Der Stiftungsrat der Stiftung Schloss Marienburg in Pattensen, südlich von Hannover, hat Ulrich von Jeinsen nach eigener Aussage als Stiftungsvorstand abberufen. Dies sei aufgrund grober und wiederholter Pflichtverletzungen geschehen, so die Stiftung. Christine Fiedler ist demnach bis Ende des Jahres vorübergehend ernannt worden.
Angespannte Finanzlage
Der 72-jährige Jeinsen war seit Ende 2023 im Amt. Er kenne die Gründe für seine Abberufung nicht, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Es habe allerdings unüberbrückbare Differenzen bezüglich der Wirtschaftlichkeit der Stiftung gegeben. Die finanzielle Lage der Stiftung Schloss Marienburg ist angespannt, insbesondere aufgrund hoher Instandhaltungskosten. Jeinsen wies jedoch Spekulationen über eine mögliche Insolvenz der Stiftung zurück. Die Gründung der Stiftung selbst im Herbst 2019 war ein Schritt, um die Kosten zum Erhalt des Baus zu tragen.
Ulrich von Jeinsen widerspricht der Darstellung des Stiftungsrats über seine Abberufung: „Das ist die Version eines Stiftungsrats, der sich um nichts gekümmert hat und stattdessen wollte, dass ich Anweisungen befolge, die nachgewiesenermaßen zu nicht legalem Handeln geführt hätten. Anstelle auf meine entsprechenden Monita zu reagieren, hat man kolportiert, mich gefeuert zu haben, was Quatsch ist.“ Er habe sich nicht vorstellen können, dass eine Ministerialbürokratie so handelt und habe daher das Amt niedergelegt, „weil er schon zwischen Vorstand einer Stiftung und kritiklosem Befehlsempfänger unterschieden sehen möchte“.
Bereits seit mehreren Jahren stehen laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rund 27 Millionen Euro vom Bund und dem Land Niedersachsen für die Sanierung des Schlosses zur Verfügung. Falko Mohrs, Mitglied des Stiftungsrats und Kulturminister Niedersachsens äußerte sich demnach unzufrieden darüber, dass der Beginn der Sanierungsarbeiten erst für 2026 geplant ist, nachdem zuvor 2024 als Startdatum genannt wurde.
Zusätzlich zu Mohrs gehören dem Stiftungsrat auch Niedersachsens Staatssekretär Joachim Schachtner, der Präsident der Region Hannover, Steffen Krach, und Ernst August Prinz von Hannover an. Letzterer ist der Gründer der in Pattensen gegründeten Stiftung bürgerlichen Rechts, die das Ziel hat, das Schloss Marienburg als Kulturdenkmal zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Drehort für „Maxton Hall“
Das Schloss Marienburg wurde zwischen 1857 und 1869 als Sommerresidenz und Jagdschloss für König Georg V. von Hannover erbaut. Seit 2004 befindet es sich im Besitz von Ernst August Prinz von Hannover, einem Nachfahren des ursprünglichen Erbauers. In jüngerer Zeit wurde das Schloss als Drehort der Amazon-Prime-Serie „Maxton Hall“ bekannt, in der es als fiktives britisches College dient.
