Der Vorstand der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung ist komplett. Kaufmännischer Vorstand und damit Stellvertreter von Isabel Pfeiffer-Poensgen ist seit April 2025 Stefan Fritz. Der Rechtsanwalt war zuvor Geschäftsführer der Bischof-Arbeo-, der St.-Antonius- und der St.-Korbinian-Stiftung der Erzdiözese München und Freising.
Die Personalie ist ein weiterer Schritt im Wandel der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung – die strukturelle Veränderung ist laut Stiftung damit abgeschlossen. Sie begann mit der Berufung Isabel Pfeiffer-Poensgens zur Geschäftsführerin. Unter der Leitung der früheren Kulturministerin von Nordrhein-Westfalen wurde die Governance der Stiftung verändert: Pfeiffer-Poensgen wurde Vorsitzende eines nun hauptamtlich ausgelegten zweiköpfigen Vorstands, die Geschäftsführungsebene entfiel. Der bisherige ehrenamtliche Vorstand beschloss die Veränderung nach einem internen Beratungsprozess 2024. Die fünf langjährigen Mitglieder des Gremiums traten entsprechend zurück. Fritz ist der erste hauptamtliche kaufmännische Vorstand der Stiftung. Er folgt auf Martin Reincke, Professor für Innere Medizin an der LMU München, der in der Übergangsphase die neu geschaffene Position noch ehrenamtlich ausfüllte.
Kernpunkt der Kritik
Mit dem strukturellen Umbau ist die Stiftung auch einen zentralen Punkt der Berichterstattung angegangen, die nach der fristlosen Entlassung von Geschäftsführer Marcel Lepper im Frühjahr 2023 entstanden war. Dieser beschrieb seine Kritik an fehlender Aufarbeitung der Stiftungsgeschichte, Widerstände dagegen und – zentral – eine unprofessionelle Arbeitsweise. Pfeiffer-Poensgen betonte im Gespräch mit DIE STIFTUNG im Januar 2025 die Bedeutung von professioneller Vorgehensweise und Transparenz. „Ich finde die Forderung nach Transparenz richtig. Stiftungen stehen unter dem besonderen Schutz des Staates. Wir zahlen keine Steuern, also müssen wir uns auch fragen lassen, was wir im Sinne der Gemeinnützigkeit tun.“
Das historische Erbe wird aktuell vom Institut für Zeitgeschichte in München aufgearbeitet. Armin Mohler, erster Geschäftsführer der 1958 gegründeten Stiftung, zählte zu den Vordenkern der Neuen Rechten in der Bonner Republik. Er konnte durch seine Münchner Anstellung finanziell sorgenfrei wirken, nutzte die Ressourcen in Teilen auch für entsprechende Vernetzung und inhaltliche Impulse. Ein Umstand, mit dem sich die Stiftung unter seinem Nachfolger Heinrich Meier, der die Stiftung von 1985 bis 2022 leitete, nicht erkennbar beschäftigte.
Governance-erfahrener Vorstand
Der Jurist Stefan Fritz begann seine berufliche Laufbahn bei der HypoVereinsbank wo er bis zum Leiter des Stiftungsmanagements aufstieg. Berufsbegleitend promovierte er von 2003 bis 2007 zu „Stifterwille und Stiftungsvermögen“. 2016 wurde er Geschäftsführer der Bischof-Arbeo-, St. Antonius- und der St. Korbinian-Stiftung der Erzdiözese München und Freising. Zugleich ist Stefan Fritz als Rechtsanwalt, Fachautor und Dozent tätig sowie Beiratsmitglied und Rechnungsprüfer im Bundesverband Deutscher Stiftungen und Mitinitiator von Fundatio, einer Initiative, die sich Fragen der Rechtssicherheit für Stifter und Stiftungen widmet. Fritz veröffentlichte 2019 „Stiftungscockpit“, ein Tool zur sicheren Planung und Dokumentation des Finanzmanagements von Stiftungen.
Stefan Dworschak ist Chefredakteur von DIE STIFTUNG. Zuvor war er nach einem Magisterstudium der Anglistik, Philosophie und Romanistik mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt an den Universitäten Heidelberg und Sheffield in der Mantel- sowie Lokalredaktion einer Tageszeitung tätig.

