Aktienanleihen als Renditetreiber für ordentliche Ausschüttungen

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Allein das Management von großen Stiftungsportfolios kann herausfordernd sein. Zusätzlich zur möglichst vermögenssichernden, breit diversifizierten Anlage des Vermögens müssen ausreichend ordentliche Erträge zur Verfügung stehen, um den Stiftungszweck zu erfüllen. In der Regel sollen diese aus zinstragenden, öffentlichen Anleihen und Unternehmensanleihen sowie regelmäßigen Dividendenerträgen kommen.

Während der Niedrigzinsphase von 2014 bis 2022 stellten die gesunkenen Zinsen eine große Herausforderung dar, die nur bedingt durch Dividendenerträge kompensiert werden konnte. Seit dieser Zeit nehmen Sonderkonstruktionen auf der Aktienseite, beispielsweise Aktienanleihen, einen immer größeren Anteil an der Portfoliozusammensetzung ein.

Verbindung zweier Welten

Die Aktienanleihe verbindet die beiden namensgebenden Welten. Wie bei Anleihen gibt es auch für Aktienanleihen einen Emissionsprospekt – die rechtliche Ausgestaltung entspricht derjenigen der Inhaberschuldverschreibung einer begebenden Bank (Emittentin). Durch die Kombination mit einem Derivat, mit dem man das Recht auf den Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anleihen erwirbt, ermöglicht sie eine feste regelmäßige Verzinsung.

Im Grunde genommen handelt es sich um eine Bankschuldverschreibung, die sich jedoch in der Höhe der Verzinsung (Kupon) und in der Art der Rückzahlung unterscheidet. Die Emittentin verkauft an die Investoren das Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Preis zu verkaufen (Put) – für dieselbe Laufzeit wie die der Anleihe. Die Prämie, die die Emittentin erhält, wird über den regelmäßigen Kupon an den Investor ausgeschüttet. Dieser Kupon liegt in der Regel deutlich über denjenigen, die Anleger mit klassischen Bankschuldverschreibungen mit vergleichbarer Laufzeit erzielen können.

Dieser Renditevorteil ergibt sich aus der besonderen Situation bei der Rückzahlung einer Aktienanleihe: Bei einer klassischen Bankschuldverschreibung erhalten Anleger am Ende den Nominalbetrag (Nennwert) zurück, während der Laufzeit erhalten sie einen Kupon. Bei der Aktienanleihe hingegen hängt die Rückzahlung von der Entwicklung des Aktienkurses ab, auf den sich die Aktienanleihe bezieht. Die erwähnte Put-Option ist das Recht des Emittenten, die Aktie zum Laufzeitende zu einem vorab bestimmten Preis zu verkaufen. Dieser Preis wird Basispreis genannt und bezeichnet den Preis für eine Aktie, der bei Ausübung des Verkaufsrechts zu zahlen ist.

Der Käufer der Put-Option hat das Recht, diese Option auszuüben, dem Verkäufer der Put-Option die Aktie zu liefern und von ihm die Bezahlung zu verlangen. Der Verkäufer der Option muss die Aktie zum vorab bestimmten Basispreis abnehmen und den Kaufpreis zahlen. Diese Verpflichtung wird in Form der Optionsprämie vergütet. Liegt also bei Fälligkeit der Kurs der Aktie unterhalb des Basispreises, wird die Rückzahlung in Form einer bestimmten Anzahl von Aktien erfolgen. Liegt deren Kurs bei Fälligkeit auf oder über dem Basispreis, erfolgt die Rückzahlung zum Nennwert.

Grenzen bei Ertrag und Risiko

Der Gewinn beziehungsweise Ertrag beim Erwerb einer Aktienanleihe ist auf den Kupon begrenzt. Dieser Kupon wird unabhängig von den Kursbewegungen der zugrundeliegenden Aktie gezahlt. Verluste treten ein, wenn der Aktienkurs bei Fälligkeit unter dem Basispreis liegt und der Wert der dann eingebuchten Aktien unterhalb des Nennwerts der Aktienanleihe liegt. Die Höhe des Kupons fängt einen möglichen Verlust nur zum Teil auf.

Ein Beispiel soll den Unterschied zwischen einer Aktienanleihe und einer normalen Bankschuldverschreibung verdeutlichen:

Emittentin:      Société Générale
Laufzeit:          1 Jahr
Basiswert:       Deutsche Bank Aktie (14,20 Euro), erwartete Dividende 0,45 Euro, Dividendenrendite somit ca. 3,16 Prozent
Nennwert:       1.000 Euro
Basispreis:     12,78 Euro (90 Prozent des aktuellen Kurses)
Anzahl Aktien pro Nennwert: Nennwert/Basispreis = 78,247 Aktien
Kupon p.a.:     11,00 Prozent

Der Kupon für eine einjährige klassische Bankschuldverschreibung der Société Générale liegt aktuell bei ca. 3,30 Prozent p.a. (alle angegebenen Daten vom 26.03.2024 ca. 11 Uhr, Quelle: Société Générale).

Beachten sollte man, wie bei jeder Investition in eine Anleihe, das Emittentenrisiko. Anhand der Kennzahlen von Ratingagenturen (S&P, Moody´s) wird jedem Emittenten ein Rating zugewiesen – quasi eine Qualitätskennziffer des Emittenten.

Alternative für Stiftungen

Welche Vorteile bringt die Aktienanleihe jedoch für das Management von Stiftungsportfolios? In den meisten Fällen bestehen Stiftungsportfolios zu großen Anteilen aus Aktien und normalen Anleihen. Idealerweise ersetzt man nun einige Aktien, die nur eine geringe oder nicht so hohe Dividendenrendite aufweisen, durch ebensolche Aktienanleihen, die die Summe aus Zins (3,30 Prozent p.a.) und Dividendenrendite (3,16 Prozent p.a.) deutlich übertreffen. Der Renditevorteil der beispielhaften Aktienanleihe (11,00 Prozent p.a.) liegt also schon bei 4,54 Prozent p.a.

Aufgrund der Bestimmung eines Basispreises durch den Emittenten von ca. 90 Prozent erhält man zusätzlich einen Puffer für Kursrückgänge der zugrundeliegenden Aktie, schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe: Risikoreduktion und Erhöhung der ausschüttungsfähigen Erträge. Die Investition in eine Aktienanleihe sollte immer als Alternative zur Direktanlage verstanden werden, damit diese Konstruktion bei seitwärts oder nur leicht rückläufigen Aktienkursen ihre Vorteile vollständig ausspielen kann.

Joachim Rohrmann
CIIA, Senior Produktmanager strukturierte Produkte
Bethmann Bank, eine Marke der ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch
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Stefan Dworschak ist Chefredakteur von DIE STIFTUNG. Zuvor war er nach einem Magisterstudium der Anglistik, Philosophie und Romanistik mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt an den Universitäten Heidelberg und Sheffield in der Mantel- sowie Lokalredaktion einer Tageszeitung tätig.

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