Ein motivierender Weckruf für deutsche Stiftungen

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Wie können Gemeinnützige und engagierte Kapitalgeber so zusammenarbeiten, dass sich gesellschaftliche Anliegen noch effizienter verfolgen lassen? Dieser Frage ging die von 500 Teilnehmern besuchte alljährliche Leitveranstaltung der European Venture Philanthropy Association (EVPA) in beeindruckender Vielfalt nach. Dabei wurde deutlicher denn je: Auch Stiftungen aller Größenordnungen sollten sich dringend mit den Chancen wirkungsorientierten Investierens beschäftigen.
Von Dr. Patrick Roy

„Es wird eine weltweite Bewegung hin zu wirkungsorientierten Investments geben. Stiftungen werden ins Hintertreffen geraten, wenn sie daran nicht teilhaben.“ Die Worte von Heather Grady, Vice President von Rockefeller Philanthropy Advisors, ließen die Zuhörer in den opulenten Räumlichkeiten des ehrwürdigen Palacio de Linares aufhorchen. Die dem gemeinnützigen US-Beratungshaus nahestehende Rockefeller Foundation ist eine der größten Stiftungen der Welt. Grady wusste auch deshalb genau, was sie da artikulierte.

Heather Grady (2. v.l. auf dem Podium) setzte das Ausrufezeichen hinter eine viel beachtete Diskussion, die sich – wie einige andere der 24 Break-Out-Sessions – explizit mit dem Thema des wirkungsorientierten Investierens für Stiftungen beschäftigte.
Heather Grady (2. v.l. auf dem Podium) setzte das Ausrufezeichen hinter eine viel beachtete Diskussion, die sich – wie einige andere der 24 Break-Out-Sessions – explizit mit dem Thema des wirkungsorientierten Investierens für Stiftungen beschäftigte.

In den Ausführungen zuvor war nochmals deutlich geworden, in welchen Hauptformen diese Art des Engagements durch Stiftungen praktiziert wird: nachhaltige Geldanlagen und Venture Philanthropy. Mittels „nachhaltiger Geldanlagen“ legen Stiftungen Ihren Kapitalstock in einer Art und Weise an, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Konsequenzen direkt dem Stiftungszweck zuträglich ist. Es geht also darum, die Geldanlage dem Stiftungszweck anzugleichen. Meist erfolgt dies in Form von Wertpapieren. Als Beispiel nannte Grady die aktuelle Divest-Invest-Campaign . „Schauen Sie sich das gut an“, mahnte sie ihre Zuhörer, „diese Dinge entwickeln sich derzeit sehr dynamisch“. Immer mehr Stiftungen weltweit investieren zudem mittels „Venture Philanthropy“ Teile ihrer verfügbaren (Förder-)Gelder – z.B. eben Erträge des Stiftungsstocks – in gemeinwohlorientierte Organisationsformen. Venture Philanthropy kombiniert Social Investments via Fremd- oder Eigenkapital mit Fördergeldern und Spenden und zeichnet sich vor allem aus durch mehrjährige, auch nicht-finanzielle Unterstützung, die Einbringung von Netzwerken und Fähigkeiten des Förderers sowie einen starken Fokus auf Wirkungsziele und Wirkungsmessung. Beispiele und gute Argumente hierfür lieferte der schon Wochen im Voraus ausgebuchte und rund 500 Besucher zählende Kongress zuhauf.

Gleich in der ersten Break-Out-Session der zwei Veranstaltungstage berichtete etwa mit Benoît Fontaine ein Vertreter der belgischen König-Baudouin-Stiftung, wie man dort Venture Philanthropy betreibt: „Wir haben schon vor mehreren Jahren einen eigenen Social-Business-Fonds innerhalb unserer Stiftung etabliert als Ergänzung zu unseren eher kleinteiligen Projektförderungen. Und hieraus haben wir mittlerweile mehr als 20 direkte Investments in soziale Organisationen getätigt, die wir mit Geduld und einem klaren Fokus auf die Nachhaltigkeit der jeweils angestrebten Systemveränderung begleiten.“

Besonders interessant: Die König-Baudouin-Stiftung hat in einer breit angelegten Evaluation untersucht, welche Wirkungen ihr Venture-Philanthropy-Engagement im Vergleich zur klassischen spendenbasierten Projektfinanzierung entfaltet. Das Fazit: „Venture Philanthropy ist klar überlegen“, erläutert Fontaine. Und er untermauert dies eindrucksvoll mit Zahlen. So hat man beispielsweise die unterstützten Organisationen selbst befragt, wie sie letztlich die gesellschaftliche Wirkung von Venture-Philanthropy-Unterstützung beurteilen im Vergleich zu einer gleich hohen Spende für ein Projekt: „Niemand der Befragten hielt Spenden für wirksamer, rund 80% schrieben der investmentbasierten Förderung eine höhere Wirksamkeit zu“.