Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren in seiner Schweizer Wahlheimat gestorben. Der gebürtige Hamburger und Enkel des Unternehmensgründers war seit 1966 Vorstandsvorsitzender des Logistikunternehmens Kühne und Nagel, das er 1969 in die Schweiz verlegte. 1976 gründete er mit seinen Eltern die Kühne-Stiftung, die ihren Sitz an der Unternehmensadresse der Aktiengesellschaft in Schindellegi im Kanton Schwyz hat.
„Ohne sein Engagement, seinen Handlungswillen und seinen Mut stünde die Kühne-Stiftung heute nicht dort, wo sie steht.“ Kühne-Stiftung über den Stifter
Multi-Millionen-Mäzen
Kühne, der seit 1989 mit seiner Ehefrau Christine verheiratet war, trat auch als Mäzen in Erscheinung, besonders in seiner Heimatstadt Hamburg. Für eine neue Oper in der Hafencity wollte er 340 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Auch den HSV unterstützte der meinungsfreudige Investor mit Millionenbeträgen. Die Verbindung aus steuerlich attraktivem Unternehmenssitz auf der einen und Mäzenatentum auf der anderen Seite wurde in Hamburg kontrovers diskutiert. Ebenso der Umgang Kühnes mit der NS-Vergangenheit seines Vaters. Das Unternehmen galt als nationalsozialistischer Musterbetrieb, die Familie profitierte von der sogenannten Arisierung, dem Herausdrängen jüdischer Eigentümer.
Stiftungsvermögen vervielfacht sich
Das Ehepaar Kühne hat keine Kinder, und so entschied der Unternehmer, dass die Stiftung nach seinem Tod die Holding erhält. Diese umfasste laut Unternehmensbericht 2024 rund 55 Prozent der Kühne-und-Nagel-Aktien. Damit entsteht ein neuer Stiftungsakteur europäischen Ranges.
Die Stiftung verfügt im laufenden Jahr über ein Budget von 65 Millionen Schweizer Franken (siehe DIE STIFTUNG 1/2026). Dieser Betrag wird sich nun vervielfachen – abhängig vom Unternehmenserfolg. Bislang hielt die Stiftung 4,7 Prozent der Unternehmensaktien, künftig werden es fast 60 Prozent sein. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei rund 26 Milliarden Franken. Für das Geschäftsjahr 2024 schüttete Kühne und Nagel International pro Aktie 8,25 Franken aus. Die Gesamtsumme lag bei rund 980 Millionen Franken. Knapp 600 Millionen hätte unter diesen Umständen die Stiftung bekommen. Zum Vergleich: Die RAG-Stiftung, verantwortlich für die Ewigkeitsaufgaben im Ruhrgebiet, setzt rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr ein. Die Bosch-Stiftung konnte in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld 2024 rund 220 Millionen Euro ausgeben.
Logistik, Klima, Medizin und Kultur
Die Kühne-Stiftung ist in den Arbeitsbereichen Logistik, Klima, Medizin und Kultur aktiv. Zuletzt hat sie einen neuen Schwerpunkt auf die CO2-Neutralität der Lieferketten gesetzt. So hat sie zum Beispiel in Kooperation mit Daimler Truck ein Pilotprojekt in Ostafrika zur Elektrifizierung von Transportkorridoren aufgelegt. Sie trägt auch wesentlich zur Finanzierung der Hamburger „Die Kühne Logistics University – Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung“ bei.
Mit Klaus-Michael Kühne verliere die „Kühne-Welt“ nicht nur einen äusserst erfolgreichen Unternehmer und Stifter, sondern auch einen sehr prägenden Gestalter, so die Stiftung auf ihrer Website. „Ohne sein Engagement, seinen Handlungswillen und seinen Mut stünde die Kühne-Stiftung heute nicht dort, wo sie steht.“
