Ute Steiger gründete mit ihrem Ehemann nach dem Tod ihres Sohnes die Björn-Steiger-Stiftung. Die Organisation setzt sich seither für Rettungswesen und Notfallhilfe ein. Nun ist die 88-Jährige gestorben.

Ute Steiger, Gründerin der Björn-Steiger-Stiftung, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Das teilt die Stiftung mit Sitz in Winnenden mit. „Mit Dankbarkeit und großem Respekt blicken wir auf ihre große Lebensleistung als Mitbegründerin unserer Stiftung zurück. Sie hat viel von dem, was im deutschen Rettungsdienst heute selbstverständlich ist, mit angestoßen und vorangetrieben“, wird Prof. Jürgen Gramke, Vorsitzender des Präsidialrats der Björn-Steiger-Stiftung, zitiert.

Gemeinsam mit ihrem Mann Siegfried Steiger habe Ute Steiger ein modernes Rettungswesen und eine bessere Notfallhilfe in Deutschland und in anderen Staaten auf den Weg gebracht. „Zu ihren Verdiensten gehören unter anderem der Aufbau der Notruftelefone an Bundes- und Landstraßen 1971, der Aufbau der Luftrettung und die Gründung der DRF Luftrettung im Jahre 1972, die bundesweite Einführung der Notrufnummern 110/112 im Jahr 1973, die Entwicklung und Finanzierung des Baby-Notarztwagens 1974 sowie der Kampf gegen den Herztod durch die Massenverbreitung von Laien-Defibrillatoren seit 2001“, so die Stiftung.

Schicksalsschlag als Antrieb

Hinter der Björn-Steiger-Stiftung steht ein persönlicher Schicksalsschlag: Am 3. Mai 1969 wurde Björn, der älteste Sohn der Familie, eine Woche vor seinem neunten Geburtstag, auf dem Heimweg vom Schwimmbad von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde, bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb laut Stiftung auf dem Weg ins Krankenhaus nicht an seinen Verletzungen, sondern am Schock. Am 7. Juli 1969 gründete das Ehepaar Steiger die Björn-Steiger-Stiftung mit dem Ziel, das damals unzulängliche Rettungswesen in Deutschland zu verbessern. „Da man ihren Sohn nicht retten konnte, fassten die beiden den Entschluss, so viel andere Leben wie möglich zu retten“, wird Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn-Steiger-Stiftung und Bruder von Björn Steiner, zitiert. „Dies wurde zu ihrer Mission, die sie ihr ganzes Leben lang verfolgten.“

Das Ehepaar Steiger habe die Politik immer wieder zum Handeln aufgefordert und Verbesserungsideen vorgebracht – und dabei neben Spenden auch eigene finanzielle Mittel eingesetzt. „Als beispielsweise im Jahr 1972 die Luftrettung mit Helikoptern in Deutschland finanziell vor dem Scheitern stand, verpfändete das Ehepaar Steiger das eigene Wohnhaus, um die Finanzierung von Rettungshubschraubern zu sichern.“ Auch der erste gesamtdeutsche Luftrettungseinsatz zwischen der Bundesrepublik und der DDR sowie der Aufbau der Luftrettung in Luxemburg und weiteren Staaten gehe maßgeblich auf das Engagement des Ehepaars Steiger zurück. Das in den 1970er-Jahren von den beiden initiierte „Rettungsmodell Rems-Murr“ wurde zum Muster für den bundesweiten Auf- und Ausbau einer Notfallhilfe.

„Meine Mutter Ute war das organisatorische Rückgrat der Stiftung und baute wichtige diplomatische Brücken zwischen Politik und Verbänden, um die Modernisierung der Notfallhilfe auch auf der persönlichen Ebene voranzubringen. Ohne ihren Charme und ihre Beharrlichkeit hätte es viele Erfolge nicht gegeben“, betont Pierre-Enric Steiger. Etwa bei der Klage der Steigers gegen die Bundesregierung beim Kampf um die Einführung der bundesweiten Notrufnummern 110/112 im Jahr 1973. „Damals verfasste Ute Steiger, im Zeitalter der manuellen Schreibmaschinen, rund 6.000 Briefe an Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker, um den dafür erforderlichen politischen Druck aufzubauen.“

Über die Stiftung

Die Björn-Steiger-Stiftung hat sich bis heute dem Ziel verschrieben, die Notfallhilfe weiter zu entwickeln. Zu den Projekten gehört die Massenverbreitung von Laien-Defibrillatoren, die Alarmierung von qualifizierten Ersthelfern per App, Schulungen in Sachen Wiederbelebung, die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall sowie der sichere Transport von Frühgeborenen. „Wir führen das Lebenswerk und die Mission meiner Mutter und meines Vaters fort“, sagt Pierre-Enric Steiger.

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