Der Ökonom Justus Haucap scheidet aus dem Kuratorium der FAZIT-Stiftung aus. Hintergrund ist ein Gastbeitrag Haucaps in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus dem Jahr 2014 über den Fahrdienstleister Uber.

Nach kritischen Berichten über einen Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) aus dem Jahr 2014 verlässt Justus Haucap das Kuratorium der FAZIT-Stiftung. Wie aus den sogenannten Uber Files, einer Sammlung interner Daten hervorgeht, bestand 2014, dem Jahr der Veröffentlichung, eine Geschäftsbeziehung zwischen dem Professor für Volkswirtschaftslehre und dem US-Fahrdienstleister Uber. Diese wurde im Text nicht kenntlich gemacht. Haucap betont, dass er für diesen Beitrag keine Vergütung von Uber erhalten habe, sondern sich der Betrag auf einen anderen, nicht bekannten Text beziehe.

Sicherung der Unabhängigkeit

Haucap war seit 2016 Mitglied des Gremiums, das die Geschicke der FAZIT-Stiftung leitet. Die gemeinnützige GmbH hält Mehrheitsanteile an der F.A.Z. sowie der Frankfurter Societät. „Zu den Aufgaben der Kuratoren gehört die Kontrolle der satzungsgemäßen Verwendung der verfügbaren Stiftungsmittel. Sie stellen den Jahresabschluss fest, beschließen über die Verwendung des Ergebnisses und überwachen die Geschäftsführung der FAZIT-Stiftung“, so die F.A.Z. „Vor allem aber – und das ist ihre Hauptaufgabe – sorgen sie damit für die Sicherung der Unabhängigkeit der bei den Tochtergesellschaften der FAZIT-Stiftung erscheinenden Zeitungen. Die Mitglieder des Kuratoriums der FAZIT-Stiftung sind Haucap für seine engagierte Mitarbeit und Unterstützung dankbar.“ Seine Anteile als Kuratoriumsmitglied werde Haucap zurückgeben.

Kritik an Kuratoriumsstruktur

Die Organisation Lobby Control kritisiert die Zusammensetzung des Gremiums. Sie stehe „für vieles, aber nicht für die Unabhängigkeit von den Interessen der Wirtschaft“, so Campaigner Timo Lange gegenüber dem Blog Übermedien, der die Personen vorstellt:

  • Ulrich Wilhelm, Vorsitzender der Stiftung, früher Regierungssprecher und Intendant des Bayerischen Rundfunks
  • Andreas Barner, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim sowie Ex-Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
  • Marija Korsch, langjährige Partnerin des Bankhauses Metzler sowie ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Aareal Bank in Wiesbaden
  • Birgitta Wolff, wie Haucap Wirtschaftswissenschaftlerin, ehemalige CDU-Kultus- und Wirtschaftsministerin von Sachsen-Anhalt und zukünftige Präsidentin der Bergischen Universität Wuppertal

„Ein Gremium, das darauf ausgelegt sein soll, die inhaltliche Unabhängigkeit der Zeitung zu sichern, würden wir uns in jedem Fall in anderer Besetzung wünschen, zum Beispiel mit Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Organisationen, Gewerkschaften oder gesellschaftlicher Minderheiten“, sagt Lange. „In dieser Form erweckt die Stiftung ihrerseits eher den Eindruck einer Lobby-Organisation.“

Das Magazin DIE STIFTUNG ist eine Publikation von F.A.Z. Business Media, einem Unternehmen der F.A.Z.-Gruppe.

 

 

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