DIE STIFTUNG: Ist dies auch der Grund, warum zwar eine Reihe von deutschen Gästen auf der Konferenz war, die deutsche Stiftungsszene aber keinen aktiven Part im Programm hatte?
Roy: Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass viele deutsche Organisationen dieses Thema für noch recht weit entfernt halten. Wir haben bei der Konferenz klar feststellen können, dass aus Deutschland deutlich mehr Intermediäre an Bord waren als gemeinwohlorientierte Organisationen.
DIE STIFTUNG: Die Referenten in Paris haben auch einen Blick auf die Venture Philanthropy in Afrika geworfen. Was gibt es dort Neues?
Roy: In Afrika sehen wir immer mehr Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit, die aktiv Instrumente aus der Toolbox von Venture Philanthropy und Social Investment nutzen. So hat die traditionsreiche niederländische Organisation Hivos in diesem Jahr die Platzierung von zwei eigenentwickelten Impact-Investment-Fonds bekannt gegeben, für die aktuell das Fundraising komplettiert wird. Mit dem Geld tätigen sie zum Beispiel selbst Investments in regionale, auf Nachhaltigkeit in der Nahrungsmittelproduktion ausgerichtete Unternehmen und sind auch im Bereich Mikrofinanz aktiv – dies alles eben inklusive Wirkungsmessung und inklusive der Möglichkeit, auch Rendite zu erzielen.
DIE STIFTUNG: Welche weiteren Trends haben sich abgezeichnet?
Roy: Ein Trend ist sicherlich die verstärkte Zusammenarbeit im Sektor. Co-Investments etwa sind in den vergangenen zwei Jahren deutlich angestiegen. Daneben haben die Gäste aus Afrika berichtet, dass sie gerade daran arbeiten, ein afrikanisches Netzwerk für Venture Philanthropy ins Leben zu rufen. Ein asiatisches Netzwerk existiert bereits. Man sieht: Wirkungsorientierung und entsprechendes Investieren umspannt die Welt immer stärker.
DIE STIFTUNG: Ein gewaltiges Schlusswort. Herr Dr. Roy, vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Interview führte Gregor Jungheim.
Dr. Patrick Roy ist Gründer und Co-Geschäftsführer von TRIPLE IMPACT, einer der führenden Non-Profit- und Engagement-Beratungen in Deutschland. Der promovierte Betriebswirt und Ex-McKinsey-Consultant berät seit etwa 15 Jahren gemeinwohlorientierte Akteure in strategischen und wirtschaftlichen Fragen. Die Besonderheiten und Herausforderungen des Sektors kennt er auch aus eigenen ehrenamtlichen Leitungsfunktionen für gemeinnützige Anliegen. Roy lehrt und publiziert ferner regelmäßig zu verschiedenen Aspekten des Non-Profit-Managements, wurde zum Mitglied des GIZ-Expertenpools für Bildung und Wissenschaft berufen und fungiert als Gründungscoach für Social Entrepreneurs.
Der Veranstalter
Die EVPA ist ein Netzwerk europäischer Organisationen, die positive soziale Wirkung durch den Einsatz von Wagniskapital für gute Zwecke erzielen wollen. Sie besteht aktuell aus rund 210 Mitgliedern aus 29 Ländern. Im Pariser Tagungszentrum „Maison de la Chimie“ richtete die EVPA vom 2. bis 4. November ihre 12. und bislang größte Jahreskonferenz aus. Das nächste Treffen wird am 9./10. November 2017 in Oslo stattfinden.
