29.01.2014 | Von Die Stiftung

Mitmachen statt alles selber machen

Der zunehmende Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Wirkung auf der einen und sinkende Kapitalerträge auf der anderen Seite lassen für viele Stiftungen Kooperationen sehr attraktiv erscheinen. In der Tat können Organisationen, die gut harmonieren, auf diese Weise Ergebnisse erzielen, die größer sind als die Summe ihrer Teilnehmer. Eine Zusammenarbeit in der Vermögensanlage sollte dagegen gut überlegt sein.

Staat und Wirtschaft: nicht ganz einfache Partner
Neben der Zusammenarbeit mit anderen Non-Profit-Organisationen sind auch Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen oder dem Staat denkbar. Hierbei treffen allerdings ganz unterschiedliche Zielsetzungen aufeinander, gibt Jörg Martin von der Deutschen Stiftungsagentur zu bedenken. „Wirtschaftsunternehmen verfolgen zuweilen mit einer Kooperation nicht explizit kenntlich gemachte Ziele, die dem Unternehmensgegenstand dienlich sind, sich aber nicht unbedingt mit den Zielen einer steuerbegünstigten Körperschaft decken. Gleiches gilt für staatliche Einrichtungen.“ Dem Abgleich der Ziele müsse daher in solchen Fällen die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. „Zudem sollten die Partner die durchaus unterschiedlichen Entscheidungswege und Arbeitsweisen thematisieren, da es zu Unmut führen kann, wenn die Akteure im Vorfeld nicht darauf eingestellt wurden“, empfiehlt der Stiftungsberater.

Längst ist eine Kooperation auf inhaltlicher Ebene auch nicht mehr die einzig denkbare Form der Zusammenarbeit. Gerade angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen kommt für Stiftungen auch ein Pooling des Vermögens in Betracht. Ob auch dies eine gute Idee ist, wird jedoch unterschiedlich beurteilt.

Für Karl-Heinz Nagel ist eine Kooperation in der Vermögensanlage nur sinnvoll, wenn sich die Partner auf eine ganze Reihe von Kriterien einigen können. Nach Einschätzung des Geschäftsführers von KANA Vermögensmanagement in Schifferstadt (Rhein-Neckar-Region) sind dies u.a. das zulässige Anlageuniversum, die Aufteilung der Anlageklassen, Risikotragfähigkeit, Ausschlusskriterien, Ausschüttungsanforderungen, Berichterstattung und Managerauswahl. „Geht es lediglich darum, Kosten zu senken, reicht es oft schon, Indexfonds bei der Vermögensverwaltung einzusetzen und nach günstigen Sonderkonditionen für gemeinnützige Organisationen Ausschau zu halten“, so Nagel.

„Größere Stiftungen können und sollten kleinere Stiftungen in der Vermögensanlage unterstützen und offen sein für Kooperationen diesbezüglich“, fordert dagegen Jens Güldner, Leiter Vermögensmanagement des Evangelischen Johannesstifts in Berlin, das auch selbst ein Vermögenspooling anbietet. „Weniger kapitalstarke Organisationen bekommen auf diese Weise die Möglichkeit, in Märkte und/oder Assetklassen zu investieren, die ihnen sonst aufgrund der Mindestanlagesummen zahlreicher Fonds oder aus Gründen der Diversifizierung verschlossen bleiben. Ein weiterer Vorteil ist die Kostenstruktur der Partnerstiftungen, die deutlich unter den Gebühren von Banken und Vermögensverwaltern liegt.“ Allerdings seien die sogenannten poolführenden Stiftungen gehalten, die Anlagerichtlinien der Partner zu befolgen sowie sicherzustellen, dass diese jedes Investment verstehen – inklusive aller Risiken und eventueller Konflikte mit dem Stiftungszweck. Nur ganz wenige Stiftungen sind nach Güldners Einschätzung in der Lage, dies zu gewährleisten.

Manchmal ist der Alleingang die bessere Wahl
Schließlich gibt es – wie auch sonst im Leben – Situationen, in denen eine Stiftung besser beraten ist, sowohl auf finanzieller wie auch auf inhaltlicher Ebene von einer Zusammenarbeit mit anderen Organisationen abzusehen. Zum Beispiel dann, wenn eine Stiftung aufgrund ihrer Mittel und/oder ihres Personals einfach zu klein ist, um innerhalb einer Kooperation einen maßgeblichen Beitrag zu leisten, so die Einschätzung von Stiftungsberater Jörg Martin. Und es gibt noch andere Gründe: „Wenn man befürchtet, zu viel Zeit in Meetings, Jour fixes und anderen Terminen zu verlieren, wenn man nicht bereit ist, Kompetenzen abzugeben oder Kompromisse zu schließen, dann sollte eine Stiftung ,ihr Ding‘ lieber allein durchziehen.“

Weitere Informationen:

Eleven
www.eleven-ggmbh.org

Deutsche Stiftungsagentur
www.stiftungsagentur.de

Horizonte
www.horizonte.ghst.de

Start-Stiftung
www.start-stiftung.de

Jürgen Sengpiel Stiftung
www.juergen-sengpiel-stiftung.de

KANA Vermögensmanagement
www.kana.de

Evangelisches Johannesstift
www.evangelisches-johannesstift.de

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