Wirkung zählt – aber wie misst man sie richtig?

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Diese Fragen standen im Zentrum einer lebendigen Diskussion im Rahmen des Berenberg Stiftungs-Talk Spezial am 19. Juni 2025 in Hamburg. Die Erkenntnisse daraus reichen weit über den Abend hinaus und zeigen deutlich: Wirkungsmessung ist kein Selbstzweck – sondern ein Schlüssel zu mehr Vertrauen, Effizienz und gesellschaftlicher Relevanz.

Wirkung als Legitimation und Motivation

„Positive Wirkung ist die Legitimation und Motivation für gesellschaftliches Engagement“, betonte Dr. Andreas Rickert, Gründer des Think-&-Do-Tanks Phineo. Wirkung sei weit mehr als Kontrolle – sie helfe, Projekte gezielt zu steuern, zu verbessern und nachvollziehbar zu begründen.

Rickert zufolge braucht es für nachhaltige gesellschaftliche Veränderungen drei Elemente: Werte, Innovation und Kapital. Stiftungen könnten staatliches Handeln nicht ersetzen, aber wirkungsvoll ergänzen – vor allem durch ihre Flexibilität im Kapitaleinsatz. Sein Appell: „Nutzt eure Innovationskraft und habt den Mut, neue Wege zu gehen.“

Wirkung beginnt bei der Zielgruppe

Ein zentrales Element wirksamer Arbeit: die Zielgruppe. Laut Rickert besteht häufig ein Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit – auch bei gut gemeinten Stiftungsprojekten. Viele Maßnahmen würden ohne echte Einbindung der Zielgruppe entwickelt. Wirklich relevante Wirkung entstehe jedoch nur dann, wenn sich Förderinstitutionen in die Lebensrealitäten der Menschen hineinversetzen, ihre Bedarfe verstehen – und Angebote daraus ableiten.

Am Beispiel eines Programms zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit illustrierte Rickert, worauf es ankommt: „Es reicht nicht, dass junge Menschen ein Angebot wahrnehmen. Entscheidend ist: Haben sie etwas gelernt? Einen Job gefunden? Fühlen sie sich gestärkt?“ Wirkung müsse also sowohl quantitativ als auch qualitativ gemessen werden – von der individuellen Entwicklung bis hin zur gesellschaftlichen Ebene, etwa durch sinkende Arbeitslosenzahlen.

Nicht alles lässt sich in Zahlen fassen

So wichtig valide Daten und Indikatoren auch sind – Wirkungsmessung hat Grenzen. Gerade bei Präventionsprogrammen oder langfristigen Projekten lasse sich Erfolg nicht immer in konkreten Zahlen ausdrücken. „Ideal wäre eine begleitende wissenschaftliche Studie – aber das ist nicht immer realistisch“, so Rickert. Sein Plädoyer: Pragmatismus statt Perfektion. Auch qualitative Methoden wie Befragungen oder regelmäßige Lernschleifen können wertvolle Erkenntnisse liefern – sofern sie systematisch eingesetzt werden.

„Zu viele Herausforderungen, zu wenig Mittel“

Für Tanja Ferkau, Gründerin der Impct gGmbH, ist Wirkungsmessung kein Luxus, sondern Notwendigkeit: „Es gibt zu viele Herausforderungen und zu wenig Mittel. Deshalb müssen wir Ressourcen effizient und zielgerichtet einsetzen.“

Auch Rüdiger Ratsch-Heitmann, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Hamburg, betont die Bedeutung klarer Zielsetzungen: „Nur wer ein Ziel definiert, kann auch feststellen, ob es erreicht wurde.“ Wirkungsmessung dürfe jedoch kein starres Korsett sein. Sie müsse sich am Projektvolumen, der Zielsetzung und den verfügbaren Ressourcen orientieren. Besonders bei Kleinstförderungen könne eine umfassende Evaluation unverhältnismäßig sein – vor allem, wenn es sich um bewährte Maßnahmen handelt.

Wirkung kostet – aber wer zahlt?

Ein oft übersehener Punkt: die Finanzierung von Wirkungsmessung selbst. „Jeder will es haben, aber niemand will dafür zahlen“, fasste Tanja Ferkau die Realität vieler Projekte zusammen. Evaluationen würden bei Förderanträgen häufig als entbehrlich gestrichen – dabei sollte das Gegenteil gelten: Wirkungsmessung gehört verbindlich ins Förderbudget.

Fehlerkultur und Vertrauen

Was aber, wenn die gemessene Wirkung hinter den Erwartungen zurückbleibt? Für Ratsch-Heitmann ist klar: Der richtige Weg ist Transparenz. Rickert ergänzt: „In Deutschland fehlt es an einer offenen Fehlerkultur. Dabei könnten wir alle voneinander lernen – wenn wir den Mut haben, Fehler zu teilen.“ Eine solche Offenheit erfordert allerdings Vertrauen – sowohl von Seiten der fördernden Stiftung als auch von Geldgebern und Öffentlichkeit. „Spender dürfen – und sollen – fragen, was mit ihrem Geld erreicht wurde. Aber sie sollten auch verstehen, dass nicht jedes Projekt sofort die Welt verändert“, so Ratsch-Heitmann.

Wirkung als Gemeinschaftsaufgabe

Am Ende waren sich alle Diskutierenden einig: Wirkung ist kein exklusives Stiftungsanliegen. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Zivilgesellschaft, öffentliche Hand und Wirtschaft gemeinsam tragen müssen.

Denn Wirkung zu messen, heißt nicht nur, Ergebnisse zu zählen. Es heißt, Verantwortung zu übernehmen – für die Menschen, für unsere Gesellschaft und für die Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen.

Stefan Duus
Wealth Management
Leiter Kompetenzteam Stiftungen & NPOs Berenberg
Tel.: 040/350 60 361
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