Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung: Reformerin übergibt Vorstandsvorsitz 

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Andreas Urs Sommer übernimmt zum 1. März 2026 den Vorstandsvorsitz der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung in München. Der Studiendekan der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg folgt auf Isabel Pfeiffer-Poensgen, die die Stiftung seit Oktober 2023 geleitet und einen Reformprozess angestoßen hat.

Eklat und Reformbeginn

Die frühere Kultur- und Wissenschaftsministerin Nordrhein-Westfalens hatte ihr Amt angetreten, nachdem die Stiftung durch die Trennung von ihrem Vorgänger und Geschäftsführer Marcel Lepper im Frühjahr 2023 für Schlagzeilen gesorgt hatte. Es folgte ausführliche mediale Berichterstattung über problematische Governance-Strukturen, mangelnde Transparenz und fehlende Aufarbeitung der Stiftungsgeschichte, vor allem unter der Leitung des neurechten Vordenkers Armin Mohler, der sie bis 1985 führte und an den Philosophen Heinrich Meier übergab, auf den der Germanist Lepper folgte. Die Zeit bis 1985 ist inzwischen Gegenstand eines Projekts am Institut für Zeitgeschichte in München.

Die heute 71-Jährige hat grundlegende Veränderungen in der Stiftung angestoßen. Der ehrenamtliche Vorstand beschloss in ihrer Zeit seine Auflösung, die Leitung liegt heute bei einem zweiköpfigen hauptamtlichen geschäftsführenden Vorstand, zu dem im Mai 2025 Stefan Fritz hinzustieß. Auch das Aufsichtsgremium hat Veränderungen erfahren. Das verjüngte Gremium umfasst erstmals auch weibliche Mitglieder. Zuständigkeiten und Abläufe wurden einer Professionalisierung unterzogen.

Ihr sei es wichtig gewesen, dass sich die Stiftung stärker auf ihre Fördertätigkeit und ihr wissenschaftliches Programm konzentrieren könne, so die Reformerin laut Pressemitteilung, „Hier sind wir einen großen Schritt vorangekommen, ohne dabei die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit außer Acht zu lassen.“ Sommer nennt seine künftige Wirkungsstätte einen herausragenden Ort der Förderung von Wissenschaft und von Forscherpersönlichkeiten; die künftige Mitgestaltung der Geschicke der Stiftung erfülle ihn „mit Freude und Demut“. Der 53-Jährige ist Professor für Philosophie mit Schwerpunkt Kulturphilosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er seit 2024 auch als Studiendekan der Philosophischen Fakultät wirkt. Der in der Schweiz geborene Geisteswissenschaftler wurde 1998 an der Universität Basel in Philosophie promoviert und habilitierte sich 2004 an der Universität Greifswald, bevor ihn verschiedene akademische Stationen ins In- und Ausland führten.

„Strukturell und programmatisch weiterentwickelt“

Ernst Osterkamp, seit 2010 Mitglied des Stiftungsrats und inzwischen Vorsitzender des Aufsichtsgremiums, hebt hervor, die Stiftung habe sich in den vergangenen zwei Jahren strukturell und programmatisch weiterentwickelt. Mit Sommer gewinne man einen „hervorragenden Wissenschaftler“, um den gemeinsam mit Pfeiffer-Poensgen eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Die Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung ist eine gemeinnützige Einrichtung zur Förderung der Wissenschaften. Sie wurde 1958 auf Initiative von Ernst von Siemens gegründet, der sie nach seinem Vater benannte. Gemäß Satzung bezweckt sie insbesondere die Förderung des wissenschaftlichen, technischen und künstlerischen Nachwuchses, die Unterstützung wissenschaftlicher Forschung und die Pflege des Gedankenaustauschs zwischen Wissenschaft und Praxis, unter anderem durch Vortragsveranstaltungen und ein Fellowship-Programm für herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. In die Öffentlichkeit wirkt sie mit regelmäßigen Vortragsveranstaltungen mit namhaften Wissenschaftlern. Die Höhe ihres Vermögens ist weiterhin nicht öffentlich. Medienberichte sprechen von rund 600 Millionen Euro.