Hans-Dieter Lucas ist neuer Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ). Der Diplomat wurde von Bundeskanzler Friedrich Merz in das Amt berufen, wie die Stiftung mitteilte. Lucas folgt auf Annette Schavan, die den Kuratoriumsvorsitz seit September 2019 innehatte. Das internationale Kuratorium ist das Aufsichtsgremium der Stiftung und entscheidet über Schwerpunkte der Förderung und Aktivitäten. Die derzeit 25 Mitglieder werden für vier Jahre unter anderem vom Bundestag und Bundesrat, der deutschen Wirtschaft sowie von den an den internationalen Verhandlungen zur Gründung beteiligten Staaten und Organisationen entsandt. Dazu zählen mitunter die Vereinigten Staaten, Israel und das Volk der Sinti und Roma.
Lucas war nach Angaben der Stiftung rund vier Jahrzehnte im diplomatischen Dienst der Bundesrepublik tätig. Zu seinen Stationen zählten unter anderem das Amt des Politischen Direktors im Auswärtigen Amt, die Funktion als ständiger Vertreter Deutschlands bei der Nato sowie Botschafterposten in Frankreich und Italien. Er studierte Geschichte, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Katholische Theologie in Bonn, am Institut d’Études Politiques de Paris und an der Sorbonne. Promoviert wurde er an der Universität Bonn mit einer Arbeit über die Europapolitik Charles de Gaulles. Bis zum Sommer 2025 gehörte er dem Auswärtigen Dienst an.
Zu seiner Ernennung sagte Lucas: „Die Stiftung EVZ steht für die Einsicht, dass historische Verantwortung nicht mit dem Blick auf die Vergangenheit endet.“ Weiter sagte er, aus der Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht erwachse der Auftrag, „auch in Zukunft Menschenwürde, Demokratie und internationale Zusammenarbeit zu stärken“.
Aufarbeitung von Zwangsarbeit
Die Stiftung EVZ ist eine Stiftung öffentlichen Rechts und wurde im Jahr 2000 gegründet. Das Gründungskapital von rund fünf Milliarden Euro kam je zur Hälfte von der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, an der sich etwa 6.500 Unternehmen beteiligten, und von der Bundesregierung. Anlass der Gründung war die späte Aufarbeitung des NS-Verbrechenskomplexes Zwangsarbeit. In den ersten sieben Jahren ihres Bestehens zahlte die Stiftung nach eigenen Angaben 4,4 Milliarden Euro an mehr als 1,66 Millionen ehemalige NS-Zwangsarbeiter sowie Rechtsnachfolger in fast 100 Ländern aus.
Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft ist seit August 2025 in Russland „unerwünscht“. Die Stiftung will sich dennoch weiterhin für russische Exilorganisationen engagieren.
Heute fördert die Stiftung Projekte der historisch-politischen Bildung, zur Unterstützung von Überlebenden sowie gegen Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus. Im Tätigkeitsbericht 2024 nennt sie als Beispiel das Projekt „Geschichte statt Mythen“, das geschichtsrevisionistischen Erzählungen mit Bildungsarbeit entgegentreten soll.
