Zahlreiche andere Stiftungen untermauerten in der Folge des Kongresses deutlich die steigende Bedeutung dieser Art des Engagements und dessen Wirkungspotenzial. Dabei traten etwa niederländische Organisationen prominent in Erscheinung: Die Direktorin der bezüglich des Kapitalstocks eher kleinen Stichting Democratie en Media berichtete in der Session Financial Innovation in the Foundation World, dass sie systematisch 20% der Stiftungserträge mittels Venture Philanthropy investiere. Und ein Vertreter der Stichting DOEN verblüffte die Zuhörer mit der Angabe, dass die erst in den 1990er Jahren gegründete Stiftung aktuell über rund 80 direkte Impact Investments verfügt – in einem Gesamtvolumen von 150 Mio. EUR. Angesichts solcher Entwicklungen scheint es folgerichtig, dass sich in Großbritannien mit der Access Foundation for Social Investment kürzlich eine ganz spezielle Stiftung konstituiert hat, die ebenfalls bei der EVPA-Konferenz ihren Ansatz vorstellte: Ihr einziger Zweck besteht darin, andere und vor allem kleinere Charities effizient mit Investment-Kapital zu versorgen.

Durch alle Darstellungen zog sich allerdings wie ein roter Faden auch die Feststellung, dass Stiftungen sich im Bereich Venture Philanthropy keinesfalls ausschließlich und auch nicht überwiegend mit eigenem Kapital engagieren müssen. So wies etwa Markus Hipp, geschäftsführender Vorstand der BMW Stiftung Herbert Quandt, eindrücklich darauf hin, dass koordinierendes Networking oder auch die Vermittlung von Kompetenzträgern wie professionellen Intermediären ganz entscheidende Stiftungsbeiträge sein können zur Beförderung sozialer Investments. „Der rein geldzentrierte Habitus vieler Stiftungen ist nicht sehr produktiv“, ergänzte er und machte somit deutlich, dass geringe Finanzkraft kein treffendes Argument für Stiftungen ist, um Venture-Philanthropy-Ansätze zu ignorieren.
Umso erstaunlicher: Hipp war der einzige Vertreter einer Stiftung aus dem DACH-Raum unter den rund 90 Referenten der verschiedenen Podiumsdiskussionen. Und unter allen 510 Teilnehmern fanden sich ebenfalls nur wenige weitere deutschsprachige Stiftungen. Einige der großen Akteure waren freilich vertreten: Man traf die Siemens Stiftung, die Eberhard von Kuenheim Stiftung, die Bertelsmann Stiftung, die Vodafone Stiftung, die Jacobs Foundation aus der Schweiz und auch die zweitgrößte deutsche Privatstiftung, die Robert Bosch Stiftung. Deren Geschäftsführer Professor Dr. Joachim Rogall formulierte am Rande der Konferenz deutlich die Absicht auch seiner Organisation, sich systematisch in den Bereich Venture Philanthropy hineinzubewegen. Doch er konstatierte auch: „Es gibt bei vielen deutschsprachigen Stiftungen noch keine Aufbruchstimmung diesbezüglich“.

Während der EVPA-Veranstaltung wurde nun sehr deutlich: Es ist Zeit, dass sich dies ändert. In vielen Regionen der Welt herrscht diese Aufbruchstimmung bereits, ganz ähnlich wie beim diesjährigen Kongress. Wirkungsorientiertes Investieren ist längst viel mehr als nur ein Trend. Für Akteure mit echtem Interesse an gesellschaftlicher Veränderung ist nun der Zeitpunkt, im Thema Venture Philanthropy von der abwartenden Beobachtung zur Umsetzung zu schreiten, so der von vielen Teilnehmern mit Kopfnicken quittierte Tenor des Schlussvortrags von Robynn Steffen (Omidyar Network).
Die Konferenz selbst hat sich in Madrid einmal mehr als erkenntnisreiche, äußerst interaktive und motivierende „Werkstatt“ für die wirkungsorientierte Beförderung gesellschaftlicher Anliegen erwiesen – auch dank einiger ungewöhnlicher Formate wie der neu ins Konferenzprogramm aufgenommenen „Speed-Datings“ oder der weiterentwickelten „Pitching-Sessions“. Insofern bleibt dringend zu wünschen, dass in Zukunft mehr Stiftungen der DACH-Region bei dieser Veranstaltung teilnehmen und mitwirken. Die nächste Gelegenheit dazu bietet die 12. EVPA-Jahreskonferenz im kommenden Jahr in Paris, deren genaues Datum allerdings noch nicht feststeht.
