Seit 100 Jahren befindet sich auf Juist ein Seeferienheim. In der Vergangenheit diente es bis zu 300 Kindern und Jugendlichen als Unterkunft, die auf der Nordseeinsel an Jugendfreizeiten, Gruppenreisen oder Bildungsaufenthalten teilnahmen.
Mit der Entscheidung des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund, sich aus dem Bereich der Jugend- und Freizeitreisen zurückzuziehen, endete der langjährige kirchliche Betrieb des Hauses. Die Inselgemeinde Juist übernahm die Verantwortung für den Erhalt der Anlage und machte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. Nach der Übernahme soll das traditionsreiche Gebäude nun zukunftsfähig gestaltet werden.
Daher sucht sie einen gemeinwohlorientierten Pächter und hat ein Interessenbekundungsverfahren gestartet. Der Gebäudekomplex darf auch in Zukunft nur für soziale Zwecke genutzt werden. Das Seeferienheim auf halber Strecke zwischen Ortsmitte und dem Ortsteil Loog soll weiterhin eine Anlaufstelle für Urlaubs- und Bildungszwecke sein, die ganzjährig generationsübergreifend Gäste anspricht.
Unterschiedliche Nutzungsszenarien
Bei der Nutzung zeigt sich die Gemeinde flexibel. Neben einer klassischen Beherbergung von Kindern und Jugendlichen wären auch alternative gemeinwohlorientierte Nutzungsansätze denkbar, etwa Mutter-Kind-Kureinrichtungen sowie Gesundheits-, Familien- oder Kulturbildungszentren.
Vom nächsten Pächter wünscht sich die Gemeinde im Haus selbst Bildungsangebote mit sozialem Fokus sowie eine Vollverpflegung für die Gäste – und gerne auch eine Catering-Möglichkeit für Gäste von außen. Der neue Pächter erhält einen (Erbbau-)Pachtvertrag mit einer langen Laufzeit von 25 Jahren, der öffentliche Zuschüsse erleichtert. Auch eine Umsatzpacht ist denkbar.
Zwei Unterkunftsgebäude, aktualisierte Technik

Das Grundstück verfügt über eine Fläche von rund 8.000 Quadratmetern. Es besitzt einen eigenen Spielplatz und eigenen Strandzugang. Auf dem Gelände befinden sich zwei Gebäude, die als Unterkunft dienen: Das „Dellerthaus“ dient mit über 138 Betten vor allem als Unterbringung für Kinder und Jugendliche. Das „Dünenhaus“ verfügt über 39 Betten und dient primär als Unterbringung für Erwachsene. Beide Häuser bieten auch barrierefreie Unterkunftsmöglichkeiten.
Insgesamt können damit bis zu 177 Gäste im Seeferienheim eine Bleibe finden. Ebenfalls vorhanden ist ein Wirtschaftsbereich mit einem großen und einem kleinen Speisesaal, moderner Groß- und Spülküche, mehreren Kühl- und Tiefkühlzellen und Personalwohnraum. Ein Großteil der Technik wurde in den vergangenen zehn Jahren auf den neuesten Stand gebracht.
Autofrei zwischen Borkum und Norderney
Juist ist eine der sieben ostfriesischen Nordseeinseln vor der Küste Niedersachsens. Sie befindet sich mitten im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Juist ist autofrei und gezeitenabhängig. Daher ist die Anreise mit der Inselfähre innerhalb von circa 90 Minuten vom Hafen Norden-Norddeich aus in der Regel nur einmal am Tag möglich. Der Hafen Norden-Norddeich ist direkt an das Schienennetz der Deutschen Bahn angebunden. Pferdekutschen und Lastenfahrräder bringen sowohl Waren als auch Menschen auf der Insel von A nach B.
Info
Die Gemeinde Juist hat die Bewerbungsfrist um einen Monat bis zum 31. August 2025 verlängert. Interessenten können sich per Post an die Gemeinde wenden: Inselgemeinde Juist, Strandstraße 5, 26571 Juist, oder per E-Mail an bauverwaltung@juist.de. Die Bewerbungsunterlagen sollten ein Konzept für den ganzjährigen Betrieb, eine Kurzvorstellung der möglichen Pächter und ein Businesskonzept mit Liquiditätsschau enthalten. Auch Aussagen zu Investitionen und Profilbildung sowie ein Grobkonzept mit Aussagen zu Personal, Gästeklientel und wirtschaftlichen Eckdaten werden gewünscht. Weitere Informationen zum Interessenbekundungsverfahren finden Sie unter: https://oc.gemeinde-juist.de/oeffentliche-bekanntmachungen-2/
