DIE STIFTUNG: Ihr Haus hat den STIIX entwickelt. Was hat es damit auf sich?
Matthias Bohn: Stiftungsverantwortliche stellten uns immer wieder zwei elementare Fragen: wie legen Stiftungen ihr Stiftungsvermögen an und welchen Erfolg erzielen sie damit? Um fundierte Antworten auf diese Fragen geben zu können, haben wir den Stiftungsindex STIIX entwickelt. Der STIIX basiert auf einer monatlich durchgeführten Umfrage unter Stiftungen. Durch die Antworten erhalten wir Aussagen u.a. zur Vermögensaufteilung, zur erzielten Rendite. Diese Ergebnisse können wir für verschiedene Stiftungsgrößen präsentieren und sogar deren jeweiliges Renditepotential aufzeigen. Der STIIX trägt damit zu mehr Transparenz im Stiftungsmarkt bei und gibt den Verantwortlichen wertvolle Hilfestellung und Anregungen im Umgang mit dem Stiftungsvermögen.
Die Umfrage behandelt zudem monatlich wechselnde Sonderthemen. Im Januar zum Beispiel äußerten sich die Teilnehmer zu Mission Investing.
DIE STIFTUNG: Was sind die Kernergebnisse der aktuellen Umfrage? Bohn: Die aktuelle Auswertung zeigt, dass 33% aller Stiftungen ihren Stiftungszweck derzeit nicht erfüllen können. Die mögliche Rendite, die sich aufgrund der mitgeteilten Vermögensanlage ergibt, lag für das Jahr 2013 bei 3,6%. Nach eigener Einschätzung der Stiftungen, wurde in diesem Zeitraum eine Rendite in Höhe von 3% erzielt. Die erzielte Rendite liegt somit um 0,6% unter dem Renditepotential der durchschnittlichen Vermögensaufteilung. Die Frage zur aktuellen Anlagestrategie zeigt, dass Stiftungen nahezu die Hälfte Ihres Vermögens in renditeschwacher Liquidität halten. Investitionen in Renten und Immobilien liegen jeweils bei ca. 20%. Aktien machen nur 13% der Anlagen aus.
Mission Investing ist für Stiftungen hingegen noch weitgehend unbekannt. 75% der Teilnehmer gaben an, über Mission Investing wenig oder gar nicht informiert zu sein.
DIE STIFTUNG: Wenn ein Drittel derer, die den Fragenkatalog beantwortet haben, sagt, sie könnten aktuell ihren Stiftungszweck nicht erfüllen, dann ist das dramatisch. Was sind aus Ihrer Sicht die Ursachen dafür?
Bohn: Gerade bei kleineren Stiftungen weist der Anteil der liquiden Anlagen mit 75% einen sehr hohen Wert aus. Die erreichte Rendite dieser Stiftungen liegt aufgrund dessen bei weniger als 1%. Hier ist auch der Anteil derer, die den Stiftungszweck nicht erfüllen können besonders hoch. Je größer die Stiftungen werden, umso ausgewogener ist das Vermögen auf Aktien, Immobilien und Anleihen verteilt. Bei den größeren Stiftungen weisen die STIIX-Sub-Indizes mögliche Renditen zwischen 4 bis 6,5% aus. Damit wird deutlich, wo die Ursachen liegen.
DIE STIFTUNG: Welche Implikationen ergeben sich daraus für Stiftungen?
Bohn: Größere Stiftungen scheinen mit der Geldanlage professioneller umzugehen, indem sie Marktchancen besser ausnutzen und ihr Vermögen breiter streuen. Vermutlich sind Sie gut beraten oder bringen entsprechend eigenes Know-how ein. Ihnen kann man nur sagen: „Weiter so!“ Dies ist bei kleineren Stiftungen anders. Die Gründe hierfür gilt es in weiteren Befragungen herauszuarbeiten. Fakt ist aber, dass genau für diesen Fall unabhängige Profis ins Boot geholt werden sollten, die bei einer besseren Vermögensaufteilung des Stiftungsvermögens behilflich sind und damit langfristig den Ertrag steigern helfen. Nicht zuletzt wird nur dadurch der Stiftungszweck erfüllbar bleiben und die Zufriedenheit aller Beteiligten wieder steigen.
DIE STIFTUNG: Welche Empfehlungen leiten Sie daraus momentan ab?
Bohn: Gerade Stiftungen mit einer hohen Liquidität können bereits mit sehr einfachen Mitteln ihr Ergebnis deutlich verbessern. Unsere Auswertung zeigt, dass hier mehrheitlich weniger als 1% im letzten Jahr verdient wurde. Bei Tages- oder Festgeldern schwanken die Zinssätze zwischen einzelnen Banken sehr stark. Gerade kleinere Stiftungen müssen hier also ganz genau hinschauen, um die besten Angebote zu bekommen. Eine unsere Partnerbanken zahlt beispielsweise 1,4% auf das Tagesgeld. Mit wenig Aufwand kann somit bereits deutlich mehr erreicht werden. Es gibt aber natürlich auch gute Anleihen von soliden Unternehmen am Markt. Hier können nochmals deutlich höhere Renditen erwartet werden. Eine bessere Vermögensaufteilung erreicht man nicht zuletzt mit dem Einsatz breit streuender konservativer Investmentfonds. Möglichkeiten sind also auch im aktuellen Umfeld gegeben und unsere Ergebnisse bestätigen deren Erfolg.
Das Interview führte Tobias M. Karow.
Matthias Bohn ist als Vorstand P&S Vermögensberatungs AG verantwortlich für die Beratung des P&S Renditefonds, die Vermögensberatung und die Investitionsentscheidungen bei den Vermögensverwaltungsmandaten. Neben dem Universitätsabschluss verfügt er über den Abschluss der Frankfurt School of Finance und über das Diploma in International Technical Analysis der IFTA. Weiterhin referierte er als Gastdozent an der Hochschule in Coburg im Studiengang Internationales Finanzmanagement.
Ansprechpartner für Stiftungen

P&S Vermögensberatungs AG
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Telefon +49(921) 16 27 18 7 – 13
Telefax +49(921) 16 27 18 7-20
Thomas Ferdinand begann seine Karriere in einer Genossenschaftsbank. Nach Abschluss eines weiteren Studiums im Bereich Estate Planning (Nachlassplanung) und Financial Planning wechselte er als Führungskraft zu einer deutschen Großbank und verantwortete dort jahrelang das Gesamtgeschäft der Bank in den Regionen Oberfranken und der Oberpfalz. Zudem lehrte er als Lehrbeauftragter an der Hochschule Coburg und ist immer noch berufsbegleitend in einem Forschungsprojekt an der Steinbeis-Hochschule Berlin tätig.
