Benevity will seine Verbreitung in Deutschland erhöhen. Was steckt hinter dem Plattform-Hype aus Kanada? Und wie können Stiftungen das Portal für ihr Fundraising nutzen?

Die Zahl ist beachtlich: Eine Milliarde US-Dollar Spenden hat das kanadische Spendenportal Benevity 2020 an Non-Profit-Organisationen überwiesen. Im Vergleich wirken Helpdirect und Betterplace – in Deutschland die Platzhirsche unter den Spendenplattformen – wie kleine Lichter. Was ist das Geheimnis? Und wie können auch deutsche gemeinnützige Organisationen die Spendenbereitschaft der Benevity-Nutzer für sich monetarisieren?

Das Konzept von Benevity ist grundsätzlich anders als das von Betterplace & Co. Während herkömmliche Übersichtsseiten auf Privatspender zielen, richtet sich Benevity an Unternehmen und dessen Mitarbeiter. Ein Unternehmen kann sich ein eigenes Benevity-Portal anlegen und darin Organisationen und deren Projekte in einer Übersicht anzeigen lassen. Die eigenen Mitarbeiter kann das Unternehmen somit zur Unterstützung dieser ausgewählten Projekte aufrufen.

Benevity will 100 Prozent fürs Projekt erreichen

„Im Portal können Unternehmen den Mechanismus einbauen lassen, jede Spende eines ihrer Mitarbeiter zu verdoppeln“, erklärt Philipp Hof vom Haus des Stiftens, das Benevity bei Markteintritt in Deutschland unterstützt. Auch Verwaltungs- und Transaktionskosten übernähmen manche Unternehmen, sodass 100 Prozent des gespendeten Geldes bei den Projekten ankommen würden.

„Viele Unternehmen wollen sich stärker gesellschaftlich engagieren und gleichzeitig einen engeren Kontakt zu ihren Mitarbeitern haben. Benevity verspricht, beides zu kombinieren“, so Hof. Auch das US-amerikanische Yourcause funktioniert nach diesem Prinzip. In Nordamerika ist diese Art des unternehmensverbundenen Spendens schon der Hit: 2017 hatten 250 der 1.000 größten US-amerikanischen Unternehmen eigene Portale auf Benevity. Tendenz steigend.

NGOs präferieren Unternehmenskontakt ohne Umweg

Angetreten seien Spendenplattformen und Apps ursprünglich mit dem Ziel, mehr Gelder zu erschließen, erinnert sich Philipp Hof vom Haus des Stiftens. Erfüllt habe sich dieses Versprechen nicht: „In absoluten Zahlen bleibt das Spendenvolumen gleich, das Geld kommt nur über andere Wege“, zeigt Hof sich enttäuscht. Benevity jedoch rechnet er realistische Chancen aus, das Spendenvolumen auch absolut zu steigern, da es einen neuen Kontaktpunkt zu potentiellen Spendern erschließt.

Und was halten deutsche NGOs davon?

Nadine Steuer, Referentin für Online-Fundraising beim Internationalen Katholische Missionswerk Missio, findet das Konzept spannend. „Vor allem der Aspekt der Spendenverdopplung ist ein toller Anreiz für Privatspender“, sagt sie. Allerdings sei ein Unternehmensengagement dieser Art nicht neu. „Wir haben schon jetzt Spendenverdopplungsaktionen mit Unternehmen, die eins unserer Projekt in ihrer Mitarbeiterschaft präsentieren und direkt über unsere Webseite verlinken.“ Auch künftig würde sie dies lieber direkt mit Unternehmen umsetzen als über eine Plattform wie Yourcause oder Benevity.

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