Die Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung hat den Forschungsauftrag über die Stiftungsgeschichte unter Armin Mohler an das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) vergeben. Nun werde das wissenschaftliche Team zusammengestellt. „Die seit einigen Monaten laufende Digitalisierung und archivfachliche Erfassung der Stiftungsregistratur – eine wesentliche Voraussetzung für das Projekt – liegt im Zeitplan und wird Anfang 2024 abgeschlossen“, so die Stiftung in einer Pressemitteilung. Der Umgang mit der Stiftungsvergangenheit und Fragen der Governance waren ab Februar 2023 Gegenstand von Berichterstattung nach der Entlassung des Geschäftsführers Marcel Lepper gewesen. Seit Oktober führt Isabel Pfeiffer-Poensgen die Geschäfte in Haus Nummer 23 am Münchener Schloßrondell.
Zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus
Das Forschungsprojekt des IfZ untersuche, „inwieweit die Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung insbesondere unter ihrem langjährigen Geschäftsführer Armin Mohler zwischen den 1960er und den mittleren 1980er Jahren der sogenannten neuen Rechten nahestand“. Mohler werde nach gängigem Forschungsstand dem intellektuellen „Brückenspektrum“ zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zugeordnet. Das Projekt gehe der Frage nach, inwiefern die Stiftung, ihre Gremien und ihr Umfeld in dem weiten Spektrum zwischen einem liberalen, sich demokratisch verstehenden Konservatismus und der neuen Rechten zu verorten war. Damit ist die Zeit unter Mohlers Wunschnachfolger Heinrich Meier, der die Stiftung von 1985 bis 2022 führte, nicht Gegenstand des Forschungsprojekts des IfZ. Dieses solle nach Abschluss der vorbereitenden Maßnahmen starten. Es hab eine Laufzeit von vier Jahren.
„Offene Auseinandersetzung unabdingbar“
„Wir freuen uns, dass wir mit dem Institut für Zeitgeschichte eine der renommiertesten deutschen Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet gewinnen konnten“, wird Thomas O. Höllmann, Vorsitzender des Stiftungsvorstands, zitiert. „Die Fragen, die das Projekt beantworten soll, liegen genau im Fokus der langjährigen Arbeit des IfZ. Eine offene, transparente, von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern begleitete Auseinandersetzung mit der Vergangenheit betrachten wir als unabdingbar für das Wirken unserer Stiftung in der Gegenwart und als wesentliches Element für deren Weg in die Zukunft.“
Die Carl-Friedrich-von Siemens Stiftung ist eine unabhängige Einrichtung zur Förderung der Wissenschaften mit Sitz in München. Ernst von Siemens gründete sie 1958 in Erinnerung an seinen Vater. Seit 1960 wendet sie sich mit ihrem Vortrags- und Publikationsprogramm sowie umfangreichen Gastveranstaltungen an Forschung und Öffentlichkeit, vergibt Fellowships an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt und hat in den vergangenen Jahren Universitäts- und Forschungsbibliotheken in Deutschland unterstützt.
