24.08.2017 | Von Tobias Anslinger

Erwin-Müller-Privatstiftung soll Handelsriesen steuern

Unternehmer Erwin Müller hat in Linz die Erwin-Müller-Privatstiftung gegründet. Sie soll nach dem Willen des Stifters dem Erhalt seines Handelsimperiums dienen – und damit seine Nachfolge regeln. Es ist nicht seine erste Privatstiftung in Österreich.

Erwin-Müller-Privatstiftung_Lörrach_-_Müller-Markt
In der Zukunft soll die Erwin-Müller-Privatstiftung die Geschicke des Handelsunternehmens (im Bild eine Filiale in Lörrach) steuern. Foto: Wikimedia Commons, Wladyslaw Sojka (www.sojka.photo), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:L%C3%B6rrach_-_M%C3%BCller-Markt.jpg

Vor seinem 85. Geburtstag im September hat der Ulmer Unternehmer Erwin Müller, Gründer der gleichnamigen Drogeriemarktkette, die Weichen für die Zukunft seines Unternehmens gestellt: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat er bereits Ende April im oberösterreichischen Linz die Erwin-Müller-Privatstiftung gegründet. Zuerst hat die „Lebensmittelzeitung“ in der Vorwoche darüber berichtet.

Ein Blick ins Firmenbuch (Handelsregister) beim Landesgericht Linz verrät, Zweck der Privatstiftung ist „der Erhalt und die Förderung der Unternehmen, an denen die Privatstiftung unmittelbar oder mittelbar beteiligt ist, sowie der entgeltliche und unentgeltliche Erwerb von Anteilen an Unternehmen, an denen der Stifter beteiligt ist; danach die standesgemäße Versorgung der Begünstigten und die Förderung der Interessen der Allgemeinheit durch die Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen und die Förderung gemeinnütziger Projekte“.

Erwin-Müller-Privatstiftung und E+A-Müller-Privatstiftung

Mit der Errichtung dieser Privatstiftung will der Firmenpatriarch offenbar wieder die vollständige Kontrolle über sein Unternehmen erlangen. Der erste Schritt dazu scheint geschafft: Denn die Anteile am Unternehmen von Sohn Reinhard Müller, der sich wohl hat auszahlen lassen, sind nach Recherchen der Lebensmittelzeitung auf die Stiftung übergegangen. Müller junior war bis zuletzt Kommanditist der Müller Holding Limited & Co. KG, die für den operativen Betrieb der Kette verantwortlich ist.

Dass das Unternehmen mittelbar über die Erwin-Müller-Privatstiftung auch nach seinem Ausscheiden so gesteuert wird, wie sich der Unternehmer das vorstellt, dafür soll der Stiftungsvorstand sorgen. Dieser setzt sich aus Müllers Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz, dem steirischen Unternehmensberater Walter Schiefer (Vorsitzender) und dem steirischen Steuerberater Dr. Norbert Ertler (Stellvertretender Vorsitzender) zusammen. Schiefer gilt als Freund der Familie Müller.

Überhaupt scheint Erwin Müller zur Regelung seines Nachlasses diesen Herren besonders zu vertrauen: Alle drei sind auch Vorstände der E+A-Müller-Privatstiftung, die im November 2016 in der steirischen Landeshauptstadt Graz durch Erwin Müller, seine Frau Anita sowie die E+A Müller Stiftungsverwaltungs GmbH errichtet wurde. Schiefer ist Geschäftsführer der E+A Müller Stiftungsverwaltungs GmbH, deren einzige Gesellschafterin Anita Müller ist. Primärer Stiftungszweck der E+A-Müller-Privatstiftung ist die „Unterstützung der jeweiligen Begünstigten aus den Erträgnissen des Vermögens der Privatstiftung und/oder aus dem Vermögen der Privatstiftung.

Privatstiftung für Deutsche „steuerlich herausfordernd“

Dass deutsche Unternehmer in Österreich eine Privatstiftung gründen, sei nichts Ungewöhnliches, erklärt ein Sprecher des Verbandes Österreichischer Privatstiftungen (VÖP). So hätten es etwa auch Dr. Hans Riegel (Haribo, Kaiserschild-Stiftung) oder Dr. Reinhold Würth (Würth-Privatstiftung) gemacht.

Besonders verbreitet sei diese Lösung allerdings nicht, da die Ausgestaltung „steuerlich herausfordernd“ sei. Deshalb sei es auch nur für bestimmte Personen in bestimmten Konstellationen interessant, Teile ihres internationalen Vermögens in eine österreichische Privatstiftung einzubringen. Die genannten Beispiele zeigen, dass es zumindest für Handelsunternehmer unter bestimmten Voraussetzungen attraktiv sein dürfte.

Reform des österreichischen Privatstiftungsgesetzes

Aktuell steht in Österreich eine Novelle des 1993 in Kraft getretenen Privatstiftungsgesetzes zur Debatte. Ein entsprechender Gesetzesentwurf liegt vor. Ob dieser noch vor den Parlamentswahlen im Oktober den Nationalrat passieren wird, ist unklar. Welche Änderungen geplant sind, worüber hart verhandelt wurde und was die Novelle für den Standort Österreich bedeuten würde, lesen Sie in der kommenden Ausgabe von DIE STIFTUNG, die am 4. Oktober erscheint.

Artikel teilen