08.10.2013 | Von Die Stiftung

Eine Stiftung als Unternehmen

Die Benckiser Stiftung Zukunft hat drei Tochtergesellschaften: „Eleven“ vereint Organisationen der Kinder- und Jugendförderung, „Juvat“ entwickelt mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und sozialem Sektor Social Impact Bonds und [SIC] bietet Beratungsleistungen an, um die Wirksamkeit im sozialen Sektor zu erhöhen. DIE STIFTUNG hat mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Dr. Christoph Glaser über das Unternehmen Stiftung gesprochen.

DIE STIFTUNG: Herr Glaser, handeln Sie unternehmerisch bei der Benckiser Stiftung?
Dr. Dr. Christoph Glaser:
Wenn unternehmerisches Handeln bedeutet, klare Ziele zu definieren und bewusste, kontrollierte Risiken einzugehen, um diese zu erreichen, ja.

DIE STIFTUNG: Sie haben den ersten kontinentaleuropäischen Social Impact Bonds gestartet. Wie funktioniert ein Social Impact Bond?
Dr. Dr. Glaser:
In einem Social Impact Bond finanzieren Förderer soziale Maßnahmen vor, die in der Regel durch eine Arbeitsgemeinschaft von gemeinnützigen Organisationen durchgeführt werden. Bevor die Maßnahmen umgesetzt werden, haben sich die gemeinnützigen Organisationen mit der Öffentlichen Hand darauf verständigt, wie zweifelsfrei festgestellt werden kann, ob die durchgeführten Maßnahmen den gewünschten Erfolg haben. Wenn nach Abschluss des Projektes ein externer Evaluierer den Erfolg der Maßnahmen bestätigt, erstattet die Öffentliche Hand die Vorfinanzierung an die Förderer zurück, zuzüglich einer geringen Verzinsung.

DIE STIFTUNG: Davon profitieren alle Beteiligten, oder?
Dr. Dr. Glaser:
Ein solcher Kreislauf bietet Vorteile für alle Beteiligten: Die Förderer haben die Möglichkeit, statt einer Spende ihre Fördergelder sukzessive in den Kreislauf mehrerer Social Impact Bonds zu geben und damit erheblich mehr Maßnahmen zu finanzieren als dies mit einer einmaligen Spende möglich wäre. Die gemeinnützigen Organisationen haben Finanzierungssicherheit und werden – statt an der ordnungsgemäßen Mittelverwendung – am Erfolg ihrer Maßnahmen gemessen. Die Öffentliche Hand, das heißt, Sie und ich als Steuerzahler zahlen nur, wenn die Maßnahmen nachweislich erfolgreich sind. Das funktioniert beispielsweise mit Jugendlichen, die aus dem sozialen System herausgefallen sind und in Programmen nachhaltig in Ausbildung oder Arbeit gebracht werde.

DIE STIFTUNG: Apropos erfolgreiche Maßnahmen. Im September gerieten Sie in die Kritik, weil Sie das Mentorenprogramm „Big Brothers Big Sisters“ gestoppt haben, bei dem Ehrenamtliche Kinder begleitet haben. War das Projekt nicht erfolgreich?
Dr. Dr. Glaser:
In einer vergleichenden Analyse haben wir herausgefunden, dass eine weitere Organisation der Kinder- und Jugendförderung in der Lage ist, bei besser belegter Wirksamkeit erheblich mehr Kinder zu erreichen als dies Big Brothers Big Sisters möglich ist. Uns wurde damit bewusst, dass eine Entscheidung, Big Brothers Big Sisters weiter zu betreiben, bedeuten würde, dass man zwar die Organisation erhielte, durch diese Entscheidung jedoch gleichzeitig vielen Kindern die notwendige Förderung vorenthielte.

DIE STIFTUNG: Sie haben die Förderung demnach nur auf eine andere Organisation übertragen?
Dr. Dr. Glaser:
Ja, hier galt es also zwischen dem Wohl der Organisation und dem Wohl unserer Zielgruppe abzuwägen. Wir haben uns für das Wohl unserer Zielgruppe entschieden und damit dafür, dass die Förderung von Big Brothers Big Sisters auf die Organisation übertragen wird, die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln mehr Kinder erreichen und auf ihrem Weg begleiten kann

DIE STIFTUNG: Herr Dr. Dr. Glaser, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jasmin Menrad

Dr. Dr. Christoph Glaser ist Vorsitzender des Vorstands der Benckiser Stiftung Zukunft mit Sitz in Ludwigshafen.

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