Umfrage: NPOs genießen mehr
Vertrauen als der Staat

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Gemeinnützige Organisationen genießen in Deutschland deutlich mehr Vertrauen als der Staat, wenn es um den verantwortungsvollen Einsatz von Mitteln für gesellschaftliche Aufgaben geht. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Child Invest Foundation, der Dachstiftung der SOS-Kinderdörfer, für die bundesweit 1.524 Personen befragt wurden. Zugleich erwartet eine große Mehrheit, dass Stiftungen die Wirkung ihrer Arbeit öffentlich nachweisen.

77 Prozent der Befragten trauen gemeinnützigen Organisationen zu, ihre Mittel verantwortungsvoll einzusetzen. Bei Frauen liegt dieser Wert mit 81 Prozent höher als bei Männern mit 74 Prozent. Dem Staat vertrauen in dieser Frage nur 38 Prozent. Eine Ausnahme bilden die unter 30-Jährigen: Von ihnen vertrauen 52 Prozent staatlichen Stellen und damit deutlich mehr als im Durchschnitt der Bevölkerung. Dieser Vertrauensvorsprung zeigt sich auch im direkten Vergleich: Eine Mehrheit glaubt, dass private gemeinnützige Stiftungen in der Entwicklungszusammenarbeit wirksamer sein können als staatliche Programme. 55 Prozent vertreten diese Ansicht, bei den über 60-Jährigen sind es 62 Prozent.

Wenig Vertrauen in die Wirtschaft

Auch die Bedeutung der Zivilgesellschaft wird in der Umfrage deutlich. Auf die Frage, welche Akteure neben staatlichen Einrichtungen einen besonders wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, nannten 89 Prozent Stiftungen, Vereine und Verbände. Hilfs- und Entwicklungsorganisationen wurden von 65 Prozent der Befragten als besonders wichtige gesellschaftliche Akteure genannt. Kirchen und Religionsgemeinschaften wurden von 42 Prozent genannt, Unternehmen und die Wirtschaft von 30 Prozent.

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Die Stiftung Bürgermut hat Führungskräfte aus Stiftungen zu ihrer Situation befragt. Viele erleben diese aktuell als kritisch und sinnstiftend zugleich. Ein wichtiger Hebel ist ausreichend Zeit für strategisches Handeln.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Stiftungen für viele Menschen ein glaubwürdiger und relevanter Partner sind, wenn es um die Zukunft unserer Gesellschaft geht“, sagt Claudia Straßer, Vorständin der Child Invest Foundation, laut Mitteilung der Stiftung. „Das ist eine starke Basis – aber sie ist an eine klare Erwartung geknüpft: Wer Vertrauen will, muss Wirkung nachvollziehbar machen.“

Verpflichtender Wirkungsnachweis

Die Umfragedaten bestätigen das eindrücklich. 86 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Stiftungen verpflichtet sein sollten, die Wirkung ihrer Arbeit öffentlich nachzuweisen. Die Zustimmung ist in allen Altersgruppen hoch. Sie reicht von 81 Prozent bei den 30- bis 45-Jährigen bis zu 91 Prozent bei den über 60-Jährigen.

Das hohe Vertrauen in gemeinnützige Organisationen spiegelt sich auch in der persönlichen Bereitschaft wider, selbst aktiv zu werden. Mehr als die Hälfte der Befragten kann sich grundsätzlich vorstellen, im Laufe ihres Lebens Geld für einen gemeinnützigen Zweck zu stiften. Insgesamt antworteten 53 Prozent mit Ja. Unter den unter 30-Jährigen liegt der Anteil bei 65 Prozent und damit über dem Durchschnitt.

Niedrigschwelliger Zugang gefordert

Für Straßer zeigen die Ergebnisse vor allem, was der Sektor leisten muss, um diese Bereitschaft in tatsächliches Engagement zu überführen: „Wer Jüngere für die Philanthropie gewinnen will, muss den Zugang zum Stiften möglichst niedrigschwellig gestalten und nachweisen, was mit Stiftungsgeldern erreicht werden kann. Wo geht mein Geld hin? Was wird damit erreicht? Wirkt es langfristig? Wirkungsnachweise sind keine lästige Pflicht, sondern die Vertrauenswährung unserer Zeit.“

Die Umfrage zeigt aber auch Vorbehalte. 67 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Stiftungen häufig genutzt würden, um Steuern zu sparen. Bei Männern liegt dieser Wert bei 75 Prozent, bei Frauen bei 59 Prozent. Unter den über 60-Jährigen teilen 74 Prozent diese Einschätzung. Bei den unter 30-Jährigen sind es dagegen nur 55 Prozent. Straßer leitet daraus den Auftrag für den Sektor ab, noch transparenter zu erklären, wie Stiftungsgelder wirken und wofür sie eingesetzt werden.

Tim Goldau ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Studium der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Literatur, Kultur, Medien an den Universitäten Marburg und Siegen arbeitete er in der Redaktion eines Außenhandelsverlags.