17.07.2018 | Von Die Stiftung

Krupp-Stiftung weiter unter Beschuss

Nach dem Rücktritt von Heinrich Hiesinger, ehemaliger Vorstandschef von Thyssen-Krupp, hat sich die Krupp-Stiftung zu dessen Abgang geäußert. Doch damit konnte sie den Rückzug von Aufsichtsratschef Ullrich Lehner nicht verhindern und befindet sich weiter in Erklärungsnot.

Nach CEO Heinrich Hiesinger hat nun auch der Aufsichtsratschef Ullrich Lehner bei Thyssen-Krupp seinen Rücktritt erklärt. Foto: Thyssen-Krupp AG

Nach heftiger Kritik äußerte sich Ursula Gather, die Vorsitzende des Kuratoriums der Krupp-Stiftung, erst am 13. Juli zum Fall Hiesinger (DIE STIFTUNG berichtete). Heinrich Hiesinger war zu Beginn des Monats überraschend von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Als Grund nannte er die fehlende Unterstützung der Krupp-Stiftung. Sie ist mit 21 Prozent größter Anteilseigner des Konzerns und übt durch den Sitz im Aufsichtsrat erheblichen Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens aus. Kuratorium und Vorstand der Stiftung bekundeten per Pressemeldung erneut ihr Bedauern über die Entscheidung Hiesingers und dankten ihm für seine Arbeit.

Wohin mit Thyssen-Krupp?

Streitpunkt in der Auseinandersetzung ist die grundsätzliche Ausrichtung von Thyssen-Krupp. Soll das Unternehmen zerschlagen werden oder findet ein schrittweiser Umbau statt? Finanzinvestoren, allen voran der Großaktionär Cevian Capital und der US-Hegdefonds Elliott, drängen auf eine Zerschlagung von Thyssen-Krupp. Ziel der Stiftung sollte es laut Satzung eigentlich sein, die Einheit des Unternehmens so weit wie möglich zu erhalten. Doch im schwelenden Richtungsstreit hat das Kuratorium keinen Einfluss zugunsten von Hiesinger genommen, wie das Handelsblatt berichtet. Er wollte nach Einschätzung von der Welt das Unternehmen in seiner Gesamtheit schützen. Das Verhalten der Stiftung sorgte letztlich für den Rücktritt. Als neuer Vorstandschef wurde ebenfalls am Freitag der bisherige Finanzchef Guido Kerkhoff ernannt.

Verhalten der Krupp-Stiftung zieht weitere Kreise

Doch damit nicht genug. Gestern gab Aufsichtsratschef Ullrich Lehner ebenfalls seinen Rücktritt bekannt. Der 72-Jährige legt sein Mandat zum 31. Juli nieder und scheidet damit aus dem Kontrollgremium des Unternehmens aus. Er beklagte wie Hiesinger das fehlende Vertrauen im Aufsichtsrat. Die Welt zitiert das Umfeld von Lehner mit den Worten: „Er sieht in der Stiftung derzeit keinen Rückhalt mehr.“ Gather kommentiert Lehners Rücktritt wie folgt: „So sehr die Krupp-Stiftung seine Entscheidung respektiert, so sehr bedauern wir sie – gerade im gegenwärtigen Moment.“

„Meine Entscheidung möge dazu beitragen, das notwendige Bewusstsein bei allen Beteiligten zu schaffen, dass eine Zerschlagung des Unternehmens und der damit verbundene Verlust von vielen Arbeitsplätzen keine Option darstellt – weder im Sinne des Stifters noch im Sinne unseres Landes“, erklärt Lehner.

In der Pressemitteilung von Freitag erklärt Gather, dass es jetzt gelte, das Joint Venture mit Tata Steel konsequent umzusetzen und die übrigen Geschäftsbereiche des Konzerns zukunftsorientiert fortzuentwickeln. Dass auch Lehner gehen würde, wusste sie da noch nicht.

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