Erstens – und dieser Punkt ist bedeutsam – übertragen Sie die Verantwortung so an den Indexanbieter und haben keinen direkten Einfluss mehr auf die Einhaltung der ESG-Kriterien. Im Gegensatz dazu wird ein aktiver Manager von Ihnen dafür entlohnt, sich mithilfe von robusten „Due Diligence“-Tests seine eigene Meinung darüber zu bilden, welche Unternehmen die ESG-Standards erfüllen. In Absprache mit ihm können Sie dort im Zweifelsfall auch nachjustieren. Zweitens sollte ein aktiver Manager durch die aktive Integration von ESG-Kriterien in seinen spezifischen Anlageprozess in der Lage sein, eine höhere Mehrrendite, das sogenannte Alpha, zu erzielen.
Der beste Weg in die Zukunft
Als aktiver Manager glauben wir, dass die ESG-Philosophie nicht als Nebengedanke abgetan werden sollte. Vielmehr ist sie im Anlageprozess aktiv anzusprechen, denn sie lässt sich nicht einfach auf einen vorhandenen Anlageprozess aufpfropfen. Es geht wirklich darum, ESG von Grund auf umzusetzen.
Ein gutes Beispiel hierfür sind saubere Technologien, die einen langfristigen, für den Anleger nutzbaren Trend darstellen: Im Dezember 2015 gaben chinesische Behörden zum zweiten Mal die höchste Warnstufe für die Luftverschmutzung in der Stadt Peking aus. China ist für ein Viertel der Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich. Der chinesischen Regierung ist das Problem bekannt. Daher zählt sie nun mit zu den wichtigsten Unterstützern von sauberen und effizienteren Technologien. Investments in diesen Bereich dürften sich sowohl unter ESG-Gesichtspunkten als auch finanziell lohnen.
Es ist nicht schwer, ESG-Anlagemöglichkeiten an leicht zugänglichen öffentlichen und liquiden Märkten auszumachen. Beispiele dafür sind sogenannte „Green Bonds“, welche die Finanzierung von Projekten mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima unterstützen. Mikrofinanzierungen sind eine weitere interessante Möglichkeit. Dabei werden Privathaushalten mit geringen Einkommen und Kleinunternehmen Kleinstdarlehen gewährt, die sie aus der Armut führen können. Im Jahr 2015 wurden so weltweit Kredite an 700 Millionen Menschen vergeben. Stiftungen können mithilfe eines spezialisierten Fonds für Mikrofinanzierungen leicht in dieses Thema investieren.
Es gibt also ziemlich sicher für jeden Stiftungszweck ESG-konforme Anlagemöglichkeiten. Die Auswahl hat sich vergrößert, die Investments sind liquider. Und die finanzielle Leistung stimmt auch.
Marc Bindschädler ist seit 2011 bei Vontobel Asset Management tätig – derzeit als Portfolio Advisor für die mtx-Boutique, die einen dezidierten Ansatz zur Integration von ESG-Kriterien in Aktienstrategien umsetzt. Zudem ist er Produktspezialist für alle ESG-Anlagestrategien von Vontobel Asset Management. Davor arbeitete er bei UBS und RobecoSAM.
