Der Schweizer Stiftungssektor befindet sich weiterhin im Wandel. Im Jahr 2024 lösten die Behörden insgesamt 268 gemeinnützige Stiftungen auf, während sie 298 neue Stiftungen gründeten, wie der Schweizer Stiftungsreport 2025 zeigt. Daraus ergibt sich ein Nettowachstum von 30 Stiftungen. Zusätzlich verzeichnet das Handelsregister 188 weitere Stiftungen mit dem Zusatz „in Liquidation“ – dies sei wieder ein neuer Rekordwert.
Alternativen gewinnen an Bedeutung
In den letzten Jahren hätten immer mehr Stiftungen aufgelöst werden müssen. Zumeist, weil ihr Vermögen für die Erfüllung des gemeinnützigen Zwecks nicht mehr ausreiche. „Zwar ist die Anzahl der Neugründungen immer noch höher, aber das Augenmerk richtet sich inzwischen auch auf Alternativen zur eigenständigen Stiftung wie Dachstiftungen oder Social Investing“, heißt es im Report.
Bei den Neugründungen belege der Kanton Zürich mit 44 neuen Stiftungen den ersten Platz. Dicht dahinter folgen Genf (43) und Zug (42). Gleichzeitig verzeichneten Zürich (-47) und Genf (-42) die meisten Auflösungen, sodass sich am Gesamtbestand in diesen Kantonen kaum etwas verändere. Zug (+21), Tessin (+17) und Graubünden (+10) wiesen hingegen ein klares Nettowachstum auf.
Insgesamt gibt es laut der Studie, die der Verband der Schweizer Förderstiftungen, Swiss Foundations, gemeinsam mit dem Zentrum für Stiftungsrecht der Universität Zürich und dem Center for Philanthropy Studies herausgegeben hat, in der Schweiz nun 12.722 gemeinnützige Stiftungen. Fast die Hälfte (49,1 Prozent) ließe sich als Förderstiftungen einordnen, die zusammen jährlich mindestens sechs Milliarden Franken für gemeinnützige Zwecke einsetzten. Frühere Schätzungen seien noch von rund drei Milliarden Franken ausgegangen, basierend auf Daten aus dem Jahr 2002. Durch aktuelle Zahlen werde erstmals eine präzisere Hochrechnung ermöglicht. Die Analyse zeigt, dass die tatsächliche Fördersumme vermutlich doppelt so hoch liegt wie bislang angenommen. Förderstiftungen nehmen also eine deutlich größere Rolle ein als bisher gedacht.
Rechtlich geht es voran
Auch die rechtlichen Entwicklungen im Jahr 2024 bewertet die Studie positiv. Besonders hebt sie hervor, dass das Parlament eine Motion zur Liberalisierung der Familienstiftungen angenommen hat, der Kanton Zürich die Praxis zur Steuerbefreiung gemeinnütziger Organisationen angepasst hat und der Ständerat Stiftungen vom Transparenzregister ausnehmen möchte.
Tim Goldau ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Studium der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Literatur, Kultur, Medien an den Universitäten Marburg und Siegen arbeitete er in der Redaktion eines Außenhandelsverlags.

