Der zweifache Kanu-Olympiasieger und Sportsoldat Ronald Rauhe wird neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt. Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz über seinen Instagram-Kanal bekannt gegeben.
Merz sieht die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 als vorrangige Aufgabe für den neuen Staatsminister. „Wir wollen uns für diese Olympischen Spiele bewerben“, sagte Merz bei der Vorstellung Rauhes im Bundeskanzleramt. „Ich erhoffe mir dabei eine tatkräftige Unterstützung durch Ronald Rauhe. Aber es wird auch die ganze Bundesregierung hinter dieser Entscheidung stehen.“
Umbau der Bundesregierung abgeschlossen
Der 44 Jahre alte Profisportler löst die bisherige Staatsministerin Christiane Schenderlein ab, die Merz bereits vor der Sommerpause im Juli abberufen hatte. Schenderlein wechselt als parlamentarische Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium. Das neugeschaffene Amt der Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt bekleidete sie nur 14 Monate. Damit ist der Umbau der Bundesregierung infolge des Rücktritts von Unionsfraktionschef Jens Spahn abgeschlossen. Der Posten im Kanzleramt war der einzige, der vor der Sommerpause noch unbesetzt blieb. Laut Medienberichten galt die ehemalige Nationalspielerin und Uefa-Direktorin Nadine Keßler ursprünglich als Wunschkandidatin für die Nachfolge. Demnach lehnte Keßler die Anfrage des Bundeskanzleramts jedoch ab.
Der Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Sachsen, Christian Dahms, bedauerte in einer Reaktion Schenderleins Abschied, ihr Wechsel sei ein Verlust. Sie habe mit dem Sportfördergesetz sowie einer in Leipzig neu geschaffenen Spitzensportagentur und einem Zentrum für Safe Sports wichtige Themen gesetzt. Schenderlein selbst zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Kanzlers. Gegenüber der Leipziger Volkszeitung sagte Schenderlein, Merz habe sich eine Neuausrichtung des Amts gewünscht mit einer Person, die einen gewissen Bekanntheitsgrad habe. Mit der Qualität ihrer Arbeit habe die Neubesetzung laut dem Kanzler nichts zu tun gehabt.
Bundesverband reagiert zurückhaltend
Der Bundesverband Deutscher Stiftungen reagiert zurückhaltend auf die nun gefundene Neubesetzung. „Für uns ist entscheidend, dass der zweite Teil der Amtsbezeichnung – das Ehrenamt – nicht zur Nebensache wird“, sagte Generalsekretärin Friederike von Bünau. Gerade beim „Zukunftspakt Ehrenamt“ zeige sich, warum die Verankerung des Ehrenamts im Kanzleramt so wichtig sei. Viele der im Koalitionsvertrag angekündigten Reformen für das Ehrenamt und den gemeinnützigen Sektor lägen in der Verantwortung unterschiedlicher Ressorts. „Damit sie tatsächlich in die Umsetzung kommen, braucht es eine Stelle, die diese bisweilen auch gegenläufigen Interessen zusammenführt.“ Auf Arbeitsebene habe der Bundesverband mit Rauhes Vorgängerin Christiane Schenderlein eine „ausgesprochen gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ erlebt. „Daran möchten wir mit Ronald Rauhe anknüpfen“, so von Bünau.
Bundeskanzler Friedrich Merz wies im Bundeskanzleramt darauf hin, dass Rauhe insgesamt 31 Medaillen bei Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen und Europameisterschaften gewonnen habe. Der gebürtige Berliner nahm zwischen 2000 und 2021 an sechs Olympischen Spielen teil. Zu seinen größten Erfolgen zählen die Goldmedaillen im Zweierkajak 2004 in Athen und im Viererkajak bei den 2021 ausgetragenen Spielen in Tokyo.
Rauhe richtet sich an Ehrenamtliche
Mit der Berufung Rauhes wolle er „ein Zeichen setzen, dass wir den deutschen Sport als ein wichtiges Aufgabengebiet sehen“, so Merz. Er wies darauf hin, dass Rauhe auch für das Ehrenamt zuständig sei. Rauhe versprach, sich für die vielen Ehrenamtlichen in Deutschland einzusetzen, die Großes leisteten, aber nur selten eine Bühne oder Applaus dafür erhielten. „Sie verdienen weniger Hürden, mehr Unterstützung und vor allem unsere volle Wertschätzung“, sagte er.
Ronald Rauhes sportlicher Werdegang ist eng mit der Sportfördergruppe der Bundeswehr Frankfurt (Oder) verbunden. Laut einer Pressemittelung der Bundeswehr arbeitete er im Dezernat Sport des Streitkräfteamts im Rang eines Hauptfeldwebels an der Weiterentwicklung der Spitzensportförderung. Seine Erfahrungen habe er in einem Mentoringprogramm an junge Athleten weitergegeben, die ihren Dienst als Sportsoldaten beginnen. „Die Bundeswehr war die Basis dafür, dass ich meinen Sport in dieser Intensität ausüben konnte“, sagte Rauhe vergangenes Jahr in einem Interview mit dem Magazin „Unser Havelland“.
Tobias Müller ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Er hat Friedens- und Konfliktforschung sowie Journalismus in Frankfurt am Main und Darmstadt studiert. Als Werkstudent arbeitete er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Anschluss folgte eine Tätigkeit als Onlineredakteur beim Magazin Chrismon.

