Die Stiftung Pfennigparade kooperiert mit mehreren Organisationen, darunter die Beisheim Stiftung, die BayWa AG und die Münchener Schachstiftung. Beim Roundtable diskutieren die Teilnehmer, wie erfolgreiche Zusammenarbeit entsteht, wie sie Wirkung entfaltet – und welche Fehler man dringend vermeiden sollte.

Wie sieht Ihre Kooperation mit der Pfennigparade jeweils aus?

Alison Eriksen (Beisheim Stiftung): Die Beisheim Stiftung hat gemeinsam mit der Pfennigparade für die inklusive Sport- und Erlebnisland­schaft INSEL einen Business- und Umset­zungsplan entwickelt. Er soll den lang­fristigen Bestand der Infrastruktur im Englischen Garten in München gewähr­leisten. Die Beratungsorganisation Green City hat das Projekt mitbegleitet. Die INSEL bietet Sport- und Bewegungsange­bote insbesondere für junge Menschen mit Behinderungen. Wir wollen gemein­sam ihre Reichweite noch vergrößern.

„Vertrauen und Verständ­nis sind entscheidende Erfolgskriterien, gerade bei sozialen Projekten.“

Stefan Kindermann, Münchener Schachstiftung

Stefan Kindermann (Müchener Schachstiftung): Die Münchener Schachstiftung verwendet seit 2007 Schach als Mittel, Fähigkeiten zu vermit­teln. Wir richten uns an verschiedenste Zielgruppen, darunter Grundschulkin­der in sozialen Brennpunkten, aber auch Menschen mit körperlichen Einschrän­kungen. Seit mehr als einem Jahrzehnt kooperieren wir mit der Pfennigparade. Unsere Trainer kommen einmal die Wo­che in die Räumlichkeiten der Pfennig­parade und geben Schachtraining. Dort findet auch der Höhepunkt des Trai­ningsjahres statt: ein inklusives Turnier, an dem durch Unterstützung von Hel­fern auch körperlich schwer einge­schränkte Teilnehmer teilnehmen kön­nen. Auch Menschen mit körperlichen Behinderungen können so einen an­spruchsvollen Geistessport ausüben.

Eva Leconte (BayWa AG): Die BayWa AG ist als Konzern in allen Bereichen des Lebens unterwegs: von der Agrar- über die Bau- bis hin zur Energiebranche. Unsere Ko­operation mit der Pfennigparade be­steht seit über zehn Jahren, ist vielfältig und von einem gegenseitigen Vertrauen geprägt. Sie umfasst unter anderem das Sortieren und Scannen von Rechnungen und Quittungen für unsere Finanzbuch­haltung, also die Belegverarbeitung, durch die Pfennigparade. Auch die 2021 gemeinsam veranstaltete virtuelle Ver­nissage mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern der Ateliergemeinschaft Groupe Smirage ist ein schönes Beispiel. So besuchten bis zum Ausstellungsende im Juni 2021 insgesamt 733 Personen die digitale Ausstellung, und es wurden 33 Bilder verkauft. Grundsätzlich zahlen derzeit alle unsere gemeinsamen Projek­te auf einen „inklusiven Arbeitsplatz der Zukunft“ ein. Hierzu haben wir unter an­derem auch 30 Arbeitsplätze bei der Pfennigparade modernisiert. Auch konn­ten wir die Pfennigparade IT-seitig bei der Implementierung und optimalen Nutzung von Office 365 beraten. Das al­les stets mit dem Ziel, den Menschen bei der Pfennigparade die bestmöglichen Bedingungen für heute und morgen zu bieten.

Alison Eriksen ist als Projektleiterin Sport und Büroleiterin der Beisheim Stiftung tätig. Sie ist für das Projektportfolio im Themenfeld Sport zuständig. Darüber hinaus leitet sie die administrative Stiftungsarbeit, unterstützt die Geschäftsführung sowie den Vorstand. Foto: Beisheim Stiftung

Wie finden Partner zueinander?

Thomas Heymel (Stiftung Pfennigparade): Manchmal sind es ganz einfach Zufälle: Man läuft einander über den Weg, erfährt vom Bedarf. Im Fall der BayWa war der Kern der Auftrag zur Belegverarbeitung. Dann stellte sich heraus, dass da noch mehr Möglichkei­ten sind. Die Schachstiftung nutzt Schach auch als Medium, Menschen zu verbinden, die normalerweise nicht zu­einanderfinden würden. Das berührt den Kern unserer inklusiven Arbeit. Letztlich geht es über einen recht einfa­chen Kontakt zu einem Projekt, dass et­was mehr entsteht. Auch im Fall der Ko­operation mit der Beisheim Stiftung. Eine Förderstiftung hat einen Katalog mit Indikatoren. Da muss eigentlich rela­tiv schnell klar sein, dass man es mit ei­nem potentiellen Partner zu tun hat. Frau Eriksen, ich muss sagen, das ging sehr schnell mit Ihnen (lacht). Sie haben uns schon ganz schön auf den Grill ge­legt, wollten keine Standardfloskeln hö­ren, sondern genau wissen, ob das Zu­kunftspotential hat.

Ernst-Albrecht von Moreau (Stiftung Pfennigparade): Die Pfen­nigparade hat mit ihren Kooperations­partnern meist Überlappungen und Übereinstimmungen, was die Ziele an­geht. Etwa bei der Schachstiftung ist es eine gemeinsame Zielgruppe: Menschen, die Barrieren überwinden müssen. Sie setzt bewusst dort an, wo man mit Schachspielen und Schachtraining die Kompetenzen von Menschen und damit ihr Selbstbewusstsein stärkt. Auch das Atmosphärische spielt immer eine Rolle: Je besser man zueinander passt, desto mehr Spaß hat man an der Zusammenarbeit, feiert gemeinsam Erfolge. Das ist mit allen drei Partnern hier ein wesentli­ches Element.

Der Start ist die eine Sache. Was haben Sie als entscheidende Faktoren dafür erlebt, dass Kooperation auch langfristig funktio­niert?

Stefan Kindermann ist Schachgroßmeister und Geschäftsführer der Münchener Schachakademie sowie Vorstandsvorsitzender der Münchener Schachstiftung. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, SZ-Kolumnist, Keynote Speaker, Trainer und Coach. Foto: Sam Appelt

Eriksen: Wichtig sind aus meiner Sicht Zielsetzung, Zielgruppe und gemeinsame Werte, ebenso die Atmosphäre und der Team Fit, ob es menschlich passt. Dabei spielt das Thema Kommunikation für uns eine zentrale Rolle, ebenso Offenheit. Es ist extrem wichtig, dass man sich offen zeigt und auch zu Beginn einer Koopera­tion über die schwierigen Themen spricht. Zum Beispiel, wie man damit um­geht, wenn wir auf Probleme stoßen. Wie können wir sicherstellen, dass daran nicht die Kooperation scheitert? Auch die Offenheit, Ressourcen zur Verfügung zu stellen, ist wichtig – nicht nur finanzi­elle, sondern auch Zeit und Personal.

Kindermann: Vertrauen und Verständ­nis sind entscheidende Erfolgskriterien, gerade bei sozialen Projekten. Wir führen mit der Beisheim Stiftung ein Projekt in Alten- und Servicecentren durch. Da Se­nioren oft sozial schlecht gestellt sind und wenige Kontakte haben, schlägt das gemeinsame Schachspiel zwei Fliegen mit einer Klappe. In Corona mussten wir die Trainings allerdings aussetzen, an­ders als bei Projekten in Schulen, die wir online weiterführen konnten. Die Beis­heim Stiftung war sehr entgegenkom­mend und vertrauensvoll, dass wir alles im Geiste der Vereinbarung umsetzen. Dabei spielt natürlich die persönliche Chemie eine große Rolle.

Leconte: Verbundenheit ist ein Wert, der die Grundlage unserer Kooperation mit der Pfennigparade darstellt. Sie muss über die Zeit entstehen und wach­sen. Beide Seiten haben sich hier stark engagiert. Dahinter stecken auch Res­pekt und Wertschätzung, ein Miteinan­der auf Augenhöhe. Wir kommen über die Kooperation in Kontakt zu den Men­schen bei der Pfennigparade – und ler­nen, was Menschen mit Einschränkun­gen und Beeinträchtigungen uns lehren können, um miteinander zu wachsen. Ich erinnere mich an die virtuelle Vernis­sage, bei der eine Künstlerin und ein Künstler bei uns vor Ort im Studio wa­ren. Wir haben uns mit ihnen gefreut und konnten ihren Stolz teilen. Das ver­bindet. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Offenheit und der Mut, etwas auszu­probieren. Es ist von großer Bedeutung, Schritt für Schritt vorzugehen und alle mitzunehmen. Dabei trägt der Einsatz vielfältiger Kompetenzen zu einem nach­haltigen Ergebnis bei.

Wir haben hier Positivbeispiele versam­melt. Woran liegt es, wenn Kooperationen nicht gelingen wie gewünscht? Was soll­ten Partner vermeiden?

Heymel: Bei dieser Frage sind die Rahmenbedingungen wichtig. Mein Ein­druck ist, dass Unternehmen und Stif­tungen insgesamt anspruchsvoller wer­den. Stiftungen haben sicherlich einen sehr hohen und wachsenden Anspruch, was Wirkung angeht. Für Unternehmen ist das Thema Authentizität in die Mitarbeiterschaft hinein von großer Be­deutung. Wenn sie etwas tun, das nicht als authentisch wahrgenommen wird, verkehrt es sich ins Gegenteil. Das wäre problematisch, denn Mitarbeiter suchen sich Unternehmen heute längst nicht mehr nur nach Gehaltsscheck aus. Dar­aus folgt für uns gemeinnützige Akteure, dass es nicht ausreicht, nur Gutes zu tun. Wir müssen als Organisationen viel­mehr besser darin werden, zu verste­hen, was der Partner braucht. Und so professionell werden, dass wir auf ho­hem Niveau mitspielen können. Das ist nicht ganz einfach, aber nur mit der rich­tigen Ansprache und passenden Kom­munikationsformen können wir ein inte­graler Bestandteil zur Zielerreichung un­serer Partner sein.

„Für mich bedeutet Koopera­tion eine Gratwanderung zwischen Of­fenheit und dem Raum für Fehler.“

Alison Eriksen, Beisheim Stiftung

von Moreau: Wenn man auf den ande­ren zugeht, ist es notwendig, sich darü­ber Gedanken zu machen, welchen Nut­zen ich dem anderen durch die Koopera­tion bringen kann. Das andere ist, dass die Partner von uns gemeinnützigen Or­ganisationen wissen möchten, warum wir etwas tun oder warum eine bestimm­te Maßnahme richtig ist – und welche Wirkung sie erzielt. Sich diese Fragen zu stellen, ist für uns ein sehr wichtiger Prozess, dessen Ergebnisse sich in Kon­zepten widerspiegeln. Nur gut durch­dachte Konzepte sind später anpassbar, wenn die Realitäten es erfordern. Das war auch bei dem INSEL-Projekt das Spannende. Wir hatten diesen tollen bar­rierefreien Sportplatz, mussten aber die Frage beantworten, wie wir ihn künftig bespielen können. Wir als Soziale kön­nen das nicht alleine leisten, brauchen die Perspektive zum Beispiel der Stadt­gesellschaft und damit auch Vernetzun­gen, die uns nicht so vertraut sind. Da­her war es wichtig, einen kompetenten Partner einzubeziehen, das Projekt zu­gleich einzugrenzen, aber so offen zu ge­stalten, dass es im Verlauf angepasst werden kann.

Eva Leconte ist seit fünf Jahren Group Head of HR der BayWa AG und arbeitet seit über 30 Jahren in führenden Organisationen unterschiedlicher Branchen. Sie ist Vorstandsmitglied der BayWa Stiftung und Vizepräsidentin des bayerischen Arbeitgeberverbands LGAD. Foto: BayWa AG/Andreas Pohlmann

Eriksen: Für mich bedeutet Koopera­tion eine Gratwanderung zwischen Of­fenheit und dem Raum für Fehler. Projek­te müssen sehr gut durchdacht sein, und wir als Stiftung achten sehr auf Wir­kung und sind unternehmerisch geprägt. Zugleich muss man flexibel genug sein, um das Risiko einzugehen, mit einem neuen Partner ein Projekt zu starten. Die Pandemie hat gezeigt, dass Flexibilität wichtiger wird – auch Stiftungen muss­ten sich in ihren Arbeitsweisen und Strukturen anpassen. Ich habe in Part­nerschaften auch erlebt, dass wir am An­fang in eine Richtung dachten, aber im Verlauf in eine andere Richtung gegan­gen sind. Das ist dem Projekt zugutege­kommen. Diese Flexibilität steht in Ver­bindung mit den Werten der beiden Or­ganisationen, der Aufsetzung der Kom­munikation und der Erwartungshaltung von Anfang an.

Heymel: Dazu passt unser gemeinsa­mes Beispiel. Wenn man an eine Stiftung herantritt, tut man das in der Regel mit einem guten Plan, um die Stiftung zu überzeugen. In unserem Fall war der Kontakt mit der Beisheim Stiftung der Startpunkt, überhaupt erst einen belast­baren Plan entwickeln zu können. Da ha­ben Sie uns ein hohes Maß an Vertrauen geschenkt. Ich habe Sie als extrem flexi­bel wahrgenommen – für uns war das eine steile Lernkurve. Die BayWa hat sich auf ein Thema eingelassen, das ge­rade auch für die BayWa eine starke Au­ßenwirkung hat. War also mit Risiken verbunden – und niemand wusste bis zu­letzt, ob das wirklich funktioniert. Diese Flexibilität bei Ihnen fanden wir sehr be­achtlich. Vertrauen war ein Schlüsselfak­tor für den Erfolg.

Das alles klingt nach viel Arbeit. Wie viel Aufwand bedeutet eine Kooperation?

Leconte: An unserem jüngsten Pro­jekt zum inklusiven Arbeitsplatz der Zu­kunft haben wir im Vorfeld circa neun Monate gearbeitet. In den vier Teilpro­jekten waren von unserer Seite unter anderem Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen HR, Marketing, IT, Unter­nehmenskommunikation sowie BayWa Baustoffe, dem Facility Management und der BayWa Stiftung mit involviert. Wenn man bereit ist, Neues auszuprobieren und zu wagen und letztendlich eine ge­wisse Ergebnisrobustheit haben möch­te, ist es wichtig, die Ressourcen im Un­ternehmen zur Verfügung zu stellen. In meinem Team lag für das Projekt die Hauptverantwortung, und sie haben es dank ihrer Überzeugung zum Erfolg ge­führt.

Kindermann: Für uns ist ein Faktor das jährlich wiederkehrende Problem durch das Spannungsfeld zwischen An­tragstellung und Planungssicherheit – gerade bei neuen Partnern. Unser größ­tes Volumen sind Projekte an Grund­schulen. Im Maximum waren es unge­fähr 1.350 Grundschulkinder in sozialen Brennpunkten an mehr als 20 Schulen. Diese Zusammenarbeit müssen wir rechtzeitig vereinbaren – es kann aber sein, dass die Entscheidung aufseiten des Förderpartners erst fällt, nachdem die Planung schon gemacht sein muss. Gerade große Stiftungen haben feste Termine. Dieses Spannungsverhältnis ist schwer aufzulösen. Bei gewachsenen Partnerschaften wie mit der Pfennigpa­rade kann man sich darauf verlassen, dass es rechtzeitig eine Entscheidung gibt.

Das ist das Gegenteil zur Flexibilität, von der wir gerade gehört haben. Ist das von Haus zu Haus verschieden?

Kindermann: Meiner Erfahrung nach ja. Wenn es feste Vorgaben gibt, zweimal im Jahr zu entscheiden, ist es schwer, daran zu rütteln. Ausnahmen wären na­türlich ideal, aber das kann man nicht erwarten, wenn man einander noch nicht kennt.

Thomas Heymel leitet den Bereich Corporate Development bei der Stiftung Pfennigparade. Nach verschiedenen Funktionen in der Wirtschaft verfügt er nun über ein Jahrzehnt berufliche Erfahrung im Sektor und ist Gastdozent an der Hochschule St. Gallen. Foto: Stiftung Pfennigparade

Eriksen: Die Stiftungslandschaft ist sehr heterogen. Es gibt nicht die 08/15-Stiftung, die eine bestimmte Stra­tegie hat, die allen bekannt ist. Diese Un­terschiedlichkeit ist eine der größten Herausforderungen, die zu Beginn natür­lich besprochen werden muss: Was kann ein Akteur, der Mittel beantragt, kurzfris­tig planen, was langfristig? Diese Gesprä­che überhaupt zu führen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist ein Prob­lem, das aus meiner Sicht noch nicht zu lösen ist, aber man kann als Förderstif­tung sehr offen damit umgehen und klar kommunizieren, was man als Förder­partner leisten kann und was nicht. Dann können die Partner mit diesen In­formationen weiterplanen.

Heymel: Wenn wir den Blick auf Un­ternehmen wie die BayWa AG legen, se­hen wir, dass Unternehmen einer un­glaublichen Taktung ausgesetzt sind, die Märkte immer schnelllebiger werden. Natürlich kommen uns die Unterneh­men in hohem Maße entgegen, schaffen wirklich große Korridore. Wir als Stiftun­gen müssen dennoch in der Lage sein, eine gewisse Flexibilität mitzubringen, dieser Taktung zumindest in Ansätzen folgen zu können. Nehmen Sie die Coronazeit und die damit einhergehen­de Virtualisierung. Da merken wir, dass ein Partner wie die BayWa sehr schnell agiert und wir flexibel sein müssen, The­men neu zu denken und zu adaptieren. Es ist gut, wenn die Partnerschaft diesen Diskurs auch hergibt.

Leconte: Gerade aufgrund dieser un­terschiedlichen Taktung im Unterneh­men fand ich die Zusammenarbeit mit den Künstlern so wertvoll. Wir sind auch an unsere Grenzen gekommen in dem, was wir an Geschwindigkeit von unseren Partnern überhaupt erwarten können. Künstlerinnen und Künstler arbeiten in ihrer eigenen Dynamik, wir wollten das respektieren und haben uns dabei selbst überprüft. Manchmal hat es einen Wert, das Tempo herauszunehmen. Als ich in der Künstler-Werkstatt war, konnte ich erleben, wie Kreativität entsteht und welche Meisterstücke entstehen.

Das führt uns direkt zur Wirkungsmessung – einem Thema, das im Stiftungssektor nicht unumstritten ist. Wie gehen Sie da­mit um?

Kindermann: Wir bewegen uns in ei­nem spezifischen Bereich, die allgemei­ne positive Wirkung von Schach auf Kin­der ist in weltweit mehr als 50 Studien belegt. Für uns selbst ist es aus Kosten­gründen schwierig, wissenschaftlich zu messen. Wir bleiben aber im Austausch mit Schulen, mit den jeweiligen Leitun­gen, um Rückmeldung einzuholen von Lehrern, Trainern, Kindern und El­tern. Das ist ein weiches Feedback, wir haben aber ein kleineres Projekt geplant in Kooperation mit einer Professorin aus Mannheim zu Schachtraining mit Kin­dern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen. Auch schreiben Trainer spätestens am Ende des Trainingsjahres einen Bericht. Wir haben also insgesamt doch ein ganz gutes Stimmungsbild. Wenn Probleme auftreten, hören wir so­fort davon. Wenn es gut läuft, kommt erst mal nichts.

„Dort, wo Ziele, Formate, Werte und En­gagement zusammenkommen, kommt Wirkung zustande.“

Eva Leconte, BayWa Ag

von Moreau: Wirkung und ihre Dar­stellbarkeit haben generell eine hohe Be­deutung. Das erleben wir nicht nur bei Stiftungen und Spendern, sondern auch in der pädagogischen Arbeit, wo der Ge­setzgeber mit jeder Reform zunehmend den Nachweis von Wirkung einfordert. Jeder, der Geld gibt, will wissen, dass das Geld sinnvoll angelegt ist. Wir gehen unterschiedlich vor. Im Controlling wer­den neben den Zahlen oft schon Wir­kungsfaktoren dargestellt. Projekte wer­den so geplant, dass die Ergebnisse messbar und damit darstellbar sind. Aber es gibt auch andere Beispiele: In der Pfennigparade hat sich eine richtige Community gebildet, die durch das Schachspielen Begegnung erfährt und gemeinsam Spaß hat. Da müssen wir kei­ne Wirkungsskala anlegen, die wir müh­sam mit Werten hinterlegen. Beim Pro­jekt INSEL ist ein Projektziel auf Nach­haltigkeit angelegt. Zu Recht fragt eine Beisheim Stiftung auch nach dem För­derzeitraum nach dem Stand der Umset­zung. Es kommt also sehr auf das Projekt an, ob Wirkungsmessung sinnvoll ist oder nicht. Grundsätzlich ist es aber richtig, in Wirkung zu denken. Der sozia­le Bereich hat da eher Luft nach oben. Wir befinden uns selbst in einem Lern­prozess, wie wir als Gruppe Pfennigparade Wirkung besser darstellen kön­nen.

Ernst- Albrecht von Moreau ist seit 2016 geschäftsführender Vorstand bei der Stiftung Pfennigparade. Er leitet das Münchener Sozialunternehmen mit dessen 16 Tochtergesellschaften gemeinsam mit Dr. Jochen Walter. Foto: Stiftung Pfennigparade

Eriksen: Wir sind eine Stiftung, die nicht nur finanziell fördert, sondern die sich auch intensiv mit den Inhalten aus­einandersetzt. Was Herr von Moreau ge­sagt hat, kann ich unterstreichen. Der Umgang mit Evaluation hängt von den Kapazitäten und den Inhalten des Pro­jekts ab. Beim Projekt INSEL haben wir ein Fundament für die Weiterentwick­lung des Projekts geschaffen. Wirkung heißt für uns, etwas angestoßen zu ha­ben in der Hoffnung, vielen Menschen Bewegung und Sport ermöglichen zu können. Das führt hoffentlich zu einem aktiveren Lebensstil, aber ob wir das messen können, war kein Baustein des Projekts. Da vertrauen wir der Stiftung Pfennigparade. Dass man mit dem Wir­kungsgedanken in Projekte hineingeht, ist für Förderer extrem wichtig, um Ver­änderungen festzustellen.

Heymel: Es ist immer die Frage der Art und Weise der Bemessung von Wir­kung. Mit der BayWa haben wir uns auf einen visionären Schritt geeinigt. Etwas zu tun, das auf einen Arbeitsplatz der Zukunft einzahlt für Menschen mit Be­hinderung. Die BayWa hat uns in unter­schiedlichen Vorhaben unterstützt, die alle auf dieses Konto einzahlen. Für die Arbeit, die wir tun, bekommen wir Erlö­se. Das finanziert die Arbeit, die wir ge­rade tun, aber in der Regel nicht die zu­künftige. Somit sind solche Projekte von unglaublicher Bedeutung.

von Moreau: Ist es nicht schon auch Wirkung, wenn wir uns gegenseitig gute Storys geben durch Kooperation? Auch wenn ich nicht weiß, ob Geschichten er­zählen der richtige Ausdruck ist. Frau Leconte hat das gerade so passend be­schrieben: Die Kooperation mit einem sozialen Partner ist auch in der Innen­wirkung wichtig, die Mitarbeiter werden mitgenommen, indem das Unternehmen etwas Sinnstiftendes tut. Das motiviert die Mitarbeiter, ist eine Story nach in­nen. Die Beisheim Stiftung spricht auch darüber, was sie tut, mit wem sie zusam­menarbeitet – und was die Projekte ge­bracht haben. Bei der Münchener Schachstiftung profitieren wir voneinan­der, weil wir gemeinsam die Stadtgesell­schaft bereichern. In der Pfennigparade erzählen wir auch, wie toll die Kurse von der Schachstiftung für Schülerinnen und Schüler oder gemeinsame Aktionen mit Münchener Unternehmen sind und was sie bewirken. Ich möchte behaupten, dass das schon Wirkung ist.

Leconte: Absolut. Ich habe gerade an ein Beispiel gedacht: Wir sind als Unter­nehmen durch den Fachkräftemangel in einem Wettbewerb um die besten Talen­te. Ich bin wirklich erstaunt, was junge Menschen für ein starkes Interesse an sozialem Engagement zeigen. Da geht es um so viel mehr als nur um den Jobin­halt, wer der Vorgesetzte sein wird und wo der Arbeitsplatz ist. Es geht wirklich immer mehr darum, was die BayWa sonst noch macht, wo ich mich sozial engagieren kann. In diesem Zusammen­hang wirkt auch die BayWa Stiftung. Dort, wo Ziele, Formate, Werte und En­gagement zusammenkommen, kommt Wirkung zustande.

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