08.10.2018 | Von Die Stiftung

Krupp-Stiftung: „Bisweilen offener kommunizieren“

Seit Vorstandschef und Aufsichtsratschef kurz hintereinander die Thyssen-Krupp AG verließen, steht die Krupp-Stiftung in der Kritik. Nun erklärte sich die Kuratoriumsvorsitzende der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung in einem Interview.

Krupp-Stiftung
Ursula Gather steht als Kuratoriumsvorsitzende der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung in Kritik – stellt sich dieser nun aber. Foto: Krupp-Stiftung / Peter Wieler

In einem Interview in der Zeit nimmt die Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, Stellung zur Teilung des Unternehmens – und zu ihrem langen Schweigen: „In der schwierigen Zeit nach den Rücktritten war es wichtig, das Unternehmen zu stabilisieren. Dazu habe ich viele Gespräche geführt, aber eben nach innen. Ich fühle mich Thyssenkrupp verpflichtet und finde deshalb, dass man nicht jede Debatte öffentlich führen sollte.“ Die strategische Entscheidung über die Teilung des Unternehmens nahm Gather nun zum Anlass, um auch über die Haltung der Stiftung dazu zu sprechen.

Im Juli, kurz nach dem Rücktritt von Heinrich Hiesinger, Vorstandschef der Thyssen-Krupp AG, kursierte im Intranet ein Brief im Namen der Mitarbeiter, gerichtet an Gather: Sie werfen ihr vor, Hiesinger zu wenig unterstützt zu haben (die-stiftung.de berichtete). Diesen Vorwurf weist Gather gegenüber der Zeit zurück: „Ich habe meine Unterstützung stets deutlich gemacht.“ Im Gegenteil fühlte sie sich von den beiden Zurückgetretenen im Stich gelassen: „Die beiden Rücktritte haben mich überrascht. Ich hätte es besser gefunden, wenn Herr Hiesinger und Herr Lehner auf der Brücke geblieben wären.“

Kritik an Kommunikation und Strategie

Das lange Schweigen der Stiftung wurde auch vom Familienrat kritisiert: „Wenn ich mit 21 Prozent größter Aktionär eines Unternehmens bin, dann muss ich eine klare unternehmerische Strategie haben und dazu Farbe bekennen. Und ich muss mich in der Öffentlichkeit auch hin und wieder zu dieser Strategie äußern. Das hat die Stiftung bisher nicht deutlich genug getan“, erklärte dieser im August (die-stiftung.de berichtete). „Wir waren sehr zurückhaltend in unserer Kommunikation nach außen“, erklärt Gather rückblickend und begründet: „Wir haben gedacht, dass unsere Werte diese Zurückhaltung erfordern. Dennoch haben wir erkannt, dass wir bisweilen offener kommunizieren könnten.“ Auch gegenüber der Zeit muss Gather das unternehmerische Geschick ihrer Gremien verteidigen: „Ich bin Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung und Mitglied des Aufsichtsrats. Dass dieser Aufsichtsrat heterogen ist, trägt zur Qualität seiner Entscheidungen bei.“

Die Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung

Die gemeinnützige Alfried- Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung ist das Vermächtnis von Dr.-Ing. E. h. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, dem letzten persönlichen Inhaber der Firma Fried. Krupp. Testamentarisch legte er fest, „die Firma über eine Stiftung, die Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp sein soll, in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln“. Mit seinem Tod am 30. Juli 1967 ging sein gesamtes Vermögen auf die von ihm errichtete Stiftung über. Die Alfried- Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung verwendet die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge ausschließlich und unmittelbar für gemeinnützige Zwecke.

 

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