Sport und Ehrenamt:
Erste Staatsministerin ihrer Art

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Eines der positiven Signale für den gemeinnützigen Sektor aus dem Koalitionsvertrag ist die neue Stelle einer Staatsministerin für Sport und Ehrenamt – einer von drei Staatsministerposten, die im Kanzleramt angesiedelt sind. Die erste Person auf diesem Posten ist die CDU-Abgeordnete Christiane Schenderlein. Die 1981 geborene promovierte Politikwissenschaftlerin gehört seit 2021 dem Bundestag an. Beide Male zog sie über die Landesliste ein. Den Wahlkreis gewann zuletzt René Bochmann (AfD) mit 43,8 Prozent. Schenderlein erreichte 25 Prozent.

Kulturpolitisches Profil

Das bisherige Profil der Politikerin ist stark vom Kulturbereich geprägt. In der vergangenen Legislaturperiode war sie ordentliches Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag und auch Arbeitsgruppen-Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Weitere Schwerpunkte, die sie auf ihrer Website vorstellte, waren bislang Inneres und Heimat sowie Tourismus. In beiden Ausschüssen war sie stellvertretendes Mitglied. Auf ihrer Website präsentiert die Mutter dreier Kinder sich mit Traktor im Hintergrund als „Ihre Abgeordnete für Nordsachsen“. Neben Schenderlein und Michael Meister, dem Beauftragten für Bund-Länder-Beziehungen, wird als dritter Staatsminister auch der Verleger Wolfram Weimer für den Bereich Kultur und Medien im Kanzleramt angesiedelt sein.

Schenderlein hat sich mehrfach zu Fragen der Zivilgesellschaft positioniert, so kritisierte sie zum Beispiel Mitte Februar 2025 gemeinsam mit CDU/CSU-Fraktionsvize Dorothee Bär die Reaktion der Berlinale 2025 auf die Antisemitismusresolution des Bundestags: „Wir fordern darin die Bundesregierung und bundesgeförderte Einrichtungen angesichts der zahlreichen furchtbaren antisemitischen Vorfälle im Kulturbereich auf, endlich Maßnahmen gegen Judenhass und Antisemitismus zu ergreifen. Mit antisemitischer Hetze wird die Grenze der Kunstfreiheit überschritten.“

Auch zu Klimaprotesten äußerte sie sich deutlich, etwa als 2023 Aktivisten das Brandenburger Tor mit Farbe beschmiert hatten: „Klimachaoten haben das Brandenburger Tor – nicht nur ein Denkmal, sondern das nationale Wahrzeichen für ein vereintes und freiheitliches Deutschland – mit Farbe geschändet. Das ist anstandslos und geschichtsblind. Die Kosten der Reinigung bzw. Wiederherstellung werden sechsstellig sein. Es ist das Mindeste, dass die Verursacher persönlich für diese aufkommen. Volle Rückendeckung für die klare Linie des Berliner Bürgermeisters Kai Wegner!“

„Chance für wirkungsvollere Zusammenarbeit“

Im Stiftungssektor zeigt man sich abwartend bis optimistisch. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen spricht davon, dass Engagementpolitik mit dem Posten mehr politische Sichtbarkeit und Wertschätzung erhalte und mit der festen Ansprechpartnerin im Kanzleramt eine Chance für eine wirkungsvollere Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft bestehe. Dass der Posten den Bezug zu Sport und Ehrenamt, jedoch nicht Zivilgesellschaft im Namen trägt, werten Skeptiker hingegen als Ausdruck einer politischen Perspektive, die vor allem auf klassische Vereinsarbeit abzielt. Wie unterschiedlich die Koalitionäre auf dieses Thema schauen, war im Zuge der Kleinen Anfrage kurz nach der Bundestagswahl deutlich geworden.

Stefan Dworschak ist Chefredakteur von DIE STIFTUNG. Zuvor war er nach einem Magisterstudium der Anglistik, Philosophie und Romanistik mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt an den Universitäten Heidelberg und Sheffield in der Mantel- sowie Lokalredaktion einer Tageszeitung tätig.