26.08.2019 | Von Die Stiftung

ARD-Journalist gründet Stiftung für Toleranz

Der Journalist und Autor Constantin Schreiber gründet die Deutsche-Toleranz-Stiftung. Sie will Menschen mit unterschiedlichen Meinungen ins Gespräch bringen und „Lügenpresse“-Vorwürfen entgegentreten. Schreiber erhielt 2016 den Grimme-Preis für seine Sendung „Marhaba“.

Constantin Schreiber
Constantin Schreiber spricht fließend Arabisch und moderierte Sendungen für das ägyptische Fernsehen. Foto: Krd/Wikimedia

„Wenn ich dieser Tage mit Freunden, Familie oder Kollegen rede, dann kommen wir sehr schnell zu Sorgen, die wir uns machen. Sorgen darum, wie sich das gesellschaftliche und politische Klima in diesem unseren Land entwickelt und verändert.“ Und weiter: „Nur liegt es nicht in meiner Natur, mir nur Sorgen zu machen. Deshalb frage ich mich schon seit einiger Zeit, was man, was ich tun kann, um anzupacken, damit sich etwas zum Positiven verändert“, schreibt der Tagesschau-Moderator Constantin Schreiber auf seiner Facebook-Seite.

Er sehe, dass sich viele Beiträge seiner journalistischen Kollegen mit Verbesserungen des gesellschaftlichen Klimas beschäftigten und dass die mediale Landschaft Deutschlands vielfältig sei. Als Journalist wolle er darüber hinaus aber noch mehr Konkretes tun, nämlich, wie er weiter auf Facebook schreibt: „Räume zur Diskussion zu bieten. Um unterschiedliche Meinungen, Positives und Negatives miteinander zu besprechen – konstruktiv.“

Erfolg mit Büchern über den Islam und muslimische Ideologien

Wichtige Themen von Constantin Schreibers journalistischer und schriftstellerischer Arbeit sind der Islam und arabischsprachige Länder. Schon als Jugendlicher lebte er einige Monate bei einer christlichen Familie in Syrien. Später bereiste er fast alle arabischsprachigen Länder und moderierte beim ägyptischen Fernsehsender ONTV eine Wissenschaftssendung auf Arabisch, so die Berliner Morgenpost.

Schreiber ist außerdem Autor mehrerer Bücher, die unter den ersten fünf Rängen auf der Spiegel-Bestsellerliste standen. Zunächst erschien „Inside Islam. Was in deutschen Moscheen gepredigt wird“. In diesem Buch sowie auch im Folgenden, „Die Kinder des Koran“, setzt er sich kritisch mit Themen auseinander, die in Moscheen gepredigt und in arabischen Schulbüchern gelehrt würden. Bei seinen Recherchen sei er auf Ideologien gestoßen, die sich nicht mit westlichen Vorstellungen von Gleichberechtigung und Religionsfreiheit deckten.

Den Grimme-Preis erhielt Constantin Schreiber für seine deutsch-arabische Sendung „Marhaba“, die auf dem Höhepunkt des Zuzugs von Geflüchteten nach Deutschland den Neuankommenden deutsche Werte erklären wollte und so einen Beitrag zur Integration leisten. Das Greenpeace-Magazin schreibt, Schreiber sei einerseits dafür angegriffen worden, dass er Vorurteile gegenüber dem Islam habe – andererseits habe die AfD-Vorsitzende sein Buch auf Youtube angepriesen, was Schreiber ebenso gestört habe. Zum Nachdenken gebracht habe ihn auch ein weiterer Vorfall: Bei einem Besuch in Sachsen-Anhalt habe man ihm und seinem Kamerateam mehrfach mit „Lügenpresse“ beschimpft.

Sitz der Stiftung und erste Projekte in Sachsen

„Eine zunehmend vielfältige Gesellschaft gründet sich auf Toleranz“, steht auf der Homepage der neuen Stiftung. Aber auch: „Toleranz ist nicht grenzenlos. So sind die Unverhandelbarkeit von Gleichberechtigung oder die Unzulässigkeit von Antisemitismus Grundfeste unserer Werteordnung. Die Deutsche Toleranzstiftung setzt sich dafür ein, Unterschiedlichkeit zu erklären und besser zu verstehen.“ Das erste Projekt startet an Schulen im ländlichen Sachsen. Unter dem Motto „Triff mich“ bringe die Stiftung Schüler mit Journalisten ins Gespräch, um das Vertrauen der Schüler in die Arbeit der Journalisten zu stärken. Laut Greenpeace-Magazin engagieren sich hier bereits die Tagesschau-Sprecherin Susanne Daubner sowie die Fernsehjournalistinnen Aline Abboud und Damla Hekimoglu. Für weitere Projektideen – auch außerhalb von Sachsen – sei man offen, ist auf der Stiftungsseite zu lesen. Auf seiner Facebook-Seite erklärt Schreiber, dass ein Großteil der Einnahmen aus seinen Bücher in die Stiftung fließe.

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