Neuer Vorstoß im Streit um
Zeppelin-Stiftung

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Der jahrzehntelange Streit um die Zeppelin-Stiftung geht in eine neue Runde. Albrecht von Brandenstein-Zeppelin, Urenkel von Ferdinand Graf Zeppelin, hat gemeinsam mit seinem ältesten Sohn beim Regierungspräsidium Tübingen die Einsetzung eines Aufsichtsrats beantragt. Nach Angaben der Schwäbischen Zeitung will er damit erreichen, dass erstmals die Rechtmäßigkeit der Aufhebung der ursprünglichen Zeppelin-Stiftung im Jahr 1947 gerichtlich überprüft wird.​

Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Zeppelin-Stiftung, die von der Stadt Friedrichshafen getragen wird, finanziell unter Druck steht. Ihre wichtigste Einnahmequelle, die Dividenden des Autozulieferers ZF Friedrichshafen, bleibt aufgrund der Entschuldung des Konzerns auf absehbare Zeit aus. Nach Prognosen der Stadt könnten die Rücklagen der Stiftung bis 2028 aufgebraucht sein. Friedrichshafen müsste dann voraussichtlich mit rund 40 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt einspringen.

Juristisches Gutachten

Der Antrag zielt auf die damalige Entscheidung des Landes Württemberg-Hohenzollern, die alte Zeppelin-Stiftung aufzuheben und ihr Vermögen der Stadt Friedrichshafen zuzuweisen. Gestützt auf ein Gutachten des Hohenheimer Juristen Ulrich Palm hält Brandenstein-Zeppelin diesen Akt für nichtig und verweist auf Unverhältnismäßigkeit, Verstoß gegen das Willkürverbot und formale Fehler. Zugleich beruft er sich auf den historischen Stifterwillen, der einen Aufsichtsrat mit dauerhafter Familienbeteiligung vorsah.​

In den Aufsichtsrat wollen Albrecht von Brandenstein-Zeppelin und sein Sohn selbst einziehen. Zudem soll Luftfahrtunternehmer Conrado Dornier Mitglied werden, ein Enkel des Luftfahrtpioniers Claude Dornier, der ab 1910 zunächst für Graf Zeppelin arbeitete und später mit den Dornier-Werken bedeutende zivile und militärische Flugzeuge entwickelte. Brandenstein-Zeppelin verknüpft seinen Vorstoß mit den Plänen für ein Europäisches Kooperationszentrum Luftfahrtforschung in Friedrichshafen. Dieses soll mit Mitteln der Zeppelin-Stiftung nachhaltige Luftfahrttechnologien voranbringen und den Bodenseestandort erneut zu einem Zentrum der Luftfahrtinnovation machen.

Ende offen

Das aktuelle Vorhaben Brandenstein-Zeppelins folgt auf eine ganze Serie gescheiterter Verfahren der Zeppelin-Nachfahren gegen die Stadt. In denen bestätigten Verwaltungsgerichte und Zivilgerichte zuletzt immer wieder die Position Friedrichshafens und verneinten die Klagebefugnis der Familie. Wie das Regierungspräsidium Tübingen über den Antrag entscheidet, ist offen. Brandenstein-Zeppelin ist nach eigenen Angaben jedoch bereit, den Fall bis vor das Bundesverfassungsgericht zu tragen.

Tim Goldau ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Studium der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Literatur, Kultur, Medien an den Universitäten Marburg und Siegen arbeitete er in der Redaktion eines Außenhandelsverlags.