Mit „Frauen in deutschen Stiftungen“ untersucht der Bundesverband Deutscher Stiftungen die Verteilung der Geschlechter in gemeinnützigen Organisationen insgesamt und in Führungspositionen. Die Analyse basiert auf dem Stiftungspanel aus dem ersten Quartal 2023, das auf die Informationen von 242 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts zu deren Beschäftigten zurückgreifen konnte.
Verhältnis zwei zu eins
Die Auswertung zeigt: Operativ sind Stiftungen im Schnitt eher weiblich, in Führungsgremien deutlich männlich geprägt. Demnach liegt der durchschnittliche Frauenanteil unter den Ehrenamtlichen in Stiftungen bei 55 Prozent – in Vorstands- oder Geschäftsführungspositionen machen Frauen allerdings im Schnitt 30 Prozent, im Median 33 Prozent aus. Das liegt unter dem Ergebnis des Fair Share Monitors 2023, der die Zivilgesellschaft insgesamt misst und 40 Prozent Frauenanteil in der Führungsebene ergeben hat.
Wie hoch der Frauenanteil insgesamt ausfällt, hängt laut Untersuchung unter anderem an der Ausrichtung der Stiftung. Ist die Zielgruppe weiblich, sind sie überrepräsentiert. Stiftungen, deren Arbeit sich auf Menschen in Notlagen fokussiert, wiesen demnach einen um mehr als 50 Prozentpunkte höheren Frauenanteil auf als alle anderen Stiftungen. Der Zusammenhang bestätigt sich auch hier für den durchschnittlichen Frauenanteil, der gut 20 Prozentpunkte über dem in anderen Stiftungen liege.
Etwa 40 Prozent der Stiftungen gaben an, keine weiblichen Vorstandsmitglieder zu haben. Ausschließlich weibliche Vorstände haben laut Studie knapp fünf Prozent. In den meisten Vorständen liege der Frauenanteil im Vorstand deutlich unter 50 Prozent. In mehr als der Hälfte der hauptamtlichen Geschäftsführungen seien keine Frauen vertreten.
Weiblich geprägtes Hauptamt
Die Führungsdaten stehen im Gegensatz zu den Zahlen des operativen Bereichs. Hier sind 70 Prozent der hauptamtlichen Beschäftigten Frauen. Allerdings bilden die Daten den Sektor nur bedingt ab: Lediglich 21 Prozent der Stiftungen verfügen über hauptamtliche Mitarbeiter, zwölf Prozent über hauptamtliche Geschäftsführungen.
Zusammenhänge mit dem Gründungsjahr einer Stiftung konnten die Autoren Kai-Uwe Müller und Luise Burkhardt nicht feststellen, weder mit Blick auf Frauenpräsenz im Vorstand noch zum Frauenanteil insgesamt. Das gilt auch für den Vergleich Ost- und Westdeutschland.
Anders stellt sich dies bei thematischen Zusammenhängen dar: In Organisationen, die sich für Bürger- und Verbraucherinteressen einsetzen, bestehe eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für weibliche Vorstandschaft. Sehr niedrig sei sie in den Bereichen Wohnungsbau und Versorgung, Politik und politische Interessenvertretung oder Wissenschaft und Forschung. Auch gingen höhere Zweckausgaben statistisch mit einem höheren Frauenanteil einher.
