16.07.2018 | Von Martina Benz

Über den Tellerrand: „Der Start ist gut gelungen“

Vergangene Woche öffnete das Münchner Café „Über den Tellerrand“. Das Sozialunternehmen will geflüchtete Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren und wird durch das Ankommer-Programm von Social Impact und der KfW-Stiftung unterstützt. Ein Einblick in diese Kooperation

Tellerrand
Eröffnungsfeier des Münchner "Über den Tellerrand"-Cafés, das versucht Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Hierfür kooperieren Sozialunternehmen, gGmbH und Stiftungen. Foto: Shankho Mukherjee

Welche Idee steckt hinter dem Ankommer-Programm?
Norbert Kunz, Social Impact: Das Ziel ist es, die Gründung von Initiativen zu unterstützen, die die gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration von geflüchteten Menschen in Deutschland fördern.

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Norbert Kunz ist Geschäftsführer von Social Impact, einer gemeinnützigen GmbH. Foto: Social Impact

Wie kam die Zusammenarbeit zwischen der KfW-Stiftung und Social Impact hierfür zustande?
Bernd Siegfried, KfW-Stiftung: Durch die von uns geförderten Impact Labs in Frankfurt und Duisburg waren wir auch schon davor über unser Andersgründer-Programm mit Social Impact verbunden. Mit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 beschlossen wir dann gemeinsam, ein Programm speziell für die Arbeitsmarktintegration zu entwickeln: So entstand das Ankommer-Programm, das von Social Impact umgesetzt und von der KfW-Stiftung finanziert wird.

Wieso halten Sie es für sinnvoll, dieses Programm finanziell zu unterstützen?
Siegfried: Wir gehen davon aus, dass sich sozialunternehmerische Ansätze sehr gut dazu eignen, um die Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt zu unterstützen. Sie bieten die Möglichkeit, sich einem Thema von gesellschaftlicher Relevanz anders anzunähern. Durch die bestehende Lab-Infrastruktur konnten wir schnell agieren, über eine Ausschreibung Ideen sammeln, auswählen und voranbringen. Auch hier waren wir an skalierbaren Ideen interessiert, um durch die ausgewählten Beispiele vielen Geflüchteten eine Chance zu bieten.

Entspricht das „Über den Tellerrand“-Café diesen Erwartungen?
Siegfried: Der Start ist gut gelungen, aber man muss abwarten, wie es weiter geht. Das Café ist noch jung und  in der Aufbauphase. Es wird sich zeigen, ob es nachhaltig in der Wirtschaft überleben und so Flüchtlingen dauerhaft eine Perspektive schaffen kann. Das ist von vielen Faktoren abhängig: Wie das Angebot von den Gästen angenommen wird, wie sich betriebswirtschaftliche Eckdaten entwickeln, wie das Team zusammenarbeitet, welche Art von Training noch erforderlich ist, etc.

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Bernd Siegfried ist Geschäftsführer der KfW-Stiftung. Foto: Thorsten Futh

Halten Sie die Gastronomie denn geeignet für die Integration von Flüchtlingen?
Siegfried: Auf jeden Fall. Es handelt sich dabei um eine niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeit, da die grundlegenden Kenntnisse schnell zu erlernen sind. Dennoch ist und bleibt die deutsche Sprache die Grundvoraussetzung für eine gelungene Integration.

Und wie empfinden Sie, Herr Kunz, bei Social Impact die Zusammenarbeit mit Stiftungen?
Kunz: Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit mit Stiftungen sehr positiv. Wir verfolgen im Rahmen der abgestimmten Programme die gleichen Ziele und können unterschiedliche Kompetenzen zu deren Erreichung einbringen. Die Ausprägung der Zusammenarbeit ist von Stiftung zu Stiftung unterschiedlich. Manche Stiftungen fördern nur finanziell und wollen höchstens eine Berichterstattung gemäß der Fördervereinbarung. Andere sind stark in die Durchführung der Programme eingebunden. Das ist von Vorteil, da hier Know-how, Kontakte und Ressourcen eingebracht werden, die weit über eine finanzielle Förderung hinausgehen. Mithin bedarf dies aber auch mehr Abstimmungsprozessen.

Und die Zusammenarbeit mit der KfW-Stiftung?
Kunz: Wir arbeiten schon seit 2014 sehr konstruktiv mit der KfW Stiftung zusammen. Sie ist stark in die Prozesse involviert und bringt sich intensiv ein, unter anderem mit personellen Ressourcen. Es gibt fachlichen Austausch über Berichte hinaus und die Stiftung übernimmt zusätzliche Leistungen, um unsere gemeinsamen Programme effektiv in der Öffentlichkeit zu positionieren. Diese kommunikative Arbeit kann sie besser als wir stemmen, da sie andere relevante Kontakte und Mittel dafür hat. Die Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministers für das Ankommer-Programm zum Beispiel hätten wir alleine vermutlich nicht erreicht. Eine so intensive Zusammenarbeit in der Partnerschaft erfordert mithin allerdings auch von uns zusätzliche Ressourcen.

Sie sind sozusagen der Intermediär zwischen den Sozialunternehmen und der Stiftung. Inwiefern unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit Stiftungen von der mit Sozialunternehmen?
Kunz: Das sind zwei ganz unterschiedliche Arbeitsverhältnisse. Die Social Startups unterstützen wir. Sie sind unsere primären Leistungsempfänger, zahlen aber nicht. Stiftungen hingegen fördern uns, erhalten aber nur bestimmte Gegenleistungen dafür – von einer einfachen Berichterstattung am Ende des Projektes bis hin zu einer operativen Einbindung. Sie sind nicht unsere primären Leistungsempfänger, obwohl sie zahlen. Die Herausforderung ist es, beide Seiten zufrieden zu stellen.

Können Sie diese Herausforderungen ein wenig genauer erläutern?
Kunz: Unser primäres Interesse ist die Förderung der Social Startups. Ihnen wollen wir eine qualitativ hochwertige Unterstützung bieten und danach sind auch unsere Budgets und Kapazitäten ausgelegt. Wenn für eine Stiftung Leistungen relevant sind, die von uns nicht eingeplant waren, müssen wir es irgendwie schaffen diese Sekundärleistung zu erfüllen, ohne die Primärleistung zu vernachlässigen. Eine Nachfinanzierung laufender Projekte ist schwierig und die Gelder eines Programms dürfen nicht für ein anderes fremdverwendet werden, weshalb wir das aus internen Eigenleistungen decken müssen.

Arbeitet die KfW-Stiftung in Ihrer Förderung auch operativ mit dem „Über den Tellerrand“-Café zusammen?
Siegfried: Die operative Arbeit liegt bei Social Impact. Wir betreuen eher medial und spielen in der Kommunikation eine wichtige Rolle. Es ist wichtig, dass die Initiativen bekannt werden und bei Kommunikationsagenturen, aber auch in der Regionalpresse präsent sind. Zusätzlich soll unser Special Impact Award die besten Ideen zeigen und Leuchtturmprojekte etablieren, indem das Preisgeld von 20.000 Euro in der Startphase  hilft.

Was sind die Zukunftspläne für das Ankommer-Programm?
Siegfried: Die Intensität eines Engagements ist immer bedingt durch die Dringlichkeit des Themas. Wir haben festgestellt, dass sich mit dem abnehmenden Flüchtlingsstrom auch das öffentliche Interesse an unseren Ausschreibungen verringert hat. Das Programm wird dann beendet, wenn die Förderung aus unserer Sicht keinen Sinn mehr ergibt. Denkbar ist allerdings eine anderweitige zukünftige Förderung der Programmprojekte, um deren Nachhaltigkeit zu unterstützen.

Zu den Interviewpartnern:

Bernd Siegfried ist Geschäftsführer der KfW-Stiftung.

Norbert Kunz ist Geschäftsführer von Social Impact, einer gemeinnützigen GmbH.

 

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