10.12.2018 | Von Die Stiftung

Adolf-Messer-Stiftung – Widerstand gegen Engagement

Adolf Messer, Namensgeber der von seiner Familie im Andenken an ihn gegründeten Stiftung, war NSDAP-Mitglied. Die Adolf-Messer-Stiftung fördert Wissenschaftler und Hochschulen – doch dort regt sich Widerstand gegen den Geldsegen.

Adolf-Messer-Stiftung
Das Residenzschloss in Darmstadt, das unter anderem die Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften beherbergt Foto: Tumaine, Residenzschloss Darmstadt, CC BY-SA 3.0

Studierende der Technischen Universität Darmstadt stören sich am Adolf-Messer-Preis, da der Namensgeber NSDAP-Mitglied war. Die Adolf-Messer-Stiftung verleiht seit 1994 einen Stiftungspreis an junge Wissenschaftler der TU Darmstadt, mit 50.000 Euro den derzeit höchstdotierten Preis für ihre Nachwuchswissenschaftler. Der Studierendenausschuss fordert, dass diese Kooperation beendet werden soll. Dass die Universität darauf nicht verzichten möchte, versteht sich, und wurde von einem Sprecher gegenüber der Hessenschau aktuell bestätigt: „Man wolle am Preis und der Kooperation festhalten. Die Stiftung sei von der Enkel-Generation gegründet worden – Jahrzehnte nach dem Tod Adolf Messers. An ihrer Reputation bestehe kein Zweifel. Das habe ein Historiker der TU noch einmal überprüft.“

Proteste bei Preisverleihung der Adolf-Messer-Stiftung

Adolf Messer Foto: Messer Group

Die TU Darmstadt ist dabei nicht alleine: Auch an der Frankfurter Goethe-Universität gab es bereits diesen Sommer Proteste, weil dort ein Arbeitsraum den Namen „Adolf-Messer-Stiftung-Lounge“ trägt. Obwohl ein Senatsbeschluss vom Frühling vorliegt, wonach die Lounge zeitnah einen neuen Namen bekommen soll, handelte das Universitätspräsidium nicht. Auch wenn die Stifterfamilie vorerst nicht auf den Namen bestand, zeigte sie sich von einer Umbenennung nicht begeistert und schlug vor, „in der Lounge aber eine Informationstafel zur Geschichte der Adolf Messer GmbH durch Angaben zu den Preisträgern der Stiftung zu ersetzen“, so die FAZ.

Bei der Preisverleihung des Adolf-Messer-Stiftungspreises im November kam es neben erneuten Protesten auch zu einem Gespräch zwischen den Demonstranten und Adolf Messers Enkel. „Valentin Fuchs von der Grünen-Hochschulgruppe sprach von einem konstruktiven Austausch und sagte, Stefan Messer habe sich mit einer Umbenennung der Lounge grundsätzlich einverstanden erklärt“, berichtete die FAZ. „Die Universität wird die Benennung der Lounge weiter reflektieren und spätestens bis zur nächsten Senatsklausur zu einer Entscheidung kommen“, teilte das Universitätspräsidium gegenüber der FAZ im November mit.

Historische Aufarbeitung

Wer auf der Stiftungs-Website danach sucht, findet über einen Link unter Adolf Messers Biografie auch zu einem PDF namens „Historischer Blick auf die Person Adolf Messer“. Dort wird erklärt: „Trotz seiner Mitgliedschaft in der NSDAP gibt es keine schriftlichen Belege, dass Adolf Messer die antisemitisch-rassistische Ideologie des Nationalsozialismus teilte. Gleichwohl nutzte er die ökonomischen Chancen, die das NS-Regime bot.“ Durch die Rüstungsproduktion konnte sich die Gesamtbelegschaft zwischen 1936 und 1940 mehr als verdoppeln, ab 1941/1942 wurden in den Werken von Messer auch Zwangsarbeiter eingesetzt.

Die Adolf-Messer-Stiftung

Die Stiftung wurde von Adolf Messers Familie im Andenken an ihn, im Jahr, in dem er 100 Jahre alt geworden wäre, gegründet. Gemäß ihrer Satzung unterstützt die Adolf-Messer-Stiftung Wissenschaft und Forschung, Volks- und Berufsbildung sowie Studierendenhilfe. Ihrem Stiftungszweck kommt sie nach, indem sie „Wissenschaftler fördert und würdigt, die durch besondere oder herausragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben, Stipendien vergibt, Förderpreise verleiht und wissenschaftliche und schulische Einrichtungen unterstützt“. Seit ihrer Gründung im Jahr 1979 wurden über zehn Millionen Euro für die Stiftungszwecke aufgewendet.

http://adolf-messer-stiftung.de/

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