Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ist Opfer eines Ransomware-Angriffs geworden. Wie die Stiftung mitteilte, wurde der Vorfall am 5. August festgestellt. Betroffen sind die internen IT-Systeme der Geschäftsstelle sowie aller sieben Gedenkstättenstandorte. Der Besuch der Einrichtungen ist nach Angaben der Stiftung weiterhin ohne Einschränkungen möglich. Nach aktuellem Stand müsse allerdings davon ausgegangen werden, dass die Angreifer nicht nur Daten verschlüsselt, sondern auch heruntergeladen haben. Zudem sei eine Textdatei hinterlassen worden, in der zur Kontaktaufnahme aufgefordert werde, mutmaßlich mit dem Ziel, eine Zahlung für die Entschlüsselung der Daten zu verlangen.
Ausmaß noch nicht absehbar
Stiftungsdirektor Axel Drecoll sprach von einem schweren Einschnitt. „Durch den schwerwiegenden Angriff professioneller IT-Krimineller ist unser gesamtes IT-System derzeit außer Funktion“, erklärte er. Das volle Ausmaß des Schadens sei noch nicht absehbar. Zugleich arbeite die Stiftung mit Hochdruck an der sicheren Wiederherstellung der Systeme und bitte Betroffene und Partner um Verständnis. Unmittelbar nach Entdeckung des Angriffs seien sämtliche Internet- und Netzwerkverbindungen getrennt und betroffene Systeme offline genommen worden. Auf Empfehlung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik sei zudem ein externer IT-Sicherheitsdienstleister eingeschaltet worden. Anzeige bei den Strafverfolgungsbehörden wurde erstattet. Auch die Zentrale Ansprechstelle für Cybercrime beim Landeskriminalamt Brandenburg sowie die Datenschutzbehörde des Landes wurden informiert. Parallel dazu laufen das Neuaufsetzen der IT-Systeme und eine digitalforensische Untersuchung.
Christian Reuter von der TU Darmstadt spricht in dieser Folge von STIFTOPHON – nachgefragt über Kritische Infrastruktur, Kaskadeneffekte und die Frage, welche Rolle die Zivilgesellschaft spielen kann.
Der Fall verweist erneut auf die Verwundbarkeit gemeinnütziger Organisationen gegenüber Cyberangriffen. So wurde auch das Haus des Stiftens am 21. September 2024 Opfer eines Cyberangriffs. Das Sozialunternehmen teilte später mit, dass Angreifer Zugriff auf Server erlangt hätten. In der Folge wurden Daten verschlüsselt. Im Sektor hat das die Debatte über Notfallpläne, Datensicherung und ein höheres Sicherheitsbewusstsein zusätzlich verstärkt.
Finanziert von Land und Bund
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wurde 1993 vom Land Brandenburg als gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts errichtet. Zur Stiftung gehören sieben Einrichtungen: die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald, die Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam, die Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel, die Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden und die Gedenkstätte Lieberose in Jamlitz. Sie erinnern nicht nur an NS-Verbrechen, sondern teils auch an sowjetische Speziallager, stalinistische Repression und politische Verfolgung nach 1945.
Angriffe auf die Zivilgesellschaft nehmen im digitalen Raum zu. Viele gemeinnützige Organisationen überfordert das, denn die Bedrohung bleibt abstrakt. Wie sich Stiftungen mit der neuen Situation vertraut machen können.
Gefördert wird die Stiftung zu gleichen Teilen vom Land Brandenburg und vom Bund. Laut RBB soll sie im kommenden Jahr rund 470.000 Euro zusätzlich erhalten. Die Mittel sind Teil eines bundesweiten Förderprogramms für Gedenkstätten, für das die Bundesregierung insgesamt zehn Millionen Euro bereitstellen will: fünf Millionen für Projektförderungen und weitere fünf Millionen zur Stärkung der vom Bund geförderten Gedenkstätten.
