17.07.2018 | Von Die Stiftung

Ludwig-Erhard-Stiftung: Preis abgelehnt

Der CDU-Politiker Friedrich Merz sollte mit dem Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet werden, lehnte diesen jedoch ab. Nun ist ein Streit um den Vorsitzenden Roland Tichy – bekannt vom Meinungsportal „Tichys Einblick“ – entbrannt.

Ludwig-Erhard-Stiftung
Potentielle Preisträger der Ludwig-Erhard-Stiftung sagten ab – mit Roland Tichy möchten sie nicht auf einer Bühne stehen. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Hart aber fair - 2017-12-11-5669, CC BY-SA 4.0

Die Ludwig-Erhard-Stiftung wollte Friedrich Merz mit dem Ludwig-Erhard-Preis auszeichnen. Doch der CDU-Politiker reagierte erst reserviert und lehnte schließlich ab, berichtete das Handelsblatt. Dies obwohl Merz als Preisträger in einer Reihe mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder und mit der FDP-Legende Otto Graf Lambsdorff stehen würde. Merz wollte sich zu den Gründen nicht äußern, so das Handelsblatt. Doch das Handelsblatt zitiert aus einer internen E-Mail, dass Merz „nicht mit dem Vorsitzenden der Stiftung auf einer Bühne auftreten wolle“. Roland Tichy führte bis 2014 die „Wirtschaftswoche“ als Chefredakteur, nach seiner Absetzung wurde er im gleichen Jahr Vorsitzender der Stiftung und gründete das Meinungsportal „Tichys Einblick“. Letzteres, so das Handelsblatt, überschreite „aus Sicht von Kritikern regelmäßig die Grenze zum Rechtspopulismus“.

Als wäre die Absage von Merz für die Stiftung nicht schlimm genug, nahmen vier namhafte Jury-Mitglieder dies zum Anlass, der Stiftung ebenfalls den Rücken zuzukehren. „Die renommierten Journalisten Rainer Hank, Ulric Papendick, Nikolaus Piper und Ursula Weidenfeld erklärten ihren Austritt aus dem Gremium. Ein weiteres Mitglied soll ihnen am Wochenende gefolgt sein“, weiß das Handelsblatt. Die nun ehemaligen Jury-Mitglieder geben Tichy nicht nur die Schuld daran, dass wegen seines Meinungsportals potentielle Preisträger der Stiftung eine Absage erteilen. Sie befürchten auch, dass die Stiftung zur Reputationsmaschine für „Tichys Einblick“ werde, so das Handelsblatt.

Merz´ Absage sei indes kein Einzelfall gewesen, ist der internen E-Mail zu entnehmen: „Seit dem vergangenen Jahr haben wir Probleme, Laudatoren zu finden. Viele haben mit Verweis auf die Rolle des Vorsitzenden der Stiftung in seiner privaten Publikation abgelehnt.“

Tichy sieht keine Unstimmigkeiten

Tichy will das so nicht gelten lassen. Auf Anfrage teilte er dem Handelsblatt mit, „die Hauptversammlung der Stiftung habe ihn gebeten, sein Renommee und seine Reputation in den Dienst der Stiftung zu stellen.“ In der Stiftung sehe er keine Unstimmigkeiten.

Die publizistische Tätigkeit des Vorsitzenden sei in der Stiftung schon länger ein Thema, so das Handelsblatt. Während einige Mitglieder mit Tichy mitgehen, sogar zu Korrespondenten für sein Meinungsportal werden, sind andere der Meinung, dass man diese Meinungsvielfalt aushalten können müsse. Wer hingegen kritisiere, dass Tichy seine beiden Tätigkeiten vermische, stoße bei Tichy nicht auf Verständnis: So lud Tichy zur angesetzten Krisensitzung der Stiftung auch gleich zwei seiner Korrespondenten ein.

„Der Eklat um den Ludwig-Erhard-Preis zeigt die Risse im konservativen Lager“, schlussfolgert das Handelsblatt. „Nicht nur zwischen den Unionsparteien gibt es seit Ausbruch der Flüchtlingskrise Streit, sondern auch in Stiftungen und Organisationen, die ihnen nahestehen.“

Die Ludwig-Erhard-Stiftung

Die Ludwig-Erhard-Stiftung e.V. wurde 1967 durch Altbundeskanzler Ludwig Erhard in Bonn als gemeinnütziger Verein gegründet. Die Ludwig-Erhard-Stiftung will die Idee der Sozialen Marktwirtschaft nicht nur erhalten, sondern auch aufnehmen und weiterentwickeln. Um dieser Aufgabe nachkommen zu können, vergibt die Stiftung den Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik sowie die Ludwig-Erhard-Medaille für Verdienste um die Soziale Marktwirtschaft. Entscheidungen über die Preisvergabe werden durch eine Jury, die Verleihung der Medaille durch die Mitgliederversammlung getroffen.

Vereine im Stiftungskleid

Bei der Ludwig-Erhard-Stiftung handelt es sich wie bei vielen politischen und parteinahen Stiftungen um einen Verein. Derartige Stiftungen sind in Deutschland gemäß der Bundeszentrale für politische Bildung Institutionen der politischen Bildung: „Obwohl sie ihre Bildungsarbeit – wie ihre gesamte Tätigkeit – an den politischen Grundwerten der ihnen nahestehenden Parteien ausrichten, gehören sie zu den sogenannten freien Trägern“. Anders als der Name suggeriert, sind beispielsweise parteinahe Stiftungen mit Ausnahme der Friedrich-Naumann-Stiftung vereinsrechtlich organisiert.

www.ludwig-erhard.de

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