Bürgerstiftung Duisburg vor der Abwicklung

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Die Bürgerstiftung Duisburg steht nach mehr als 20 Jahren vor dem Aus. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft soll noch im Sommer 2026 abgewickelt werden. Die maßgebliche Entscheidung dazu ist auf einer Aufsichtsratssitzung am 9. Juni gefallen, wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichten. Als Hauptgrund nennt die Stiftung den Einbruch ihrer Finanzierung. So ist etwa die langjährige Großspenderin Gabriela Grillo 2024 verstorben. Vorstandsvorsitzender Sebastian Worms, seit 2024 im Amt, sagte laut WAZ: „Der Schritt macht uns alle sehr traurig.“ Gegenüber dem WDR formulierte er: „Ich glaube, Duisburg wird ein bisschen kälter.“ Im Jahr 2025 seien nur noch 30.000 Euro an Spenden eingegangen. Allein die Bürokosten hätten diesen Betrag überstiegen. Worms verweist zudem auf den Wegfall wichtiger Großspender und auf eine insgesamt sinkende Spendenbereitschaft.

Projekte sollen weitergeführt werden

Die Bürgerstiftung Duisburg wurde 2004 als gemeinnützige Aktiengesellschaft gegründet und ist nach eigener Darstellung unabhängig und unparteiisch für die Stadtgesellschaft aktiv. Sie stützt sich auf rund 300 Ehrenamtliche und fördert Projekte in den Bereichen Bildung, Dialog, Gesundheit, Natur, Stadtgeschichte und Verkehrssicherheit. Zu den bekanntesten Formaten zählen die öffentlichen Bücherschränke unter dem Titel „DU liest!“, Bücherzellen sowie lokale Dialog- und Integrationsprojekte. 

Nach WAZ-Informationen bemüht sich die Stiftung derzeit, zentrale Projekte in andere Strukturen zu überführen. Die Jobmesse „Karriere in Duisburg“ soll künftig von einem neu gegründeten Verein des „Netzwerk Weiterbildung Duisburg“ getragen werden, in dem sich Ende April 36 regionale Anbieter zusammengeschlossen haben. Auch das Projekt „Chancenpatenschaften“, in dem Ehrenamtliche Geflüchtete im Alltag begleiten, soll mit einem neuen Träger fortgeführt werden. Für die 37 Bücherschrank-Standorte sei die Finanzierung für das kommende Jahr gesichert. An einer langfristigen Lösung wird laut der Bürgerstiftung noch gearbeitet. Offen ist demnach die Zukunft der sechs „Speed-Displays“, die vor Schulen, Kitas oder Jugendzentren auf Geschwindigkeitsüberschreitungen aufmerksam machen. Die Bürgerstiftung beschreibt diese Verkehrssicherheitsarbeit als Teil ihres praktischen Engagements für die Stadt.

Von Schwerindustrie geprägt

Der Rückzug der Stiftung stößt in Duisburg auf Sorge. Claus Lindner, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung Hamborn, warnte im WDR vor den Folgen für das Ehrenamt vor Ort: „Das macht mir Riesen-Sorgen.“ Kleine Finanzierungsbausteine seien oft Voraussetzung für Feste, Aktionen und Begegnungsformate in den Stadtteilen. 

Die Entwicklung ist auch auf das wirtschaftliche Umfeld in Duisburg zurückzuführen. Die Stadt ist bis heute stark von Schwerindustrie wie Stahl und Kohle abhängig. Zugleich wirkt der Strukturwandel seit Jahren fort, und viele Unternehmen stehen unter hohem Anpassungs- und Kostendruck. Das wirkt sich auch auf die städtischen Finanzen aus. Für 2025 verzeichnete Duisburg ein Defizit von rund 132 Millionen Euro. Für 2026 rechnet die Stadt mit einem Fehlbetrag in einer Größenordnung von rund 280 Millionen Euro. 

Auch Jasmin Sandhaus, seit 1. Juni 2025 Geschäftsführerin der Haniel-Stiftung, sieht ein strukturelles Problem: „Am Ende ist das ein Demokratiethema im ganzen Ruhrgebiet“, sagte sie dem WDR. Die Haniel-Stiftung gehört weiter zu den großen Stiftungsakteuren in Duisburg. Nach eigenen Angaben verfügt sie über ein Vermögen von 50 Millionen Euro. Seit ihrer Gründung 1988 hat sie 38,6 Millionen Euro an Fördermitteln eingesetzt. Mit ihrem Programm „Bildung als Chance“ erreicht sie nach eigenen Angaben rund 1.500 Schülerinnen und Schüler pro Schuljahr.

Tobias Müller ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Er hat Friedens- und Konfliktforschung sowie Journalismus in Frankfurt am Main und Darmstadt studiert. Als Werkstudent arbeitete er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Anschluss folgte eine Tätigkeit als Onlineredakteur beim Magazin Chrismon.