Stiftungen stellen Mittel für sinnvolle Zwecke zur Verfügung. Doch wie sie es tun, lässt Raum für Verbesserungen, findet die Initiative „Weniger ist mehr“. Rund 30 Akteure aus dem Stiftungs- und Gemeinnützigkeitssektor aus Deutschland und der Schweiz haben einen gleichnamigen Leitfaden formuliert, der Stiftungen dabei unterstützen soll, Problemfelder zu erkennen.

Die Initiative „Weniger ist mehr“ will Stiftungen dabei helfen, ihre Regeln und Vorgaben für Förderzusagen zu prüfen, um das Ergebnis für alle Seiten zu verbessern. Bislang seien Auflagen teilweise unnötig kompliziert, Vorgaben unflexibel, wo sie sinnvolle Spielräume lassen könnten, so Stiftungsberater Karsten Timmer, der das Projekt redaktionell verantwortet. Seiner Erfahrung nach beschäftigen sich viele Stiftungen intensiv mit der Frage, welche Projekte am meisten Wirkung versprechen. Tatsächlich hänge die Wirkung der Förderung aber auch davon ab, wie die Zuwendung vergeben wird. Häufig würden Stiftungen auf Standardprozesse zurückgreifen, inklusive zeitlicher Vorgaben und der Bindung an Projekte – unabhängig von denn individuellen Erfordernissen. Hier setzt „Weniger ist mehr“ an. Der Leitfaden will Impulse geben, wie Stiftungen ohne großen Aufwand die Wirkung ihrer Förderungen erhöhen können.

„Viele Stiftungen orientieren sich wohl an der Vergabe öffentlicher Mittel.“
Karsten Timmer

Feedback als Frage des Wollens

Stiftungsberater Karsten Timmer verantwortet das Projekt „Weniger ist mehr“ redaktionell. Foto: Privat

Ein erster Schritt ist die Datenerhebung. „Früher waren Partnerbefragungen sehr aufwendig. Inzwischen sind anonyme digitale Umfragen schnell durchgeführt, zum Beispiel zur Frage, an welchen Punkten die Zusammenarbeit umständlich ist. Heute ist es daher eher eine Frage des Wollens und der Haltung“, sagt Timmer. Er selbst habe stark davon profitiert, auf der Antragstellerseite zu stehen. „Ich habe nirgendwo so viel über Stiftungen gelernt wie als ehrenamtlicher Fundraiser der Kita meiner Kinder.“ Dem Sonnensegel für rund 1.200 Euro sei ein mehrseitiger Wirkungsbogen mit Meilensteinen zur Erfolgsmessung vorausgegangen. Der Kauf einer Schaukel sorgte bei einer Stiftung für Fragezeichen, weil zwar Preis und Qualität, aber nicht das Modell exakt den Antragsunterlagen entsprachen. „Da fragt man sich als Antragssteller schon, wem mit solchen Auflagen geholfen ist. Dem Projekt dient es sicherlich nicht.“

„Viele Stiftungen orientieren sich wohl an der Vergabe öffentlicher Mittel“, sagt Timmer. Doch die daraus folgende Strenge sei nicht immer sinnvoll. „Ich will gar nicht, dass alle Stiftungen in Zukunft nur noch ungebunden und auf ewig Gelder bewilligen. Aber es ist wichtig, sich zu fragen, wie viel Kontrolle nötig und wie viel Flexibilität möglich ist.“

Impulse aus der Schweiz

Ideen dazu gibt es etwa aus der Schweiz – die personell ebenfalls bei den Initiatoren von „Weniger ist mehr“ vertreten ist. „Schweizer Stiftungen denken viel mehr über diese Management- und Förderthemen nach, weil rechtliche Fragen dort eine viel geringere Bedeutung haben.“ Doch auch in Deutschland sei der Spielraum größer als vermutet. „Die rechtlichen Mindestbedingungen an die Ausgestaltung von Förderungen sind faktisch null“, sagt Timmer. „Rein rechtlich ist den Berichtspflichten Genüge getan, wenn die Stiftung eine Spendenbescheinigung bekommt. Die Diskussion ist mitunter stark von Dienstleistern geprägt – man erwartet eine Komplexität, die es häufig nicht gibt“, sagt der Stiftungsberater. Das zeigen Beispiele aus dem Leitfaden. „Für Antragsverfahren gibt es keine zwingenden rechtlichen Anforderungen – nicht einmal, dass es überhaupt einen Antrag geben muss“, heißt es dort – es sei denn, Mittel werden von anderen Institutionen oder der öffentlichen Hand weitergeleitet.

Die Verbreitung dieser Informationen trifft auf eine Situation, in der sich aus Timmers Sicht ein vorsichtiger Wandel abzeichnet. „Nicht zuletzt während der Corona-Zeit haben viele Stiftungen angefangen, ihre Förderprozesse flexibler zu gestalten. Auf dem letzten Stiftungstag in Leipzig drehten sich daher viele Diskussionen um die Frage, wie Stiftungen ihre Förderungen besser auf die Bedürfnisse ihrer Förderpartner abstellen können.“ Der Wandel in der Förderlandschaft hat für Timmer auch mit einer Veränderung beim Stiftungspersonal zu tun: „Die jungen Leute, die jetzt neu in Stiftungen kommen, denken ganz anders über Macht und Partizipation. Außerdem stellen Förderstiftungen vermehrt Menschen an, die zuvor in Nonprofits gearbeitet haben und die andere Perspektive kennen. Das weitet den Blick und schafft Verständnis.“

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