Die Vergabe der Nobelpreise richtet alljährlich den Fokus auf das Wirken von Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die Stiftung im Hintergrund muss sie sich ziemlich strecken, um die finanzielle Dotierung der Preise stabil zu halten. Grund dafür sind auch Vorgaben im Testament des Stifters.

Nur einmal im Jahr tritt die Nobelstiftung in Erscheinung. Dann aber so öffentlichkeitswirksam, dass andere Stiftungen neidisch nach Skandinavien blicken.

Die Organisation mit Sitz in Stockholm geht zurück auf den schwedischen Chemiker Alfred Bernhard Nobel. Er gründete sie 1895, ein Jahr vor seinem Tod. Mit der Erfindung und Produktion des Sprengstoffs Dynamit hatte Nobel ein ansehnliches Vermögen erwirtschaftet. Vor allem im Tunnel- und Trassenbau sowie im Bergbau gab es viel Nachfrage für den Sprengstoff, der das zuvor gebräuchliche Schwarzpulver ersetzte. Bald kam er auch als Waffe bei Attentaten zum Einsatz. Andere Erfindungen Nobels – wie etwa das Schießpulver Ballistit – wurden vor allem militärisch genutzt.

Alfred Nobel schrieb in seiner Freizeit Gedichte und Theaterstücke. Copyright: The Nobel Foundation Archive

Als wollte er für das Leid, das durch sein berufliches Wirken erzeugt worden war, etwas wiedergutmachen, stiftete Alfred Nobel fast sein gesamtes Vermögen für die Auszeichnung von Wissenschaftlern, die der Menschheit „den größten Nutzen erbracht haben“, so der Wortlaut im Testament. Nobel hatte keine Kinder oder Ehepartner und verfügte, dass die Zinsen aus dem Stiftungskapital in Höhe von 31 Millionen Schwedischen Kronen (nach heutigem Geldwert etwa 234 Millionen Euro) jedes Jahr an die Preisträger verteilt werden sollen.

Ende 2020 betrug das Stiftungsvermögen 3,67 Milliarden Kronen. Während der beiden Weltkriege gab es keine Preisträger. Die Preisgelder dieser und anderer Jahre ohne Preisverleihung wurden satzungsgemäß dem Grundstockvermögen hinzugefügt.

Krumme Preisgelder sinkender Höhe

Fünf Preiskategorien legte Nobel fest: Chemie, Physik, Medizin, Literatur und Frieden. Rund um die Disziplinen, die er ausließ, gab es seitdem viele Diskussionen. So halten sich vehement Gerüchte, dass er die Mathematik nachträglich strich, als ihn eine Partnerin verließ, um mit einem Mathematiker zusammen zu sein. Etwa 70 Jahre später stiftete die Schwedische Reichsbank einen „Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel“, der seitdem gemeinsam mit den Preisen der Nobelstiftung vergeben wird. 1901 wurden die ersten Nobelpreise vergeben, 1969 der erste nun sogenannte Wirtschaftsnobelpreis.

Das Preisgeld ist stets ein krummer Betrag, den die Stiftung jedes Jahr akkurat nach den jeweiligen Erträgen des Stiftungskapitals berechnet. Im ersten Jahr lag das Preisgeld bei 150.782 Kronen, gemessen am jetzigen Geldwert etwa 8,7 Millionen Kronen. Lange sank es stetig, in den 1950er und 1960er Jahren betrug es lediglich 30 Prozent der ersten Summe. Seit 1991 ist es wieder gleich hoch oder geringfügig höher als 1901.

Info

Die Nobelstiftung leiten sieben Direktoren plus zwei Stellvertreter. In der Satzung ist festgelegt, dass sie entweder schwedischer oder norwegischer Nationalität sein müssen. Die beiden Länder waren zu Lebzeiten Nobels in einer Union vereinigt, die 1905 gelöst wurde.

Längst speist sich das Preisgeld nicht mehr aus Zinserträgen – das Stiftungsmanagement muss aktiv investieren. Die Grundlage dafür schuf eine Änderung der Satzung, die aber weiterhin penibel festlegt, wie viel Prozent des Kapitals in welchen Anlageklassen liegen darf. Von Rüstungsunternehmen und Tabakproduzenten etwa darf die Stiftung keine Aktien kaufen. Zudem muss sie das Geld „sicher“ anlegen, schrieb Nobel in sein Testament. Risikoreiche Investitionen fallen damit raus.

Kritiker: Nobelstiftung nährt den Mythos des einsamen Genies

Die Verwaltung und die Veranstaltungen während der Nobelwoche wurden über die Jahre immer teurer. Ganz im Sinne Nobels ist dies nicht: Er legte fest, dass die Zinsen „in fünf gleiche Teile geteilt“ den Preisträgern zufließen sollen. Der Ausrichtung eines opulenten Festaktes wies er in diesem Zusammenhang keine Gelder zu.

Bei Einrichtung der Stiftung 1900 legte der damalige König Oskar II. deren Statuten per Dekret fest. Darin ist unter anderem die Vergabeprozedur geregelt, zu der Nobel nur wenige Details in seinem Testament niedergeschrieben hat. Auch die Vorgabe, dass höchstens drei Forscher einer Fachrichtung sich den Nobelpreis eines Jahres teilen können, geht aus den nachträglich hinzugefügten Statuten hervor. In der Wissenschaft sorgt diese Vorgabe seit jeher für viel Kritik. Denn die wenigsten Erfindungen gehen auf einen einzelnen Wissenschaftler zurück – große Forschergruppen können bis heute nicht ausgezeichnet werden.

Wann Alfred Nobel sich dazu entschloss, posthum zum Philanthropen zu werden, ist nicht belegt. Einen Anteil an der Entscheidung soll Bertha von Suttner gehabt haben, eine enge Vertraute Nobels und 1905 selbst Trägerin des Friedensnobelpreises. Eine Frauenquote hat sie ihm nicht in die Feder diktiert: Weniger als sechs Prozent der Nobelpreisträger waren Frauen.

 

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