13.03.2019 | Von Die Stiftung

Münchner Stiftungsfrühling: Spenden ohne Kosten?

Der Wunsch nach Wirkungsorientierung beim Einsatz von Spenden steht im Fokus von Stiftungen, Spendern und Förderern. Dennoch wünschen sich viele Spender, dass ihr Geld vollständig ins Projekt fließt. Die Tribute-to-Bambi-Stiftung thematisiert dies beim Münchner Stiftungsfrühling.

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Verwaltungskosten sind nicht per se zu vermeiden, sondern eine notwendige Aufwendung, damit die Hilfe genau dort ankommt, wo sie benötigt wird. Foto: Mey GmbH & Co. KG

Vermutlich hat jeder schon einmal den Satz gelesen: „Von Ihrer Spende kommen 100 Prozent im Projekt an!“ Viele Spender wünschen sich, mit ihrem Betrag möglichst vollumfänglich Bedürftige zu unterstützen, am besten ohne Abzüge für Verwaltungskosten. Doch was sind eigentlich Verwaltungskosten? Dazu ein Beispiel: Die Tribute-to-Bambi-Stiftung prüft als klassische Förderstiftung Anträge von Projekten, die eine Unterstützung benötigen, um Kindern in Not konkret und nachhaltig zu helfen. Erfüllt der Antrag alle Voraussetzungen, und passt das Projekt zur Förderstrategie der Stiftung, wird eine Förderung ausbezahlt.

Bereits der Prüfprozess ist aufwändig. Als spendensammelnde Stiftung ist die Tribute-to-Bambi-Stiftung ihren Spendern gegenüber verpflichtet, sorgfältig die Förderpartner zu prüfen, um zu beurteilen, ob ein Projekt den Bedürftigen, im Fall der Stiftung Kindern in Not, bestmöglich zugutekommt. Dies benötigt Zeit und vor allem Fachwissen: Bilanzen der beantragenden Organisation prüfen, das Thema beurteilen, die Kompetenz der involvierten Projektträger einschätzen, die Wirkung des Ansatzes untersuchen. Denn allein die Prüfung der Frage, wer wirklich bedürftig ist, ob der Ansatz sinnvoll ist und ob der dafür benötigte finanzielle Aufwand angemessen ist, ist sehr wichtig, damit das Geld eine möglichst nachhaltige Wirkung entfaltet. Das erfordert beispielsweise auch Besuche beim Projektträgers vor Ort, was Reisekosten verursacht.

Steht einmal der Förderpartner fest, stellt sich die Frage erneut: Was sind Verwaltungskosten, die in der Tat möglichst gering gehalten oder vermieden werden sollen, und was sind zur Abwicklung des Projektes notwendige Kosten? Wie sieht es beispielsweise mit den Kosten für den Aufbau einer Infrastruktur innerhalb der Organisation aus?

Widersprüchliche Forderungen

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Zur Autorin: Sabine Kamrath ist Projektleiterin der Tribute-to-Bambi-Stiftung mit Sitz in München und Stiftungsberaterin (Abbe-Institut). Foto: Maximilian Mörtl

Viele Spender möchten nicht, dass Personalkosten mit ihrer Spende finanziert werden. Gleichzeitig wünschen sich Geldgeber aber eine Evaluation des Projektes und einen Mittelverwendungsnachweis. Dieser muss erstellt, die Evaluation von kompetenten Personen durchgeführt werden. Teilweise ist das im Ehrenamt möglich, teilweise übersteigt es aber auch dessen Kapazitäten. Oft ist es besser, Ehrenamtliche in dem Bereich einzusetzen, in dem sie sich auskennen und für den sie sich engagieren wollen. Eine bezahlte Verwaltungskraft kann diese von administrativen Aufgaben entlasten und für eine effizientere und professionellere Bearbeitung – zum Beispiel von Mittelverwendungsnachweisen – sorgen. Im Idealfall ist diese Person ja genau dafür ausgebildet. Anders herum gesprochen: Wenn die ehrenamtlich tätige Pädagogin ihre Arbeitszeit zugunsten ihres Vereins reduzieren muss, um Abrechnungen zu erstellen, und ihr Engagement vielleicht zunehmend als Belastung empfindet, ist damit niemandem geholfen.

Daher finanziert die Tribute-to-Bambi-Stiftung gezielt Stellen, die den Aufbau und die Entwicklung einer Organisation betreuen, was wiederum einen positiven Effekt auf die tatsächlich Begünstigten hat, weil ihnen dadurch umfangreicher und besser geholfen werden kann.

Doch auch Tätigkeiten, die nicht direkt mit der Auswahl des Förderprojekts, sondern der Abwicklung der Förderung zusammenhängen, verursachen Kosten. Nur wenige Spender werden es gutheißen, wenn man ihren Spendenbetrag in bar durch das Land trägt und dann dem Bedürftigen in die Hand drückt. Oder fehlerhafte Vereinbarungen formuliert, die Probleme nach sich ziehen. Es braucht also zum Beispiel ein Konto, wodurch Transaktionskosten und Kontoführungsgebühren entstehen. Zudem arbeiten Banken und auch Rechtsanwälte oder Steuerberater, deren Dienstleistungen für eine professionelle Tätigkeit benötigt werden, in der Regel nicht (oder nur zu einem sehr geringen Teil) pro bono, vor allem diejenigen, die sich im Bereich der gemeinnützigen Organisationen gut auskennen. Für eine größtmögliche Wirkung benötigt man jedoch deren Beteiligung.

Sinnvolle Aufgabenverteilung notwendig

Man kann sehr viel über ehrenamtliches Engagement abdecken, aber eben nicht alles. Es geht also nicht darum, Marmorpaläste oder einen Wasserkopf an fürstlich vergüteten Ämtern zu finanzieren, wie manchmal unterstellt wird – es geht, gerade bei kleinen Organisationen, vor allem um das Papier, auf das die Spendenbescheinigung gedruckt wird, das Porto, mit dem die Bescheinigung verschickt wird, um die Bürokraft, welche die Spendenbescheinigung erstellt und die Gelder korrekt überweist, oder um den Steuerberater, der die Steuererklärung richtig erstellt. Zu Recht gibt es empfohlene Quoten von Verwaltungskosten, welche beispielsweise bei einer Bewerbung um das DZI-Spendensiegel geprüft werden oder in der Initiative Transparente Zivilgesellschaft ausgewiesen werden müssen.

Eine wirkungsvolle Arbeit, die Spendengelder möglichst effektiv und an der richtigen Stelle einsetzt, kann aber nie vollständig ohne Verwaltungskosten geleistet werden, dennoch wird mit der Spende an eine gut arbeitende Organisation unterm Strich eine höhere Wirkung erzielt: Weil das Geld auf sicheren Wegen genau dort ankommt, wo es ankommen soll und einen hohen Beitrag leistet. Und der Spender kann sich darauf verlassen, dass Projekte kompetent beurteilt und Begünstigte achtsam ausgewählt werden.

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Die Tribute-to-Bambi-Stiftung fördert deutschlandweit Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche in Not und macht auf Themen aufmerksam, die in der Gesellschaft zu wenig wahrgenommen werden. Beim Münchner Stiftungsfrühling behandelt sie das Thema „Spenden ohne Abzug – wirklich das Maß aller Dinge?“ auf einer Podiumsdiskussion.

Vom 23. bis 29. März 2019 präsentieren beim Münchner Stiftungsfrühling die Stiftungen der bayrischen Landeshauptstadt ihr Engagement.

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