09.04.2018 | Von Die Stiftung

Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz: Verdacht der Unterschlagung

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz steht im Verdacht der Unterschlagung, er soll Fördergelder an sich selbst und Verwandte überwiesen haben. Die Stiftung stand davor schon in Kritik, unsauber zu wirtschaften und Ämter zu verquicken.

Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Bei der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz wurde in den letzten Jahren öfters in die eigene Tasche gewirtschaftet. Foto: Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz steht erneut in der Kritik, unsauber gewirtschaftet zu haben. Letzten Sommer kritisierten die Rechnungsprüfer einen zu teuren Dienstwagen des Präsidenten, dessen Geburtstagsparty auf Stiftungskosten, Mitarbeiter-Events sowie fehlende Bescheide bei Fördergeldern für die Kultur. Nun steht sie unter dem schwerwiegenden Verdacht einer Unterschlagung: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte gegenüber dem NDR 1 Niedersachsen, dass Ermittlungen gegen einen ehemaligen Beschäftigten der Stiftung laufen.

100.000 Euro Schaden für Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz

Der Stiftungsmitarbeiter soll sich NDR-Recherchen zufolge über die Zugangsdaten von Kollegen in das Computersystem der Stiftung eingeloggt haben und Fördergelder auf seine eigenen Konten und jene von Verwandten überwiesen haben. Der Stiftung sei ein Schaden von rund 100.000 Euro entstanden, so der NDR. Das Geld wäre für kirchliche, soziale und kulturelle Projekte im Braunschweiger Land bestimmt gewesen.

Aufmerksam geworden auf die ungewöhnlichen Transaktionen und den Stiftungsmitarbeiter sei das Wissenschaftsministerium im vergangenen Jahr bei eigenen internen Kontrollen. Das Ministerium erstattete daraufhin Anzeige gegen den – nun ehemaligen – Mitarbeiter.

Laxe Kontrollpraxis

Auf die Rüge des Landesrechnungshofs von letztem Sommer folgte zuletzt Mitte Februar dieses Jahres der Vorwurf, dass Verwendungsnachweise und Förderbescheide fehlen. „Die Rechnungsprüfer halten die Kulturförderung der Stiftung in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro für fragwürdig, teils sogar für rechtswidrig“, so der NDR. Ob die gerügte laxe Kontrollpraxis der Stiftung das mögliche Unterschlagen erleichtert habe, sei jedoch unklar. Der NDR vermutete jedoch schon im Februar, dass das Ministerium seit Jahren über die Geschäftspraktiken der Stiftung informiert sei. Denn im Stiftungsrat  sitzt die Abteilungsleiterin Kultur des Wissenschaftsministeriums. Zudem gibt es Ämterverquickungen: „Warum nicht aufgefallen ist, dass der langjährige Stiftungspräsident und frühere Braunschweiger Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) und der amtierende Stiftungsdirektor Tobias Henkel gleichzeitig auch in führenden Funktionen bei den Vereinen waren, die vom Geld der Stiftung profitiert haben, ist unklar“, so der NDR.

Das Ziel der Stiftung

Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz fördert und bewahrt die kulturellen und historischen Belange des ehemaligen Landes Braunschweig. Mit den Erträgnissen aus dem Teilvermögen Braunschweigischer Vereinigter Kloster- und Studienfonds unterstützt die Stiftung kirchliche, kulturelle und soziale Projekte. In den Genuss der Zuwendungen aus dem Teilvermögen Braunschweig-Stiftung kommen die Technische Universität, das Braunschweigische Landesmuseum und das Staatstheater Braunschweig. Für das Land Niedersachsen hat die Stiftung darüber hinaus die Organisation der regionalen Kulturförderung übernommen.

Internetauftritt der Stiftung: www.sbk-bs.de
Update vom 10.01.2019: „Rechnungsprüfer halten die Kulturförderung der Stiftung in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro für fragwürdig, teils sogar für rechtswidrig“

Artikel teilen