15.08.2017 | Von Tobias Anslinger

Herr Nährlich, was sind eigentlich Donor-Advised-Funds?

Donor-Advised-Funds ist als Begriff in Deutschland nicht so stark verbreitet. Wo der Unterschied zur Treuhandstiftung liegt, ob Donor-Advised-Funds für Bürgerstiftungen geeignet sind und worauf zu achten ist, erklärt Stefan Nährlich im Interview.

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Für Bürgerstiftungen ist das Konzept der Donor-Advised-Funds gut geeignet. Denn immer mehr Spender und Zustifter wollen mitbestimmen, was mit ihrem Geld passiert. Foto: Luisa Drehsen/pixelio.de

DIE STIFTUNG: Donor-Advised-Funds ist als Begriff in Deutschland nicht so stark verbreitet. Er klingt danach, als ob ein Spender gleich irgendeinen Ratschlag mit seinem Geld mitliefert. Was kann man sich genau darunter vorstellen?
Dr. Stefan Nährlich: Donor-Advised-Funds ist in Deutschland ein Praxisbegriff, unter dem man eine zweckgebundene Zustiftung in das Grundstockvermögen einer rechtsfähigen Stiftung versteht. Üblicher ist hier aber der Begriff Stiftungsfonds, der allerdings auch noch für die Anlage von Stiftungsvermögen verwendet wird. Der Ratschlag liegt gewissermaßen darin, dass der Geber u.a. entscheidet, wofür die Erträge aus der Zustiftung verwendet werden, und nicht die Stiftung. Die Zweckbindung wird in einem Vertrag zwischen Stifter und Stiftung geregelt.

DIE STIFTUNG: Wo liegt der Unterschied zu einer Treuhandstiftung?
Nährlich: Aus Perspektive einer Stiftung ist die Treuhandstiftung verwaltetes Sondervermögen, der Donor-Advised-Fund ist Bestandteil des Grundstockvermögens. Die Treuhandstiftung ist eine rechtlich unselbständige Stiftung und eigenständiges Steuersubjekt, die Gemeinnützigkeit des Donor-Advised-Funds ergibt sich aus der Gemeinnützigkeit der Stiftung, deren Vermögensbestandteil er ist. Eine Treuhandstiftung kann die Zwecke, die sie verfolgen will, und das Gebiet, in dem sie tätig sein will, frei festlegen. Ein Donor-Advised-Fund kann nur innerhalb der Satzungszwecke und des Gebietes einer Stiftung wirken, dafür ist der Verwaltungsaufwand konkurrenzlos niedrig.

Nährlich Stefan Donor-Advised-Funds
Dr. Stefan Nährlich. Foto: Stiftung Aktive Bürgerschaft

DIE STIFTUNG: Wie verbreitet sind Donor-Advised-Funds und welche Vorteile bieten sie?
Nährlich: Donor-Advised-Funds sind vor allem in den USA sehr verbreitet. Allerdings ist die steuerliche Behandlung zum Teil anders als in Deutschland. Aber auch hier werden Donor-Advised-Funds zunehmend populärer. Stiftungen haben erkannt, dass vor allem größere Beträge oft nicht zugestiftet werden, wenn der Geber nicht Einfluss auf die Mittelverwendung nehmen kann oder dieses Engagement nicht wenigstens mit seinem Namen verbunden wird. Eine eigene rechtsfähige Stiftung zu gründen und später zu managen, ist dagegen für den Stifter vergleichsweise viel aufwendiger. Die Steuervorteile für den Stifter sind gleich, egal ob rechtsfähige Stiftung, Treuhandstiftung oder Donor-Advised-Funds.

DIE STIFTUNG: Donor-Advised-Funds scheinen für Bürgerstiftungen gut geeignet zu sein. Stimmt das?
Nährlich: Unbedingt. Die Mehrheit der jährlichen Zustiftungen geht an Bürgerstiftungen, die Donor-Advised-Funds oder Treuhandstiftungen anbieten. Mit Donor-Advised-Funds bieten Bürgerstiftungen gewissermaßen Stiftungen in der Bürgerstiftung an. Das kann für Privatpersonen oder Unternehmen interessant sein, aber auch für Vereine, die sonst ja ihre Mittel zeitnah verwenden müssen. Man kann auch thematische Donor-Advised-Funds einrichten, beispielsweise für Stifter, die sich z.B. vor allem für Bildung engagieren wollen.

DIE STIFTUNG: Was bedeutet es für eine Stiftung, wenn sie einen Donor-Advised-Fund verwaltet, und worauf sollte dabei geachtet werden?
Nährlich: Man sollte darauf achten, sich nicht in der Vielzahl der Donor-Advised-Funds-Varianten zu verzetteln, sondern die Klassiker aktiv anzubieten und die Vorteile für die Stifter herauszustellen. Vor allem bei Donor-Advised-Funds mit einer engen Zweckbindung sollte diese nach ein bis zwei Generationen erlöschen. Aus Erfahrungen weiß man, dass sich vielleicht noch die Kinder für das Stiftungsengagement ihrer Eltern interessieren, die Enkel aber meist nicht mehr. Insofern ist allen gedient, wenn die Bürgerstiftung auch hier wieder mehr Handlungsfreiheit gewinnt.

Zur Person: Dr. Stefan Nährlich ist Wirtschaftswissenschaftler und Geschäftsführer der Stiftung Aktive Bürgerschaft in Berlin. Er arbeitet seit 25 Jahren über bürgerschaftliches Engagement und gemeinnützige Organisationen.

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