Wie Stiftungsgeschichte geschrieben wird

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Dass Gremien immer wieder medienwirksam entscheiden, den Namen einer Stiftung zu ändern, ist das vielleicht deutlichste Anzeichen dafür, welche Rolle die Biographie des Stifters für die Rechtsform spielt. 2023 wurde etwa aus der Bischof-Stein-Stiftung die Stiftung Glauben leben im Bistum Trier. Hintergrund war der Umgang des 1993 verstorbenen Trierer Geistlichen mit dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche in seiner Amtszeit. Im Januar dieses Jahres legte die Theodor-Pfizer-Stiftung ihren Namen ab und heißt seither „Zukunft Studienstiftung“. Zu schwer wogen die Vorwürfe gegen den früheren Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Richter am baden-württembergischen Staatsgerichtshof und Vorstandsvorsitzenden der Studienstiftung des Deutschen Volkes zu dessen Verhalten im Nationalsozialismus.

Die Geschichte der Stiftungen und der Menschen dahinter ist das Arbeitsgebiet von Historikern wie Michael Kamp. Der Schwerpunkt des Inhabers einer Geschichtsagentur mit Hauptsitz in München liegt auf Unternehmensgeschichten, doch seit 2007 die ersten Stiftungen anklopften, beschäftigt ihn, die NS-Expertin Ina Deppe und weitere Kollegen bei Neumann und Kamp Historische Projekte auch die auf Ewigkeit angelegte Rechtsform. Die erste Stiftungsgeschichte war die zur Else-Kröner-Fresenius-Stiftung. „Daraus folgte dann sogar eine Biographie über Else Kröner, die Stifterin“, sagt der promovierte Historiker Kamp. Auf 250 Seiten stellen die Historiker das Wirken der 1925 geborenen gebürtigen Frankfurterin dar, die zum Ziehkind der Unternehmerfamilie Fresenius und für die Entwicklung des Unternehmens so wichtig werden sollte.

„Man kommt in sehr persönliche Bereiche der betreffenden Personen.“

Michael Kamp, Historiker

Stiftungen haben oftmals Unternehmensbezug, und gerade ältere deutsche Unternehmen in der Regel auch eine NS-Geschichte. Auch wenn Transparenz 2026 als selbstverständlich angenommen wird: Wissenschaftliche Erarbeitung der Geschichte kann negative Informationen zutage fördern, mit denen eine Organisation erst einmal umgehen muss. In ihrer Arbeit spiele das keine besonders problematische Rolle, sagt Kamp. Auch wenn es keine vertraglich fixierte Zusicherung seitens der Auftraggeber gebe, dass die Ergebnisse in jedem Fall veröffentlicht werden. „Bislang bestand dazu nicht die Notwendigkeit. Wenn uns jemand beauftragt hat, ein Buch zu schreiben, das veröffentlicht werden soll, dann ist es auch veröffentlicht worden.“ Mitunter komme es vor, dass Auftraggeber versuchten, steuernd einzugreifen, sie ließen sich dann in der Regel aber davon überzeugen, dass das keine gute Idee ist. „Dagegen steht unsere wissenschaftliche Objektivität und Ethik. Wir erklären dann, dass das nicht geht“, sagt Kamp. „Es ist einmal in rund 150 Projekten passiert, dass wir es abgelehnt haben, als Autoren aufzutreten. Das war aber nicht im Stiftungszusammenhang. Auftragsgeschichte ist keine Gefälligkeitsgeschichte.“

Herantasten an die Historie

Dazu, dass es nicht zu einem solchen radikalen Schritt kommt, kann ein stufenartiger Prozess beitragen. „Wir fangen häufig mit einem kürzeren Gutachten oder Exposé an, das dann auch intern ist“, sagt Ina Deppe. Die Ausgangsposition ist sehr unterschiedlich. Mitunter würden sich Stiftungen an die Historiker wenden, um überhaupt eine erste Ahnung davon zu bekommen, was in der Vergangenheit passiert ist. „Die handelnden Personen wissen selbst nicht unbedingt, was der Stifter oder die Stifterin in der NS-Zeit getan hatte – oder wie es sich mit dem Vermögen verhält, das später in die Stiftung floss. Vielleicht gibt es schon einen Anfangsverdacht, aber in solchen Fällen geht es erst einmal um die Sicherung von Wissen und eine Einschätzung.“

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