Die Spendeneinnahmen in Deutschland entwickelten sich 2024 insgesamt recht stabil. Laut der „Bilanz des Helfens“, die YouGov im Auftrag des Deutschen Spendenrats erstellt hat, belief sich das gesamte Spendenvolumen auf etwa 5,1 Milliarden Euro. Das entspricht rund 100 Millionen Euro oder zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings kommt eine andere Bilanz zu einem abweichenden Ergebnis: Nach Angaben des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) spendeten die Deutschen im vergangenen Jahr weniger Geld. Sie gaben 12,5 Milliarden Euro und damit 2,1 Prozent beziehungsweise 300 Millionen Euro weniger als 2023 für gute Zwecke.
Der Unterschied zwischen dem vom DZI berechneten Spendenvolumen und der Spendensumme, die in der Bilanz des Helfens veröffentlicht wurde, erklärt sich laut DZI vor allem dadurch, dass die Bilanz des Spendenrats nur Spenden bis zu 2.500 Euro pro Jahr erfasst. Das vom DZI genutzte Sozio-oekonomische Panel (SOEP) berücksichtigt hingegen Spendengrößen von bis zu 30.000 Euro pro Jahr. In die SOEP-Berechnung seien unter anderem rund 1.700 Hochvermögende mit Nettovermögen bis 250 Millionen Euro einbezogen.
Der Deutsche Spendenrat berichtet, dass die durchschnittliche Spende 43 Euro betrug – knapp drei Euro mehr als im Vorjahr. Spender gaben weiterhin etwas mehr als siebenmal pro Jahr Geld. Im Jahr 2024 spendeten insgesamt 16,7 Millionen Menschen, das sind 300.000 weniger als 2023. Die Spenderreichweite – also der Anteil der Bevölkerung, der mindestens einmal im Jahr spendet – lag bei 25 Prozent und fällt damit weiter. Zum Vergleich: 2005 lag dieser Wert noch bei 51 Prozent. Insgesamt spenden heute also weniger Menschen, diese dafür jedoch größere Beträge.
Spenden höher als verfügbares Einkommen
Nach Angaben des DZI lagen die Geldspenden auch weiterhin über dem verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte. Im vergangenen Jahr erreichten die Spenden 150 Punkte, während das verfügbare Einkommen nur bei 120 Punkten lag. Diese Entwicklung zeigt sich bereits seit 2010, zuvor schwankte das Verhältnis stärker.
Als die wichtigste Spendenbarriere der Nichtspender nennt der Deutsche Spendenrat mit 55 Prozent Zweifel an der Transparenz und Effektivität von Wohltätigkeitsorganisationen. 42 Prozent der Befragten gaben demnach zu wenige finanzielle Mittel als Grund an. An dritter Stelle mit jeweils 24 Prozent folgt die Ansicht, dass es generell zu viele Spendenanfragen gibt und Zweifel daran, ob Spenden tatsächlich etwas bewirken.
Die Spendeneinnahmen sind 2024 in der Not- und Katastrophenhilfe weiter gesunken – um 22 Prozent von 929 Millionen auf 725 Millionen Euro. Damit liegen sie jedoch immer noch höher als im Jahr 2019. Kirchliche Organisationen haben im gleichen Zeitraum einen Zuwachs verzeichnen können: Ihre Spendeneinnahmen sind um 18 Prozent von 763 Millionen auf 901 Millionen Euro gestiegen. Den größten Spendenzuwachs verzeichnete die Kultur- und Denkmalpflege, von 8,4 auf 13,7 Millionen Euro.
NRW weiterhin Spitzenreiter
Insgesamt unterstützten Spender regionale Projekte (34 Prozent) und nationale Projekte (22 Prozent) weiterhin stärker als internationale Hilfsmaßnahmen, auf die 44 Prozent der Spenden entfallen sind. Dabei bleibt Nordrhein-Westfalen, das mit Abstand bevölkerungsreichste Bundesland, mit 1,08 Milliarden Euro das Bundesland mit den höchsten Spendeneinnahmen. Bayern folgt auf dem zweiten Platz mit 1,02 Milliarden Euro und verzeichnet einen Anstieg um 22 Prozent. Einen Anstieg um 25 Prozent gab es in Niedersachsen auf 456 Millionen Euro. In den ostdeutschen Bundesländern ist das Spendenaufkommen dagegen um etwa acht Prozent auf 643 Millionen Euro zurückgegangen. Am stärksten war der Rückgang allerdings in Hessen, um 16 Prozent auf 413 Millionen Euro.
Die Erhebung des Deutschen Spendenrats zeigt: Nach wie vor stammt der größte Teil der Spenden von der Generation 60 plus. Ihr Anteil am gesamten Spendenvolumen liegt 2024 bei 60 Prozent – das ist ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Dabei gingen die Spendeneinnahmen in der Altersgruppe 60 bis 69 Jahre um sieben Prozent zurück, bei der Altersgruppe 70 plus stieg sie hingegen um vier Prozent. Den stärksten Zuwachs gab es in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen. Hier ist die Spendenbereitschaft das dritte Jahr in Folge gestiegen, im vergangenen Jahr sogar um 27 Prozent. Die Zahlen des DZI zeigen ein ähnliches Bild.
Auch 2024 zeigt sich laut dem DZI im Spendenverhalten weiterhin eine Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Nach einer weiteren Umfrage des Instituts spendete die Bevölkerung in Deutschland 2024 rund 55 Millionen Euro für die Ukraine-Nothilfe, nach 73 Millionen Euro im Jahr 2023 und rund einer Milliarde Euro 2022 – die höchste katastrophenbezogene Spendensumme, die es in Deutschland bisher gegeben hat. Außer dem Ukraine-Krieg gab es im letzten Jahr nach Angaben des Instituts keine Katastrophe, für die in größerem Umfang gespendet wurde.
Katastrophen bringen Geld ein
Auch in früheren Jahren haben außergewöhnliche Katastrophen zu hohen Spendensummen in Deutschland geführt. Nach dem Tsunami in Südostasien im Jahr 2004 spendeten die Menschen nach Angaben des DZI 670 Millionen Euro. Das Hochwasser in Deutschland 2021 löste Spendeneinnahmen in Höhe von 655 Millionen Euro aus. Nach dem Hochwasser 2002 kamen 350 Millionen Euro zusammen.
„Das Spendenvolumen bleibt trotz des schwierigen wirtschaftlichen und politischen Umfelds weiterhin auf einem sehr hohen Niveau“, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des DZI, in der Pressemitteilung des Instituts. Die Gesamtspendensumme sei genau um den Betrag gesunken, den die Menschen 2023 für die Erdbebenhilfe in der Türkei und Syrien gespendet hätten.
International betrachtet ist Indonesien mit einer Spenderquote von 90 Prozent das spendenfreudigste Land. Dies geht aus dem World Giving Index 2024 der britischen Charities Aid Foundation hervor. Auf Platz zwei folgt Myanmar mit 78 Prozent. Hohe Spenderquoten haben auch Großbritannien und die Ukraine (je 67 Prozent), Irland und Norwegen (je 65) oder die Niederlande (64) und Österreich (62). Deutschland liegt mit 52 Prozent auf ähnlichem Niveau wie Dänemark (51), Israel (54) oder Schweden (56).
Tim Goldau ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Studium der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Literatur, Kultur, Medien an den Universitäten Marburg und Siegen arbeitete er in der Redaktion eines Außenhandelsverlags.

