Die Stiftung Warentest hat bald eine neue Vorständin. Nach 33 Jahren, davon zwölf Jahren an der Spitze der Produkttester, geht Hubertus Primus (68) in Rente. Auf ihn folgt ab nächstem Jahr Julia Bönisch, die bisherige Bereichsleiterin für digitale Transformation und Publikationen bei den Berlinern.
Stiftung Warentest will sich weiter transformieren
Mit der Nachfolgerin Bönisch steht der Stiftung Warentest im nächsten Jahr nun ein Generationswechsel vor. „Sie hat dafür gesorgt, dass unsere digitalen Angebote an Wichtigkeit gewonnen haben“, lobt Noch-CEO Primus Bönisch im Interview mit dem „Tagesspiegel“. Auch vor der Stiftung Warentest macht die allgemeine Entwicklung nicht halt. „Die Print-Abos gehen zurück, vor allem bei ‚Test‘. Dafür gewinnen wir Online. Wir haben über 100.000 Online-Abos“, so Primus weiter.
Diese Entwicklung möchte Bönisch nun auch in ihrem neuen Amt als Geschäftsführerin begleiten, lässt die Stiftung verlauten. Gleichzeitig zur personellen Neuausrichtung stellt die Stiftung ihre Sparten neu auf, wie eine Pressesprecherin auf Nachfrage von DIE STIFTUNG verrät: So wird Bönischs ehemalige Zuständigkeitsbereich zukünftig in die Teilbereiche „Publikationen“ und die Neuschaffung „IT und Produktmanagement“ aufgeteilt. Den erstgenannten Bereich verantwortet weiterhin Bönisch, für die Neuschaffung nennt die Stiftung noch keinen Bereichsleiter. Für ihren Vorgänger findet die 43-Jährige unterdessen warme Worte: „Mein Dank gilt auch Hubertus Primus, mit dem ich hervorragend zusammengearbeitet habe und der mir den Übergang gerade so leicht und angenehm wie möglich macht“, schreibt Bönisch auf der Social-Media-Plattform „Linkedin“.
Von der Süddeutschen zur Stiftung Warentest
Bönisch, Jahrgang 1980, war – ebenso wie Primus – vor ihrer Zeit bei der Stiftung Journalistin und mit Onlinemedien wohl vertraut. Sie war seit 2007 beim Onlineauftritt der „Süddeutschen Zeitung“ beschäftigt, 2016 erfolgte die Beförderung zur Co-Chefredakteurin. Ihre Trennung vom Verlag sorgte Ende 2019 für großes mediales Echo. Bönisch hatte in einem Artikel Strukturen und Hierarchien innerhalb ihres alten Arbeitgebers kritisiert, etwa die Verabschiedung von linearen Top-Down-Strukturen und eine strikte Trennung von Redaktion und Verlag gefordert. Ab März 2020 fand Bönisch dann als Bereichsleiterin digitale Transformationen und Publikationen bei der Stiftung Warentest ein neues berufliches Zuhause.
Nach einem Jura-Studium arbeitete ihr Vorgänger Primus seit Ende der Achtziger als Journalist. Zunächst war er beim Rechtsmagazin für Wirtschaft, später als freier Wirtschaftsjournalist unter anderem für die Süddeutsche Zeitung tätig. Als Redakteur wechselte er 1990 schließlich zur Stiftung Warentest, damals noch für die Sparte „Finanztest“. Neun Jahre später folgte der stiftungsinterne Wechsel zu „Test“ und die Übernahme der Bereichsleitung Publikationen. 2012 erfolgte der Aufstieg vom Teil der Geschäftsleitung zum alleinigen Geschäftsführer, wodurch er Werner Brinckmann beerbte.
Über die Stiftung Warentest
Die Stiftung Warentest ist eine Gründung des Bundes: 1962 verkündet Bundeskanzler Konrad Adenauer die Absicht, ein neutrales Warentestinstitut zu gründen. Am 4. Dezember 1964 wird aus den Plänen Realität und Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker errichtet die Stiftung Warentest. 1966 erscheint die erste Zeitschrift unter dem Namen „Der Test“ mit Berichten zu Nähmaschinen und Stabmixern.
Über die Jahrzehnte entwickelt die Stiftung Warentest Tests und Produktpalette immer weiter. In den 1990er Jahren geht man mit der ersten Ausgabe von „Finanztest“ im Januar 1991 und dem Launch der Website „test.de“ 1997 wichtige Schritte. 2016 möchten die Produkttester endgültig Richtung unabhängig werden. Gelingen soll dies mit einer historischen Zuwendung von 100 Millionen Euro, die der damalige Justizminister Heiko Maas und der damalige Union-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder im Dezember verkünden.
Rund sieben Jahre später verlautet CEO Primus, dass man inzwischen das Ziel der Unabhängigkeit erreicht habe – und über ein Stiftungskapital von 180 Millionen Euro verfüge. 2022 beläuft sich die Gesamtfinanzierung der Berliner auf rund 63 Millionen Euro, wovon lediglich 1,5 Prozent durch Zuwendungen gedeckt sind. Die überwiegende Finanzierung fällt auf den Verkauf von Publikationen und Büchern, die gemeinsam rund 77,4 Prozent der Finanzierung abbilden. Weitere Einnahmequellen sind Marktlizenzen und Kapitalerträge. Das Jahresergebnis belief sich im vergangenen Jahr auf rund 2,6 Millionen Euro.
