Der Schweizer Stiftungssektor auf dem Weg zur Überkontrolle? Diese Frage stand im November zu Beginn des Schweizer Stiftungstags in Bern im Raum. In einer Podiumsdiskussion gaben Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Gesellschaft sowie dem Stiftungssektor Einblick in ihre Wirklichkeiten.

„Der Staat muss die Rahmenbedingungen setzen“, war die grundlegende Aussage von Andri Silberschmidt, Präsident der FDP Schweiz-nahen Jungpartei Jungfreisinnige Schweiz, in der Diskussionsrunde beim Schweizer Stiftungstag. „Geregelte und liberale Rahmenbedingungen“, schob er dann noch hinterher.

Aber sind diese Rahmenbedingungen momentan liberal genug? Bei Peter Grünenfelder, Direktor des unabhängigen Thinktanks Avenir Suisse, schien Unmut zu herrschen. Er forderte Transparenz statt Regulierungen, denn Regulierungen seien nur auf die paar wenigen schwarzen Schafe im Sektor zurückzuführen. „Wir lassen schon genug die Hosen runter“, so seine klare Meinung. Weitere Regulierungen seien somit absolut die falsche Reaktion der Legislative.

In dieselbe Kerbe schlug Prof. Georg von Schnurbein, Direktor des Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel: „Gemeinnützige müssen die Gesetze als Kollateralschaden erfüllen“. Was er damit meine? Die Gesetzte richteten sich doch in Wirklichkeit an große Unternehmen, wie Google. „NPO finden in der Gesetzgebung zu wenig Beachtung, sind aber dennoch davon betroffen. Gesetze sollten nicht die schwarzen Schafe verhindern, sondern die, die Gutes tun wollen, unterstützen“, so sein klarer Appell. Die Stiftungsrechtsrevision aus dem Jahr 2006 sei hierbei ein guter Schritt gewesen.

Selbstregulierung als Lösung

Nach diesen doch deutlich gegen Regulierungen gerichteten Worte hakte Moderator François Geinoz, Präsident des Gastgeberverbands Pro Fonds dann doch nochmal nach: Regulierungen seien doch durchaus auch vom Sektor selbst gewünscht, oder? Die ernüchternde Aussage von Schnurbeins: „Manchmal seien Regulierungen durchaus auch gewünscht, um Verantwortung abzugeben. Denn schließlich bedeute Freiheit gleichzeitig auch Verantwortung.“

Ein Lösungsweg schien sich in der Diskussionsrunde dann aber doch abzuzeichnen. Das Stichwort Selbstregulierung stieß allgemein auf Zustimmung. „Durch Standards können Regulierungen verhindert werden“, erklärte Silberschmidt den Gedanken dahinter.

Und letztendlich gehe es doch allen darum, gegenüber Geldgebern und anderen Akteuren vertrauenswürdig zu sein. Darauf wies Aaron Petermann der kürzlich gegründeten Stiftung Fokus Familie hin (DIE STIFTUNG berichtete in der Schweiz-Ausgabe 1-2018). Ihm und seinen beiden anderen jungen Stifterkollegen wurde im Rahmen der Stiftungsgründung aufgrund ihres „fehlenden sozialen Hintergrunds“ – ursprünglich Versicherungsexperte, IT-Fachmann und Jurist – einiges an Skepsis entgegengebracht. Das wiederum hat sie eine Lektion gelehrt: Auflagen sowie Selbstregulation können durchaus auch eine Chance sein, um die eigene Wirkung zu zeigen.

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