Bill Gates hat die Weichen für das Ende der aktuell größten privaten Stiftung gestellt. Die Gates Foundation, seit über 25 Jahren im Bereich der globalen Gesundheitsförderung, Armutsbekämpfung und Bildungsinitiativen tätig, soll am 31. Dezember 2045 ihre Arbeit einstellen. Bis dahin will der Mitgründer von Microsoft und aktuell fünftreichste Mensch der Welt nahezu sein gesamtes Vermögen – rund 200 Milliarden US-Dollar – für gemeinnützige Zwecke einsetzen.
Bill Gates und seine damalige Ehefrau Melinda French Gates gründeten die Stiftung 1999 in Seattle unter dem Namen Bill & Melinda Gates Foundation. Im Januar 2025 benannten sie die Organisation in Gates Foundation um, Melinda Gates verließ den Vorstand zuvor im Jahr 2024. Schon 1994 hatte Bill Gates die nach seinem Vater benannte William H. Gates Foundation ins Leben gerufen. Diese Stiftung fassten Bill und Melinda 1999 mit der ebenfalls von ihnen gegründeten Gates Learning Foundation zur Bill & Melinda Gates Foundation zusammen. Ziel der Gates Foundation war und ist es, globale Ungleichheiten zu verringern, insbesondere durch Investitionen in Gesundheit, Bildung und Armutsbekämpfung. Mit einem Stiftungsvermögen von zuletzt rund 75 Milliarden Dollar und mehr als 2.000 Mitarbeitenden zählt sie zu den einflussreichsten Akteuren der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.
Milliarden für Impfstoffe
Zu den wichtigsten Projekten der Stiftung gehören die Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Polio, Malaria und Masern, die Entwicklung und Bereitstellung von Impfstoffen gegen Krankheiten wie AIDS, Tuberkulose, Diphtherie und Gelbfieber sowie die Unterstützung von Impfprogrammen in Indien und Afrika. Die Stiftung ist maßgeblich an der Finanzierung und Steuerung der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) beteiligt. Sie hat in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge in die Forschung und Produktion von Impfstoffen investiert, zuletzt auch gegen COVID-19. Ein weiteres zentrales Projekt ist die Entwicklung von resistentem Saatgut und innovativen Technologien, um die Ernährungssicherheit und die Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern zu stärken.
Im Bildungsbereich konzentriert sich die Gates Foundation auf die Förderung von Schülern aus benachteiligten Familien in den USA, die Unterstützung von Charter Schools und die Fortbildung von Lehrkräften. Programme wie die „Networks for School Improvements“ und Stipendien für US-Schüler sollen die Bildungschancen insbesondere für Minderheiten verbessern.
Gates will nicht reich sterben
Ursprünglich war vorgesehen, die Stiftung erst Jahrzehnte nach dem Tod der Gründer auslaufen zu lassen. Nun hat Gates den Zeitplan deutlich vorgezogen. „Es gibt zu viele dringende Probleme, die gelöst werden müssen, als dass ich Ressourcen zurückhalten könnte, mit denen ich den Menschen helfen könnte“, begründet er die Entscheidung in einem Blogbeitrag. „Die Menschen werden vieles über mich sagen, wenn ich sterbe, aber ich bin entschlossen, dass ‚er starb reich‘ nicht dazugehört.“
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die US-Regierung unter der Trump-Administration massive Kürzungen bei der Entwicklungshilfe und die Schließung der US-Behörde USAID beschlossen hat. Bill Gates äußerte sich dazu in mehreren Interviews kritisch gegenüber Elon Musk. Der Tesla-Geschäftsführer leitete bislang das sogenannte Department of Government Efficiency – Doge –, das Donald Trump zu Ausgabenkürzungen berät. Es steht neben der Schließung von USAID unter anderem auch hinter rund 120.000 vollzogenen oder geplanten Entlassungen bis April 2025. „Das Bild des reichsten Menschen der Welt, der das Leben der ärmsten Kinder gefährdet, ist beunruhigend“, sagte Gates der Financial Times. Er betonte, dass die von Musk beratenen Einsparungen bei USAID dazu führten, dass lebenswichtige Lebensmittel und Medikamente nicht mehr verteilt werden konnten und Krankheiten wie Masern, HIV und Polio wieder auf dem Vormarsch seien. Die Gates Foundation könne die entstandenen Lücken nicht vollständig ausgleichen, auch wenn sie es versuche.
Die Crespo Foundation in Frankfurt am Main hat ein Ablaufdatum – sie zählt zu den wenigen Verbrauchsstiftungen in Deutschland. Vorstand Dettloff Schwerdtfeger spricht im Podcast über die Herausforderungen, die aus dieser unüblichen Rechtsform erwachsen.
Die Folgen der USAID-Kürzungen sind weltweit spürbar. Rund 83 Prozent aller USAID-Programme werden eingestellt. Darunter sind zahlreiche Projekte zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria, Masern und zur medizinischen Notversorgung in Ländern des Globalen Südens. Besonders dramatisch ist der Einbruch der Finanzierung in Ländern wie Kenia. Dort haben Geldgeber die Mittel für HIV/AIDS-Programme von 846 Millionen Dollar auf einen Bruchteil gekürzt. Laut UNAIDS drohen ohne die US-Gelder weltweit Millionen zusätzliche Infektionen und Todesfälle, insbesondere unter HIV-Infizierten in Afrika, Osteuropa und Lateinamerika. Viele lokale NGOs mussten ihre Arbeit bereits einstellen. Impfkampagnen und Nahrungsmittelhilfen kommen zum Erliegen, und auch die Unterstützung für lokale Wirtschaft und Bildung ist massiv betroffen.
Die Leitung der Gates Foundation übernimmt ein internationales Board of Trustees. Dabei handelt es sich um ein Gremium, das die Verantwortung für die Leitung und Überwachung der Stiftung trägt. Ihm gehören neben Bill und Melinda French Gates auch Persönlichkeiten wie der eben erwähnte Warren Buffett, die Vorsitzende des Chicago Community Trust, Helene D. Gayle, und der Unternehmer und Philanthrop Ashish Dhawan an. CEO ist Mark Suzman. Die Stiftung unterhält neben dem Hauptsitz in Seattle Büros in neun Ländern.
Kritik an der Stiftung
Die Arbeitsweise der Stiftung gilt als unternehmerisch geprägt. Sie setzt auf groß angelegte Programme, Partnerschaften mit Regierungen und Unternehmen sowie auf eine datengestützte Erfolgskontrolle. Kritiker bemängeln jedoch, dass häufig eine kleine Gruppe die Entscheidungen trifft. Über viele Jahre bestand die Führung der Stiftung ausschließlich aus Bill und Melinda French Gates. Später ergänzte Warren Buffett die Stiftung. Gemeinsam mit Gates gründete er 2010 die Initiative The Giving Pledge. Diese lädt wohlhabende Menschen dazu ein, einen Großteil ihres Reichtums zu Lebzeiten zu spenden. Erst in den vergangenen Jahren wurde das Board um einige externe Mitglieder erweitert.
Auch der Einfluss der Stiftung auf mögliche Interessenkonflikte durch Beteiligungen an Unternehmen wurde wiederholt thematisiert. Kritisiert wurden unter anderem Investitionen, die den Stiftungszielen widersprechen könnten, wie etwa in die Pharma- oder die fossile Energiebranche.
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die starke Beteiligung der Gates Foundation an der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Stiftung ist nach den USA der zweitgrößte Geldgeber der WHO und finanziert rund zehn Prozent ihres Budgets. Viele Mittel werden zweckgebunden vergeben, was dazu führt, dass die Gates Foundation maßgeblich die Agenda und Prioritäten der Organisation mitbestimmt. Die Stiftung selbst hat im Zuge dieser Diskussion Staaten dazu aufgefordert, den eigenen Beitrag zu erhöhen, um die Relevanz der Gates Foundation zu verringern.
Tim Goldau ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Studium der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Literatur, Kultur, Medien an den Universitäten Marburg und Siegen arbeitete er in der Redaktion eines Außenhandelsverlags.

