10.08.2018 | Von Die Stiftung

Seehofer zieht Schirmherrschaft für Nachbarschaftspreis zurück

Horst Seehofer hat die Schirmherrschaft für den Nachbarschaftspreis der nebenan.de-Stiftung zurückgezogen. Deren Geschäftsführer habe sich ihm gegenüber despektierlich geäußert. Zuvor hatten drei Initiativen auf Grund der Schirmherrschaft Seehofers ihre Nominierung abgelehnt.

Seehofer
Die nebenan.de Stiftung will das nachbarschaftliche Engagement in Deutschland fördern. Foto: Screenshot nebenan.de

Horst Seehofer wird künftig nicht mehr als Schirmherr für den Nachbarschaftspreis der nebenan.de-Stiftung zur Verfügung stehen. In einem Brief an Geschäftsführer Michael Vollmann erklärt er dies damit, dass dieser sich despektierlich geäußert habe. Zuvor hatten drei Initiativen auf Grund der Schirmherrschaft Seehofers ihre Nominierung für den Nachbarschaftspreis abgelehnt.

Drei Vereine lehnen Nominierung wegen Seehofer ab

Der Berliner Verein „Moabit hilft“, der Kölner „wielebenwir“ und die „Ostwache Leipzig“ hatten eine Nominierung für den Nachbarschaftspreis der nebenan.de-Stiftung abgelehnt. Mit dem Preis will die Stiftung Projekte auszeichnen, die zu einem guten Miteinander beitragen. Der Verein „wielebenwir“ erklärt auf seiner Internetseite, Seehofer stehe hingegen „für eine Politik, die die Gesellschaft spaltet, die auf Abschottung setzt und die Menschen in Not Hilfe verweigert“. Man wolle an der Vergabe des Preises unter Seehofers Schirmherrschaft nicht beteiligt sein.

Seehofer kritisiert den Geschäftsführer der nebenan.de-Stiftung

Seinen Rückzug von der Schirmherrschaft erklärte Seehofer in einem Brief an den Geschäftsführer der nebenan.de-Stiftung, Michael Vollmann, der in Auszügen auf dem Twitter-Account des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat veröffentlicht wurde. In diesem beschuldigt Seehofer Vollmann, sich „im Zusammenhang mit dem Rücktritt zweier nominierter Preisbewerber gegenüber den Kollegen in der Bundesjury und den Medien […] diskreditierend“ geäußert und ihm „Toleranz, Mitmenschlichkeit und Offenheit“ abgesprochen zu haben.

Reaktionen auf den Rückzug Seehofers

Der Berliner Verein „Moabit hilft“ begrüßt auf seiner Website den Rücktritt Seehofers von seiner Schirmherrschaft. Vollmann zeigte sich laut F.A.Z. enttäuscht über die Entscheidung Seehofers: „Den Rückzug Horst Seehofers halten wir für ein bedauernswertes Signal an die Zivilgesellschaft.“ Die Stiftung habe mit der Verleihung des Preises „den Raum für Dialog zwischen den engagierten nominierten Initiativen und dem Schirmherrn aufgemacht. Diesen Raum nun nicht zu betreten, nehmen wir mit Enttäuschung zur Kenntnis“. Zu den Vorwürfen Seehofers äußerte Vollmann sich nicht.

Unlängst gab es eine ähnliche Kontroverse, als Friedrich Merz den Ludwig-Erhard-Preis ablehnte.

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