihre Projekte habe die Förderstiftung kurzfristig Mittel bereitstellen können. 

Förderung ohne Themensteuerung

Inhaltlich will die Förderstiftung nach eigener Darstellung keine Forschungsagenda bestimmen. Schwanitz sagt: „Wir fördern nicht kleinteilig Projekte, wir fördern auch nicht Themen.“ Auch Pöllath widerspricht einer thematischen Auswahl durch Förderer: „Wir wollen nicht raussuchen, welches Forschungsgebiet besonders gut ist. Das sollen mal schön die Forscher sagen.“ Entscheidend sei die Passung zu vorhandener Exzellenz und der konkrete Zusatzbedarf. 

Ein weiterer praktischer Anwendungsfall ist nach Darstellung von Schwanitz die internationale Rekrutierung. Die MPG werbe weltweit um wissenschaftliche Spitzenkräfte. Dabei seien manchmal auch relativ kleine, aber entscheidende Maßnahmen nötig. Schwanitz nennt „Welcome Packages“: Das klinge banal, sei aber oft entscheidend. „Wer mit Familie und Team nach Deutschland zieht, will vorab wissen, wie die Stadt aussieht und was sie in ihrer neuen Heimat erwartet.“ Aus öffentlichen Mitteln könne man zwar Berufungskandidaten einladen, aber nicht die Familie. Solche Maßnahmen könnten dann über die Stiftung ermöglicht werden. 

Kapitalanlage nach Endowment-Vorbild

Finanziell stützt sich die Stiftung nach Pöllaths Darstellung auf ein Anlagekonzept nach dem Vorbild großer US-Endowments: „Wir legen so an wie Harvard, Stanford, Yale, Columbia.“ Das Vermögen sei „weltweit gestreut“ und in zahlreiche Fonds investiert. Das Spektrum reiche „von Private Equity und Venture Capital über Hedge Funds, über Private Credit“ bis zu „einer ordentlichen Menge Immobilien“. Die Steuerung erfolge über eine professionelle Managerauswahl; ein Investment-Committee achte auf Ressourcen und „Best Practice der Endowments“. 

Zur Rolle von Nachhaltigkeitskriterien sagt Pöllath: „Wir halten uns ganz formal an die Kriterien, die der norwegische Staatsfonds sich gegeben hat.“ In der Due Diligence gebe es eine Stufe, die „speziell ESG-Kriterien prüft“. Gleichzeitig macht er deutlich: „Wir würden nicht nur wegen ESG investieren. Wir investieren nur wegen des Geldes, aber ESG-korrekt.“ 

Bei der Rendite formuliert Pöllath eine klare Logik: Man müsse „mehr als den Inflationsindex erwirtschaften“. „Nur das, was darüber hinausgeht, steht überhaupt zur Verfügung für Ausschüttungen.“ Insgesamt bewege man sich „in dem Feld, in dem die amerikanischen Endowments sich bewegen“ – „einstellig, nicht zweistellig“. Währungseffekte zwischen Euro und Dollar könnten Jahresergebnisse zudem beeinflussen. 

Dieser Text basiert auf einer Folge unseres Podcasts „Stiftophon – zugehört“ vom 24. März 2026. Wenn Sie mehr über das Thema erfahren möchten, gelangen Sie hier zur Folge.

Tobias Müller ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Er hat Friedens- und Konfliktforschung sowie Journalismus in Frankfurt am Main und Darmstadt studiert. Als Werkstudent arbeitete er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Anschluss folgte eine Tätigkeit als Onlineredakteur beim Magazin Chrismon.