STIFTL: Es gab einmal eine Grüne Alternative Liste und vor nicht allzu langer Zeit auch eine Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit. Was aber sind Alternative Investments?
Oliver Weber: Darunter versteht man alle Anlageklassen und -instrumente, die nicht zu den Klassikern Aktien, Anleihen und Liquidität gehören. Beispiele sind Hedgefonds, Private Equity, Schiffsbeteiligungen sowie Investitionen in erneuerbare Energien, Infrastrukturprojekte oder auch Agrar- und Waldinvestments. Ob auch Immobilien und Rohstoffe zu den sogenannten AI gehören, ist umstritten.
STIFTL: Und das soll etwas für Stiftungen sein?
Weber: Stiftungen, wie z.B. die amerikanischen Elite-Universitäten Harvard und Yale, haben in der Vergangenheit erfolgreich in diese Anlageklassen investiert, hatten aber in der Finanzkrise auch große Probleme, da viele Investments nicht handelbar waren oder ebenfalls stark an Wert verloren.
STIFTL: Wie kann eine Investition in AI erfolgen?
Weber: Häufig werden solche Investments als geschlossene Fondsbeteiligungen angeboten. Oftmals ist aber auch eine Beteiligung mittels Investmentfonds oder Zertifikat möglich.
STIFTL: Was sind die Chancen und Risiken?
Weber: Alternative Investments sind häufig illiquide oder nur eingeschränkt handelbar. Auch werden bei manchen AI keine regelmäßigen Erträge ausgeschüttet. Des Weiteren ist die Kostenstruktur meist höher als bei traditionellen Anlagen. Neben Kosten für die Eigenkapitalbeschaffung bei geschlossenen Fonds gibt es auch noch laufende Kosten sowie häufig erfolgsabhängige Gebühren. Darüber hinaus müssen Stiftungen berücksichtigen, dass auch AI hohen Schwankungen unterliegen können. Daher kommt der Auswahl des jeweiligen Managers beziehungsweise dem jeweiligen Investment eine besondere Bedeutung zu. Die Beimischung von AI ist daher aufgrund des häufig aufwändigeren Prüfungsverfahrens mit Mehraufwand verbunden.
STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Weber: Eine globale Diversifikation über verschiedenste Anlageklassen ist unerlässlich für eine erfolgreiche und nachhaltige Anlagestrategie. Allerdings gibt es keine standardisierte Lösung, mit welcher Quote eine Stiftung AI beimischen soll. Ebenfalls gibt es keine allgemeine Empfehlung, in welche Anlageklassen investiert werden sollte. Hier muss jede Stiftung nach ihrem individuellen Chance-Risiko-Profil eine geeignete Aufteilung finden und für sich entsprechende Anlagerichtlinien definieren.

