Die deutsche Stiftung: Hüterin und Schutzpatronin von fortlaufendem gesellschaftlichem Erbe, gestärkt durch für die Ewigkeit bestimmende Statuten. Einer Monarchin gleich entscheidet ihr Dasein über Erhaltenswertes oder Nötiges. Auch den Gesetzen des Materiellen unterlegen, erlebt sie immer dann eine Blütezeit, wenn es die wirtschaftliche Situation ihres Umfeldes zulässt. So formten sich Stiftungen und die Gesellschaft stets gegenseitig.
Auch eine Stadt wie München profitiert von den vielen Mäzenen, die ihr Vermögen einer Stiftung widmen um besondere kulturelle, wissenschaftliche oder soziale Einrichtungen ins Leben zu rufen zu fördern oder zu erhalten.
von Giulia Roggenkamp
Begleiten Sie mich auf einen kleinen Streifzug durch München und lassen Sie uns ein Licht auf all diejenigen Ecken und Winkel werfen, die ohne das Zutun einer Stiftung vielleicht nur inhaltsloses Gemäuer oder gar nicht vorhanden wären.
Beginnen wir mit der Basis, heißt hier: dem Münchner Bier. Ohne die gemeinnützige Edith Haberland Wagner Stiftung, die 51% Anteile an der ältesten Brauerei Münchens hält, müsste die Hauptstadt des Bieres auf Dinge, wie die sanierte alte Kongresshalle, das Bier- und Oktoberfest Museum, den restaurierten alten Peter oder den Tierpark Hellabrunn in seiner jetzigen Form verzichten. Denn ohne die Weitsicht ihrer Stifterin wäre auch die Brauerei längst nicht mehr in privater heimischer Hand und sicherlich niemals eine weltweit bekannte Marke geworden – und das ohne internationalen Export.

Und wo wir schon beim Bier sind, so ist der Schritt zum größten Volksfest der Welt nicht weit. Während die Touristen der Welt auf dem zweiwöchigen Oktoberfest neben Bierrausch und Hendl auch die neuesten Fahrgeschäfte genießen, flieht der Münchner seit der 200-Jahrfeier mehr und mehr auf die traditionelle kleine Schwester, die Historische Wiesn. Hier kann er neben den Bierzelten, Schaustellerwägen und Traktoren auch die entschleunigten Fahrgeschäfte und Buden alter Zeit bestaunen und erleben. Dass diese nicht in Vergessenheit geraten sind, gesammelt, gepflegt und verwahrt werden, ist der Schausteller Stiftung zu verdanken.
Aber München besteht bekanntlich nicht nur aus Bier und dem Oktoberfest, allen Klischees zum Trotz, sondern ist ein angesehener Standort für Kunst, Kultur und Technik in schier unzähligen Museen und Bauwerken.
Viele von ihnen wären uns nicht erhalten geblieben oder auch nie entstanden, wäre der Gründer nicht Stifter geworden. Dadurch, dass er bereits zu Lebzeiten oder erst von Todes wegen seinen privaten Kunstbesitz und/oder sein Vermögen einer gemeinnützigen Stiftung vermacht hat, wurden viele Schätze für die Öffentlichkeit zugänglich.
Hierunter fällt z.B. die Stiftung Brandhorst, welche nicht nur das gleichnamige Museum erbaute, sondern es auch mit Inhalt füllte. Das Stifterehepaar Udo und Anette Brandhorst schenkte der Öffentlichkeit damit eine Sammlung wegweisender Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Auch die Villa Stuck, das Münchner Künstlerhaus, das Kallmann Museum und das Kartoffelmuseum fallen unter diese Kategorie.
